Kronleuchter-Absturz nur ein Konzerthöhepunkt

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Das Jugendorchester gestaltete den ersten Teil beim festlichen Konzert des Musikverein Münster. Bei „Phantom der Oper“ trug ein Teil der Musiker jene Maske, für die das Musical bekannt ist.

Münster - Beim zweiten Stück passiert es: Während das Publikum in die Musik versunken ist, rauscht plötzlich ein Kronleuchter von der Decke und schlägt krachend auf den Boden.

Viele Zuschauer schrecken auf, einige schauen sich ungläubig an, doch die Musiker spielen unbeeindruckt weiter. Erst jetzt wird klar, dass der Schock inszeniert ist und dramaturgisch zum Stück „Phantom der Oper“ gehört. Im Verlauf des Abends folgen noch eine Reihe weiterer Ideen, mit denen Musikverein 1914 Münster nun sein festliches Konzert in der Kulturhalle untermalte. Zum 100. Geburtstag hatten sich die Verantwortlichen einiges ausgedacht, um ein Programm der Extraklasse zu kreieren. Dazu musste auch einiges geliefert werden: Mit dem Titel „Das Beste aus 100 Jahren“ wurden im Vorfeld große Erwartungen beim Publikum geweckt, das zahlreich kam und die Kulturhalle bis auf den letzten Platz füllte.

Den ersten Teil bis zur Pause bestimmte das Jugendorchester mit seinem Dirigenten Matthias Jäger, im zweiten trat das Große Orchester unter der Leitung von Piotr Konezewski auf. Um „Das Beste aus 100 Jahren“ umzusetzen, wählten die Musiker aus jedem Jahrzehnt ein prägendes Stück. So stand etwa ein Beatles-Medley für die 60er Jahre, Auszüge aus dem Musical Moulin Rouge für die 20er sowie Batman und Fluch der Karibik für die letzten zwei Jahrzehnte. Das Stück „Typewriter“, zu deutsch Schreibmaschine, bei dem Markus Danz zur Untermalung sinnbildlich auf einer alten Schreibmaschine mit Anschlag und Klingelton tippte, symbolisierte die 50er Jahre.

Genau in diesem Jahrzehnt trat auch Erich Roßkopf dem Orchester bei. Damals war er mit 16 Jahre der jüngste Musiker, heute ist er mit 79 der älteste. Im nächsten Jahr macht Roßkopf 65 Jahre Musik. Zum festlichen Konzert saß er mit seinem Vorsitzenden Hubert Grießmann zunächst an der Kasse und begrüßte die Gäste. Danach unterstützte er mit seinen Instrumenten, der Trompete und dem Flügelhorn, das Große Orchester.

Mit seinem festlichen Konzert wurde der Musikverein den Erwartungen an einen unvergesslichen Abend gerecht. Dazu trugen zum einen die Stücke bei, die der Musikausschuss zusammen mit den Dirigenten ausgewählt hatte. Sie waren nicht nur Sinnbild für ein Jahrzehnt, sondern stellten auch stets außergewöhnliche Kompositionen dar. Die meisten verfügten über mitreißende und langsame Passagen, was für ein Auf und Ab der Emotionen beim Publikum sorgte. Der zweite Erfolgsgarant waren die renommierten Aktiven des Musikverein, die auch bei einem ausgefallenen Jubiläumskonzert nichts anbrennen lassen. Für die Zuschauer dürfte unter anderem der gemeinsame Auftritt der musikalischen Früherziehung und des Flötenensembles im Gedächtnis bleiben, der von Erwachsenen, die früher dem Verein angehörten, unterstützt wurde. Der vorgetragene Urmel-Rock stand sinnbildlich für das Gemeinschaftsgefühl im Verein. Zum Staunen regte erneut die große Menge an Musikern beim Jugendorchester an. Während das Große Orchester mit 45 Mitgliedern schon stattlich ist, weist der Nachwuchs mit 65 noch 20 mehr auf. Zum festlichen Konzert passten die alle kaum auf die Bühne. So muss einem um die Zukunft des Vereins nicht Bange sein, dass der noch zahlreiche Konzerte auf die Beine stellt und dabei glückliche Zuhörer, in Anlehnung an das Zugabe-Stück „Happy“ von Pharrell Williams, hinterlässt.

(mj)

Quelle: op-online.de

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