Einige Kerbborsche-Jahrgänge lassen Tradition wieder aufleben

Die neue Stammtisch-Generation

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Seit der Münsterer Kerb 1994 kommen die „Vollgerippten“ in der Gaststätte „Tannenhof“ zum Stammtisch zusammen. Bei Bier und Apfelwein wird dann geredet und Karten gespielt.

Münster - Rentnerstammtisch war gestern. In Münster setzt die Kerb-Jugend die Tradition fort. Seit einigen Jahren treffen sich die einzelnen Kerbborsche-Jahrgänge regelmäßig in Münsters Lokalitäten – gemäß dem alten Vorbild zum Essen, Trinken und Kartenspielen. Von Mayely Müller

Der regelmäßige Gang zum Stammtisch ist eine urdeutsche Tradition. Obwohl die ältere Generation „vom Aussterben bedroht“ scheint, formiert sich in Münster eine neue Ära dieser kulturellen Zusammenkunft. Entscheidend für diese Entwicklung ist die Jugend der Münsterer Kerb. Zwischen 1985 und 2006 gab es gerade mal zwei Jahrgänge der Kerbborschen im Ort. In dieser Zeit bildeten sich kaum Stammtische und eine große Lücke zwischen den alten und den jungen Kneipengängern entstand. 2006 veränderte sich das Bild des alten, Mitglieder abnehmenden Rentnerstammtisches. Seitdem gab es jedes Jahr einen Kerbjahrgang. Nach der Kerb ist es üblich, dass man für weitere regelmäßige Treffen einen Stammtisch gründet und diesem einen Namen gibt. So entstanden zahlreiche Gruppen, die sich meist wöchentlich treffen. Die „Bembelbuwe ‘10“ sehen sich in der Pizzeria „Romana bei Francesco“, die „Nachtschwärmer“ und der „Filmriss ‘07“ alle zwei Wochen in der „Pilsstube“. Aus den „Hinnergassebuwe“ ist nicht nur ein Stammtisch, sondern auch eine Band entstanden.

Jeden Donnerstag treffen sich die „Vollgerippte ‘12“ in der Gaststätte „Tannenhof“ in Münster. Die „Vollgerippte ‘12“ haben den Stammtisch nach ihrer Kerb 2012 gegründet, bei der sie allesamt „Kerbborschen“ waren. Von den ursprünglich 20 Mitgliedern treffen sich zumeist um die zehn bei der allwöchentlichen Runde. Der Großteil der „Vollgerippten“ entstammt dem 1994er Jahrgang. Beim Stammtisch wird gegessen, gut bürgerlich versteht sich, Apfelwein getrunken und gewürfelt. Auch der Charme alter Kartenspiele ist über die Jahre hinweg nicht verloren gegangen.

Ganz ohne Struktur geht es bei den ehemaligen „Kerbborschen“ aber auch nicht zu. Innerhalb ihrer Gruppe haben sie einen selbstgewählten Vorstand, einen Kassenwart inklusive Prüfer und einen Schriftführer, der dafür verantwortlich ist, dass die lustigsten und verrücktesten Geschichten, die an den Abenden entstehen, zu Papier gebracht werden. Leider werden diese Geschichten der Öffentlichkeit vorenthalten, da diese, laut Schriftführer Marcel Suderleith, eventuell etwas zu verrückt wären.

Bilder: Kerbumzug in Münster

Schmunzelnd verrät Suderleith dennoch eine: „Nach einem Stammtisch klauten wir einmal den Eppertshäuser Kerbbaum. Am Platz des Friedens wurde er dann wieder aufgebaut, um anschließend wiederum von den Zimmerner Kerbborschen geklaut zu werden. Den Kerbbaum des Nachbardorfs zu stehlen, ist eigentlich Tradition. Trotzdem gab es ziemlich großen Ärger mit dem Eppertshäuser Bürgermeister.“

Das Reizvolle an einem Stammtisch ist wohl, dass sich eine Gruppe von Freunden trotz des oftmals stressigen Alltags bewusst trifft, um in Geselligkeit einen schönen Abend zu verbringen. Obwohl die „Vollgerippten“ stark in Ausbildung, Studium oder Arbeit eingespannt sind, schaffen es viele sich die Zeit am Donnerstagabend zu nehmen. In einer Zeit, in der viele junge Menschen häufig umziehen und Freundeskreise wechseln, stellt der Stammtisch eine gewisse Beständigkeit dar. Denn neben Bierchentrinken und Plauderei ist der Kneipenbesuch vor allem sozialer Treffpunkt.

Quelle: op-online.de

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