Alte Idee wird nun von Gemeindevertretern in Münster aufgegriffen

Muna-Areal: Paradies für Wisente?

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Idylle, soweit das Auge blickt. Doch zuviel Gelände auf dem Muna-Areal ist auch heute noch munitionsverseucht. Bis hier einmal Wisente grasen werden, muss noch viel passieren.

Münster - Die Bundesforstverwaltung und die Gemeinde legen eine alte Idee für das schon so lange brach liegende Munagelände neu auf: Es könnte ein Wildgehege für Wisente werden, verriet jetzt der neue Erste Beigeordnete in einem Nebensatz einer ALMA-Pressemitteilung. Von Thomas Meier

Jan Stemme, Erster Beigeordneter der Gemeinde und Mitglied der Fraktion der ALMA, berichtet in einer Aufzählung von Vorhaben der Alternativen und SPD, das man „kostenneutral“ ein hochinteressantes Projekt für das ehemalige Muna-Gelände umzusetzen gedenke. Bereits vor über sechs Jahren, am 24. Juli 2010, berichtete die Offenbach-Post unter der Überschrift „Wisent unterm Wachturm“ von den Bestrebungen der Forstbehörden und den überaus schützenswerten Biotopen auf dem ehemaligen militärischen Sperrgebiet. „Wo seit 1939 Munition gelagert und gesprengt wurde, könnten schon bald Wisente unter zu Aussichtstürmen umfunktionierten Wachtürmen grasen“, hieß es damals, als drei studierte Forstleute von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben bei einem exklusiven Rundgang für unsere Zeitung bekannten: „Das hier ist ein Paradies, das es sonst in unserem Land nirgendwo mehr gibt.“

Werden bald Wisente ihren Nachwuchs auf dem derzeit noch munitionsverseuchten Gelände der Muna großziehen?

Christoph Goebel, Matthias Pollmeier und Harald Fuhrländer sprachen von einer „einmaligen Biodiversität auf der einzigartigen Konversionsliegenschaft“, priesen deren Flora und Fauna in den höchsten Tönen, auf dem sich doch ein so wertvolles ökologisches Ensemble etabliert habe, dass es „eines fundierten Perspektivenkonzeptes“ bedürfe, um das Habitat für die Bewohner rundherum, für die gesamte Republik zu erhalten und weiter zu entwickeln. Sie gerieten ins Schwärmen, inmitten des 260 Hektar großen Areals, das landläufig als „Muna“ den Bewohnern noch heute eher ein Schreckgespenst ist, zu dem sie seit Jahrzehnten keinen Zutritt mehr haben. Abgeschirmt liegt die verbotene Landschaft seit 1939 zwischen Münster, Eppertshausen, Urberach und Dieburg. Sie gilt als hochgradig munitionsverseucht, neudeutsch als No-go-Area schlechthin. Und daran hat sich in den vergangenen sechs Jahren auch wenig geändert, denn eine nötige Entmunitionierung, seit Abzug der US-Truppen immer mal wieder kleinparzellenweise sporadisch in Angriff genommen, kostet die Beteiligten viel zu viel Geld.

Das ist sehr schade, denn dort, wo zu Wehrmachts- und US-Militärzeiten auf dem Bunkerareal eine ganz spezielle „Pflege“ praktiziert wurde, entwickelte sich eine Natur, wie sie es sonst in der Kulturlandschaft Deutschlands nie vermocht hätte. Fast alle Stadien europäischer Landschaften sind hier vertreten. Von moorigen Strecken über Heide oder Trockenhügel, vom Sumpf über Vorwald bis hin zum teutonischen Urwald gibt es zwischen dem Breitefeld und Urberach fast alles. Solch Vielfalt konnte nur in der von Menschen abgeschotteten Wildnis gedeihen, die allerdings der dort gebauten zahlreichen Munitionsbunker wegen eine besonderes Drainagesystemen verpasst bekam. In braunen Vorzeiten wurden auch mal Fichtenbestände als Sichtschutz angelegt, ab und zu einmal sprengten Militärs ihre Munitionshügel in die Luft, um sie nicht dem Feind in die Hände fallen zu lassen. Auch buddelten immer mal wieder Soldaten neue Gräben und Löcher für weitere Bunkeranlagen. Doch stets obsiegte rundherum eine erfindungsreiche Natur.

Munagebiet zwischen Sprayern und Tümpeln

Die letzten 20 Jahre, seit Abzug der letzten Krieger, ist die Natur sich völlig selbst überlassen im patronen- und granatenverseuchten Areal. Dort gibt es noch heute keine Jogger, Mountainbiker, Pilzsammler oder anderes Störendes. „Ein einzigartiges Ökosystem“ habe sich etablieren können, weiß Forstdirektor Christoph Goebel, Leiter des Bundesforstbetriebes Schwarzenborn in der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Doch warnte der Experte bereits vor sechs Jahren: „Warten wir auch nur noch drei Jahre, so wird sich überall wieder der deutsche Urwald breit gemacht haben.“

Erstellt wurde von den Forstexperten eine Kartierung des Ist- und Sollzustandes. Die Chance zum Erhalt der Arten- und Landschaftsvielfalt solle genutzt werden: „Wir sind bemüht, die Vielzahl von besonderen Biotopen anzuhalten und in ihrer Entwicklung zu konservieren“, sagen die Forstleute. Nun darf man gespannt sein, welch neue Erkenntnisse sich nach sechs Jahren des Stillstands offenbaren werden, wenn die Gemeindevertreter von neuen Ideen unterrichtet werden.

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Quelle: op-online.de

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