Nicht einmal Vertrag ist gemacht

Bau für 120 Asylbewerber sollte schon stehen

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Nur das Unkraut schießt an der Goebelstraße in die Höhe. Nicht einmal ein Vertragspapier kam zwischen Mai und heute zwischen Investor und Kommune zustande. Der Kreis dringt derweil auf die Unterbringung weiterer 54 Asylbewerber.

Münster - Die Gemeinde wird wohl 54 ihr demnächst vom Kreis zugewiesenen Asylbewerber nicht wie geplant in einer Unterkunft in der Goebelstraße unterbringen können. Der Bau, der bis Herbst eigentlich stehen sollte, ist noch nicht einmal vertraglich fakturiert worden. Von Thomas Meier

Frühestens zum Frühjahr 2016, so vermutet der Kreis, könnte der Bau bezugsfertig sein. Aus dem Rathaus kommt auf Nachfragen hierzu nur Schweigen. Im März war die Not an Wohnraum in der Gemeinde so groß, dass Flüchtlinge, die der Kommune vom Kreis in Obhut gegeben wurden, gar im dafür zweckentfremdeten Jugendzentrum unter der Discokugel untergebracht werden mussten. Nachdem unsere Zeitung darüber berichtete und die Zwangslage publik wurde, schalteten sich zunächst der örtliche Ausländerbeirat und dann auch große Teile der Bevölkerung sowie die Kreisaufsicht ein. Spät kam sie in Gang, die Zuwanderungspolitik der Gemeinde, doch mittlerweile hat sich ein schnell zusammengefundener Arbeitskreis Asyl gar zu einem Verein gemausert. Und seit Anfang Mai steht das Versprechen seitens der Verantwortlichen im Raum, dass in der Goebelstraße auf einem gemeindeeigenen Grundstück hinter dem Netto-Markt ein „Modulbau am Ortsrand für 120 Asylbewerber“ entstehen solle. Bereits im Herbst werde der Bau bezugsfertig sein, versicherte Bürgermeister Gerald Frank auf einer im Mai eilends anberaumten und auch gut besuchten Informationsveranstaltung im Rathaus. Damals hatte die Gemeinde 41 Asylbewerber zu beherbergen.

Im Mai schrieben wir unter das Bild des ins Auge gefassten Baugeländes: „Wo jetzt noch Pusteblumen zwischen Netto und einem Fahrzeugplatz wuchern, soll (-) bis Herbst eine Unterkunft für 120 Flüchtlinge entstehen.“ Wahrlich Pusteblume: Dort wuchert nach wie vor Unkraut, kein Spatenstich, nichts, was vom Bau einer Herberge für immerhin zehn Dutzend Flüchtlingen künden könnte. Stattdessen beantwortet die Kreisverwaltung unsere Nachfragen so: „Der Landkreis Darmstadt-Dieburg verhandelt derzeit mit einem Investor über den Bau einer Unterkunft für Flüchtlinge an der Goebelstraße in Münster. Ein Vertragsentwurf liegt bereits vor und wir gehen davon aus, dass auch die Gemeinde Münster (was den Grundstücksverkauf an den Investor angeht) auf ähnlich gutem Weg ist.“

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Klar, dass die Kreisbehörde zum Schluss kommt, dass eine Fertigstellung bis zum Herbst sich nicht umsetzen lasse. Beim Kreis geht man davon aus, dass „ab dem Zeitpunkt des Bauantrages etwa sechs Monate Bauzeit einzuplanen ist“. Will heißen: Sollten die anstehenden Gespräche gut laufen und es im September zum Bauantrag kommen, man mit Fertigstellung und Bezug „vermutlich zum Frühjahr 2016“ rechne. Immerhin: Die Maximalbelegung bleibt bei 120 Personen. Und die braucht es auch für die Kommune Münster. Bislang sind hier 41 Asylsuchende untergekommen (Stand 31. Juli). Doch hat Münster nach den neuesten Zuweisungszahlen im zweiten Halbjahr weitere 54 Menschen aufzunehmen. Diese Zuweisung werde unabhängig vom Projekt in der Goebelstraße von der Gemeinde zu erfüllen sein, heißt es hierzu aus dem Landratsamt.

Wohin also mit den angekündigten Asylbewerbern? Schon bei den ersten Aufrufen vor einem halben Jahr meldeten sich kaum Bürger, die an Flüchtlinge untervermieten wollen. Und auch das Vereinsheim von Frisch auf mit seinen 26 Zimmern kann nicht die Lösung sein. Aus dem Rathaus waren keine Antworten zu bekommen. Der zuständige Sachbearbeiter war trotz mehrfacher Versuche nicht zu sprechen, rief weder Montag noch Dienstag zurück. Auch Bürgermeister Frank hatte – gestern erst aus dem Urlaub zurück im Amt – wohl keine Zeit, bis Redaktionsschluss zum leidigen Thema Stellung zu beziehen.

Quelle: op-online.de

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