Mehr als nur Broterwerb

Neue Werkstätte für psychisch Gehandicapte

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Der Leiter des Bereichs Arbeit in der NRD, Andreas Koch (vorn), stellte den Gästen die neuen Werkstatt-Räumlichkeiten in Münster vor, Brigitte Walz-Kelbel vom NRD-Stiftungsvorstand (links) ging auf die Bedeutung der Arbeitsplätze ein.

Münster - Die neuen Räume der Reha-Werkstatt der Dieburger Nieder-Ramstädter Diakonie (NRD) in Münsters Darmstädter Straße 81 wurden gestern mit einem kleinen Festakt vorgestellt. Von Thomas Meier 

Auf rund 700 Quadratmetern in einem Gebäudetrakt des ehemaligen Elima-Werkes arbeiten bereits 22 Menschen mit psychischer Beeinträchtigung. Ausgelegt ist die für über 100.000 Euro umgebaute Werkstätte für 35 Personen. Der Leiter des Bereichs Arbeit in der NRD, Andreas Koch, stellte den Besuchern – Vertreter aus Kommunen und Kreis, beteiligter Firmen und befreundeter Institutionen – die neuen Räumlichkeiten vor, in denen bereits im November der Betrieb aufgenommen worden ist. 100.000 Euro habe man in die Hand nehmen müssen, um alle Auflagen des Brandschutzes und mehr zu erfüllen, bekommen habe die NRD dafür hochwertige Räumlichkeiten. Auf den 700 Quadratmetern sind laut Thomas Kirchmeyer, Leiter der Reha-Werkstatt, Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen bei der Montage und im Verpackungsbereich beschäftigt, doch halte man ebenfalls im großzügigen Bürobereich Arbeitsplätze vor. Ringbücher werden hier ebenso erstellt wie auch Kaffeetassen im Sublimationsdruck mit Werbung oder Bildern versehen. Sechs Betreuer – Sozialarbeiter, Heilerziehungspfleger und Arbeitspädagogen – kümmern sich um die Beschäftigten. Der Münsterer Reha-Werkstatt zugehörig sind auch zwei Arbeitsgruppen, die ausgegliedert sind in das Werk der Volkswagen Original Teile Logistik GmbH (OTLG) in Dieburg mit 16 Personen sowie bei Senator in Groß-Bieberau mit acht.

In Münster werden in der NDR-Werkstatt auch Tassen mit Babenhäuser oder sportlichem Motiv gefertigt.

Vor einem kleinen Rundgang durch die neue Werkstätte ging Brigitte Walz-Kelbel vom NRD-Stiftungsvorstand auf die Bedeutung der Arbeitsplätze ein. Die heutige digitale, hochkomplexe, flexibilisierte und globalisierte Arbeitswelt stelle hohe Anforderungen an unsere Fähigkeiten und Leistungsbereitschaft, erinnerte sie. Doch zunehmende Alterung der Gesellschaft, mehr Menschen mit Schwerbehinderungen sowie eine Zunahme an psychischen Erkrankungen und soziale Hemmnisse begleiteten diese Entwicklung. „Was braucht es, damit Menschen in Arbeit sich ausreichend gefordert und doch nicht überfordert fühlen?“, fragte sie in den Raum, um die Antwort zu geben: „Es braucht Menschlichkeit, Vorbilder und soziale Verantwortung in Unternehmen.“ Arbeit sei mehr als nur Broterwerb für den Arbeitnehmer und Produktionsfaktor für den Unternehmer: „Auch in unserer Marktgesellschaft sind viele Formen von Arbeit nötig, nicht nur die, die maximalen Lohn und Profit bringen.“

Walz-Kelbel erinnerte daran, dass vor 50 Jahren das flächendeckende Netz der Werkstätten für behinderte Menschen in Deutschland entstand. Heute fänden hier rund 300.000 Menschen Arbeit und Beschäftigung, die vom allgemeinen Arbeitsmarkt kein Angebot bekämen. Bürgermeister Gerald Frank freute sich, dass wieder Arbeit und Produktion in die lange verwaisten Elima-Stätte kommt: „Mal sehen, wie es sich auf die Gewerbesteuer auswirkt“, sagte er augenzwinkernd.

Quelle: op-online.de

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