In vielen Internet-Foren Tipp für „verlorenen Ort“

„Muna“: Buntes Treiben in hässlichen, ungesicherten Bauruinen

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Ein ehemaliges Behandlungszimmer im US-Lazarett gleich am Eingang des ehemaligen Muna-Areals, heute Münsters sogenannter Ortsteil Breitefeld. In der Ruine lebt es sich sichtbar farbenfroh.

Münster - Viele Bürger und Politiker beklagen, es tue sich seit Jahren nichts im Ortsteil Breitefeld. Doch das ist falsch. Man muss nur einmal genauer hinschauen. Von Thomas Meier 

Das ehemalige Munitionslager bei Münster hatte in seiner überwiegend unrühmlichen Vergangenheit viele Namen. Seit es im Dritten Reich 1939 bis 1940 von der Wehrmacht als Munitionsfabrik und Lager im Wald auf einer Fläche von rund 260 Hektar angelegt wurde, war die geheime Bunkeranlage auch geheimnisumwittert. Die „Munitionsanstalt“ war schnell „die Muna“, und noch heute nennen den Ortsteil Breitefeld zahlreiche ältere Bürger so. Als die US-Fronttruppen anrückten, jagten die Wehrmachtsoberen die Ursprungs-anlage größtenteils selbst in die Luft. Nach Kriegsende erfolgten weitere Sprengungen, weshalb ein großer Teil des Münsterer Waldes noch heute verseucht ist.

Unter dem Namen „Muenster Ammo Depot“ feierte die Ex-Luftmunitionsanstalt alsbald unter US-Regie fröhliche Urständ’. Im Bereich der ehemaligen Wohn- und Verwaltungsgebäude der Muna entstand die Münsterer Kaserne. Sie hieß so bis zum Abzug der Amis 1995. 1997 erklärten Verantwortliche das Ex-Militärareal zum Mischgebiet und Münsters Politiker wiesen dort Gewerbegebiete aus. Das „Breitefeld“ bekam seinen Namen. Doch ist der Ruf erst ruiniert ...

Gleich am Eingang des Breitefelds liegt die Ruine, umgeben von Buschwerk, doch ohne Zaun oder Absperrschild.

Was einst mit vielen Namen bedacht wurde, wird heute im Internet von verschiedenen Gruppierungen als „lost place“, verlorener Ort, gefeiert. Unter www.schatzsucher.de, www.geocaching.com, www.m-i-g.de, diversen Militaria-Seiten und anderen exotischen Adressen rühmt man das Flair des Morbiden, Geheimnisumwitterten. Alle Versuche heimischer Politiker, dem Gebiet ein anderes Image einzuhauchen, versandeten bislang schnell vergebens. Solange niemand Geld in die Hand nimmt, aus dem Breitefeld ein bereitetes Feld für vernünftige Investoren zu schaffen, bleibt es die verrufene Muna. Doch ist die gestalterische Möglichkeit für die Kommune arg beschränkt, da zumindest innerhalb vom heutigen Breitefeld alle Claims in privatem Besitz sind, der Gemeinde nur am Rande einige wenige Parzellen gehören. Und Spekulanten haben zum großen Teil die Hand auf den unschönen Ruinen. Besonders letztere ziehen aber scheinbar auch anderes Publikum an, das nicht auf schnöden Mammon, sondern Abenteuer spekuliert.

Wo einst die US-Militärpolizei unerbittlich jeden ungeladenen Besucher schlagstockschwingend vor der Muna abwies, schieben heute Pizzabäcker ihre Teigfladen in die Steinofenröhren. Doch genau hier beginnt auch schon das Abenteuer-Wunderland. Nur wenige Schritte gegenüber etwa liegt die ehemalige Krankenstation der US-Streitkräfte. Es schien bis vor kurzem im Dornröschenschlaf hinter hohen Büschen und Unrathaufen gefangen, doch seit einigen Tagen zeugen farbenfrohe Grinsekatzen vom bunten Treiben hinter den Ruinenmauern. Aus dem zweiten Stocken grüßen die Comic-Figuren aus zerschlagenen Fenstern, hinter denen einst Soldaten ihrer Gesundung entgegen sahen.

Abenteuerliches Haus der offenen Türen: Kabel liegen umher, Scherben, Spraydosen und Unrat. Ein „lost place“?

Jetzt sieht es im Ex-Lazarett ganz anders aus. Kein Zaun, kein Schild hindert Interessierte am Zugang, so sie sich an den einstigen Haupteingang erinnern, der wie das gesamte Gebäude untenherum vom Gestrüpp verdeckt ist. Die Tür steht sperrangelweit offen, und was dahinter liegt, lässt wahrlich staunen. Elektrokabel ragen aus Mauern, an denen tapetenähnliche Fetzen hängen. Glasscherben ziehen sich über die alten Verwaltungsräume die Treppe ins Obergeschoss hinauf. Die Treppe knarzt und quietscht wenig vertrauenerweckend, das fragile Geländer belaste man lieber nicht. Im ersten Stock ein ähnliches Bild, Kabel aus Wänden, Fenster kaputt, Patientenzimmer verwüstet. Einige Türen liegen sinnlos aus den Angeln gehoben herum. Aber es gibt auch neue Spuren im einsam anmutenden Geisterhaus: Bierflaschen liegen umher, denen noch kein Staub anhaftet, frisch ausgedrückte Zigarettenkippen kleben auf dem Boden und Fensterbänken. Und in eigentlich allen der sich zahlreich aneinanderreihenden Zimmer stolpert der staunende Betrachter über Spraydosen. Leere, deren Inhalt sich in mehr oder (meist) weniger künstlerische Ergüsse an den Zimmerwänden und den noch heil gebliebenen Fensterscheiben niederschlug.

Für ambitionierte Bauherren: Wohnen in historischer Fabrik

Die bunten Graffities im alten, leeren Munahaus verstärken eine bedrohliche Endzeitstimmung eher noch, als belebend zu wirken. Um die Muna als „lost place“ im Sinne eines echten Ortsteiles einmal wiederzubeleben, bedarf es wohl noch einiger Anstrengungen.

Quelle: op-online.de

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