Musical Factory versetzt „Footloose“ in die Gegenwart

Kämpfen für den Traum

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Leichtfüßig wie die Profis präsentierte die „Musical Factory 64850“ das Singspiel „Footloose“ in Münsters Kulturhalle. In den Hauptrollen überzeugten Benjamin Ganz als Ren McCormack und Laura Zulauf als Ariel Moore (Mitte).

Münster - In den 1980ern eroberte „Footloose“ als Tanzfilm die Kinoleinwände. Am vergangenen Wochenende zeigte das Ensemble der Groß-Umstädter „Musical Factory 64850“ eine Bühnen- fassung von Dean Pitchford und Walter Bobbie in Münsters Kulturhalle. Von Katrin Muhl 

Laura Zulauf und Benjamin Ganz setzten die berührende Liebesgeschichte des jungen Ren mit der hübschen Ariel glaubhaft um. „Die leben hier auf einem anderen Stern“, stellt Benjamin Ganz in der Rolle des Ren McCormack ungläubig fest. Tanzte er eben noch „leichtfüßig“, wie der Titel des Musicals „Footloose“ übersetzt heißt, in Chicagos Clubs, weiß er seit seinem Umzug nach Bomont nichts mehr mit sich anzufangen. Denn tanzen – „Was, tanzen?!“ –, ist in der verschlafenen Kleinstadt strengstens verboten.

Über das Gesetz wacht der ultrakonservative Reverend Shaw Moore, der in seiner inneren Zerrissenheit zwischen liebendem Vater und autoritärem Patriarchen famos verkörpert wird von Andreas Schäfer. Mit aller Kraft versucht der Geistliche sein zweites Kind, die hübsche und überaus rebellische Ariel (Laura Zulauf) zu schützen, nachdem er seinen Sohn bei „dem Unfall“, von dem Bormonts Bürger mit unheilschwangerem Ton sprechen, verloren hat.

Ren, der mit seiner lebenslustigen Art, ganz unbedarft von einem ins andere Fettnäpfchen tritt, ist bald als Unruhestifter stadtbekannt. Damit mag er bei den Erwachsenen anecken. Das Herz von Ariel, die auf Ärger steht und bereits ein Techtelmechtel mit Badboy Chuck (Holger Martinez) einging um gegen die eiserne Faust des Vaters aufzubegehren, gewinnt Ren auf diese Weise für sich. Die Verliebtheit der beiden Teenager setzen Zulauf und Ganz sowohl gesanglich als auch schauspielerisch besonders ausdrucksstark in „Unser Paradies“ um. Das romantische Stück endet mit einem leidenschaftlichen Kuss. Dann wirbt Ren, die Unterstützung der gesamten Jugend im Rücken, vor dem Stadtrat um die Aufhebung des Tanzverbots, das seit Jahren wie ein dunkler Schleier über Bomont hängt und die Generationen immer weiter auseinander treibt. Ariel: „Ich kann es kaum erwarten, bis ich hier weg bin!“ Wie sehr auch die Erwachsenen leiden, zeigen in einer mitreißenden Ballade Alexandra Berg als Rens Mutter Ethel und Melanie Wolf als Vivien, Mutter von Ariel. Selbst Referent Moores Fassade bröckelt im Zwiegespräch mit Ren, der den Geistlichen nach der Abstimmung gegen die Aufhebung des Tanzverbots zur Rede stellt. Beide kommen darüber ein, dass zum Schuljahresende ein Ball stattfinden darf, sollte es Ren gelingen, den Pfarrer davon zu überzeugen, dass dadurch niemand zu schaden kommt. Die Herausforderung nimmt Ren gerne an und kämpft damit nicht nur darum, seine eigenen Interessen durchzusetzen, sondern auch um den Traum seiner Freunde. Darunter Rusty, am Samstag gespielt von Sonja Wendenburg (Sonntag: Hanna Heeg), die vom Publikum einen extra Applaus erntet für ihre gesangliche Liebeserklärung an den drolligen Willard, den Marcel Lutz mimte (Sonntag: Simon Wilk): „Er liebt mich, liebt mich, hat er auch zwei linke Füße, ich bin trotzdem seine Süße.“

Zwar waren es Hits der achtziger Jahre, die sich mit den Sprechakten abwechselten. Details wie Smartphones und der Verweis auf ein Internetlexikon stülpten dem Plot aber die Gegenwart über, da die Probleme des Stücks – Integration, Trauerbewältigung, Generationenkonflikt – zeitlos seien, wie Musical-Leiter Ralph Scheiner erklärte. Unglücklich wirkte dabei der Versuch „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ von Kai Hermann als klassische amerikanische Schullektüre auszuweisen, die „überall sonst, nur nicht in Bomont“, gelesen werde.

Orchester, Chor und Band, die grandiose Arbeit leisteten, übertönten leider bei der Samstagsvorstellung besonders im ersten Akt so manchen Sologesang. Als Ursache führte Scheiner die sechseckige Struktur des Saals an, die nicht auf Lautstärken, wie sie die drei Einheiten gemeinsam erzeugen, ausgelegt sei. Aber auch stückpraktische Probleme galt es unter den akustisch schwierigen Bedingungen zu meistern: „Sprechtexte, die auf Untermalungsmusik gesprochen werden, sind besonders diffizil abzumischen. Diese Passagen müssten von den Darstellern laut und deutlich vorgetragen werden, und das Orchester sollte dazu nicht zu laut begleiten.“ Unter Scheiners Leitung, der als Dirigent im Orchestergraben stand und einzelne Stücke am Piano begleitete, fanden rund 280 Übungsstundenstatt, die sich die Beteiligten von ihrer Freizeit abknöpften. So professionell und „leichtfüßig“ („footloose“) ihre Aufführungen auch sind, mehr als ein Hobby ist das Mitwirken bei der Musical Factory für alle Beteiligten nicht. Das verdient größte Anerkennung.

Quelle: op-online.de

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