Nachwuchs in der Tierwelt

Besonderer Schutz erforderlich

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Achtung Naturschutzgebiet: Hundehalter sollten ihren Liebling an der Leine lassen, rät Dieter Günther.

Münster - Viele Hundehalter lassen ihren Vierbeiner gerne von der Leine. Doch gerade in Naturschutzgebieten und während der Brut- und Setzzeiten sollte Vorsicht geboten sein. Von Corinna Hiss 

„Am besten für die Tiere wäre es, wenn es an Feiertagen regnet“, sagt Dieter Günther, Erster Vorsitzender des Nabu Münster, nicht ganz ernst gemeint. Dennoch sind seine Bedenken nicht grundlos, schließlich vergnügen sich am Wochenende und bei Sonnenschein viele Spaziergänger mit ihren Hunden auf den Wiesen und Feldern rund um Münster. Besonders beliebt ist dabei der nicht asphaltierte Weg entlang der Hergershäuser Wiesen. Doch darin liegt genau das Problem. „Auf der einen Seite des Wegs haben wir Landwirtschaft, auf der anderen Seite beginnen die Dünen und die Feuchtwiesen des Naturschutzgebietes“, erklärt der Experte, der seit rund 40 Jahren im Nabu-Ortsverband aktiv ist und sich mit der Tier- und Pflanzenwelt rund um die Gersprenz bestens auskennt.

Gerade jetzt im Frühling tummeln sich dort viele Gassigeher – und lassen ihre Hunde oft frei herumlaufen. Seit einigen Wochen aber hat die Brut- und Setzzeit begonnen, das heißt viele heimische Tiere wie Kibitze, Feldhasen aber auch Rehe bekommen ihre Jungen und sind daher besonders sensibel gegenüber Störenfrieden. „Ich liebe Hunde“, betont Günther, „aber er wäre kein Hund, wenn er nicht einem Häschen und Reh hinterherspringen würde.“ Gerade erst vergangene Woche wurde ein Feldreh, das in den Hergershäuser Wiesen grast, von einem Windhund tot gerissen. Seine Besitzerin hatte den Vierbeiner frei laufen lassen und ihn hinter den Dünen aus den Augen verloren. Aber auch wenn nicht jede Begegnung zwischen Hund und Wildtier tödlich ausgeht, appelliert der 64-Jährige, die Leine anzulassen. Gerade in ein Naturschutzgebiet, wie es die Hergershäuser Wiesen sind, sollte der Mensch nicht rücksichtslos eindringen.

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„Wir wollen ja, dass diese einzigartigen Feuchtwiesen erkundet werden, aber wir sollten dennoch rücksichtsvoll sein.“ Damit die Vögel in Ruhe brüten können, weisen alle paar Meter Schilder darauf hin, dass die Düne nicht betreten werden darf. Wer den vollen Blick in die Natur genießen möchte, kann den vom Nabu eigens angefertigten Beobachtungsstand nahe des Altheimer Bahnhofs nutzen. Dort gibt es nicht nur nützliche Infobroschüren zu den geschützten Arten, sondern auch die Möglichkeit, die Tierwelt in gebührendem Abstand zu beobachten. In den stillen Gewässern und zwischen den Schilfpflanzen geht es momentan rege zu: Kanadagänse haben sich dort angesiedelt und brüten. „Wenn ihre Eier länger als eine halbe Stunde nicht gewärmt werden, hat das gerade bei den teilweise noch frischen Temperaturen fatale Auswirkungen auf die Jungen“, beschreibt Günther. Eine Gans verlässt die Brutstätte beispielsweise, wenn sie sich durch einen frei laufenden Hund gestört fühlt. „Im Naturschutzgebiet gilt ganz klar: Die Leinen bleiben an!“, sagt der Münsterer.

Ein weiteres Problem sei, dass die Hundebesitzer gerne abseits der Wege gehen. Viele Tiere befinden sich aber genau da, nämlich im Dickicht, normalerweise gut versteckt vor Eindringlingen. Wenn Günther oder andere Nabu-Mitglieder sehen, dass Herrchen oder Frauchen querfeldein laufen, bitten sie sie freundlich, aber bestimmt, auf den Wegen zu bleiben. Oft bekommen sie dann als beliebte Ausrede zu hören, man habe die Hinweistafeln nicht gesehen. „Das Naturschutzgebiet funktioniert nur, wenn wir gewisse Regeln beachten und nicht in den Lebensraum der Tiere eindringen. Dann haben wir alle langfristig etwas davon“, meint er. Doch wo sollen Gassigeher dann ihren Hund frei springen lassen? Auch während der Brut- und Setzzeit, die noch bis Mitte Juli andauert, empfehlen sich laut Günther die asphaltierten Wege durch die Münsterer Felder zwischen der L 3095 und dem Helgolandring. Obwohl es sich dort bequem und ohne die Schuhe schmutzig zu machen gehen lässt, wird dort weniger gern gelaufen als auf den unbefestigten Wegen entlang der Hergershäuser Wiesen.

Günther vermutet, dass die Traktoren und landwirtschaftlichen Geräte, die auf den asphaltierten Strecken zum Teil fahren, von den Besitzern als Störfaktor angesehen werden. „Dort trauen sie sich nicht, den Hund von der Leine zu lassen, dabei gibt es da weniger wilde Tiere.“ Die Landwirte, die ihre Felder direkt neben dem Naturschutzgebiet haben, klagen zudem häufig über Hundekot, der nicht beseitigt wird und so das gemähte Gras verunreinigt. „Ein Mülleimer nahe des Beobachtungsstands, in den die Besitzer das Geschäft entsorgen können, wäre nicht schlecht“, empfiehlt Günther. Und noch etwas wünscht er sich für ein besseres Zusammenleben von Mensch, Hund und Natur: „Allen wäre geholfen, wenn die Gemeinde Münster eine öffentliche Wiese zur Verfügung stellen würde, auf der die Hunde frei herumtoben können, ohne Schaden anzurichten. So etwas gibt es bereits in anderen Kommunen.“

Quelle: op-online.de

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