Feldkreuze in Münster

Ohne Korpus, aber mit Geschichten

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Kai Herd vom Heimat- und Geschichtsverein am Feldkreuz im Hinterfeld vor fast komplett gefällter Trauerweide.

Münster - Obwohl sie an prägnanten Stellen in der Ortsrandlage oder gar außerhalb stehen, gehen viele Passanten heute oft achtlos an ihnen vorüber. Feld- oder Flurkreuzen wurde einst viel mehr Beachtung geschenkt. Von Thomas Meier 

Doch wird in Münster heute noch fünf Andachtskreuzen gar in der Denkmaltopographie der Bundesrepublik Deutschland besonderes Augenmerk gewidmet. Wir beleuchten diese besonderen Denkmale in einer losen Folge. Eine kleine Zahl von Bürgern weiß gar einiges über die Sandstein-Bauwerke zu berichten. In einer kleinen Serie beleuchten wir die Zeitzeugen, zu denen sich später auch Bild- oder Opferstöcke in Wald und Flur hinzugesellen können. Unsere Leser sind aufgerufen, sich an der kleinen Geschichtensammlung rund um Feldkreuze und Co. zu beteiligen.

Ein Flur- oder Wegekreuz, im Bayrischen auch „Marterl“ genannt, ist ein Kreuz an einer Weggabelung, an einem Pfad oder einer Straße, am Feldrand oder im Wald. Es kann aus Holz, Stein oder auch Metall bestehen. In Münster sind die in der Denkmaltopographie aufgeführten Andachtskreuze samt und sonders aus schlichtem Sandstein und ohne Korpus gefertigt. Häufig sind Flurkreuze als Kruzifixe gestaltet. Steinkreuze werden auch Hussitenkreuze, Schwedenkreuze oder Sühnekreuze genannt. Sie dienen nicht nur in den Alpenregionen oftmals auch als wichtige Wegmarkierungen für Wanderer und Pilger oder kennzeichnen gefährliche Stellen.

Von einem Votivkreuz spricht man, wenn es aufgrund eines Gelübdes, aus Dank nach der Errettung aus einer Notlage wie Krieg, Krankheit, Seuche oder Lebensgefahr, gestiftet und errichtet wurde. Wetter- oder Hagelkreuze wurden als Schutz vor Wetterkatastrophen oder nach schweren Unwettern aufgestellt. Letzteres gilt für Münsters Flurkreuze nicht, wie Kai Herd zu berichten weiß. Der Vorsitzende des Münsterer Heimat- und Geschichtsverein ist ein Kundiger in Sachen Feldkreuze, bot und bietet er doch Rundgänge mit der in der Materie ebenso bewanderten Vereinskollegin Margarete Elster zu den sperrigen Zeitzeugen rund um und einem in Münster an. Sie wissen auch um das Feldkreuz am Mäusberg, das keinen Eingang in die Denkmaltopographie gefunden hat, wohl aber zu den religiösen Zeichen gehört, die alle so um die 1870 herum in der heimischen Region entstanden sind.

Kreuze gelten seit dem Urchristentum als Symbole für Schuld und Sühne. Sie sind Mahnung und Erinnerung an die Leiden und Hinrichtung Jesu. Und sie bekamen im Laufe der Jahrhunderte noch so manche Bedeutung aufgepfropft. Im Oktober vergangenen Jahres führten Herd und Elster eine interessierte Teilnehmerschar vom Vereinsdomizil des Heimat- und Geschichtsvereins, der Langsmühle in der Bahnhofstraße, zu dreien der Kreuze. Für den 7. November wollen die Ortskundigen zum zweiten Münsterer Kreuz-Gang einladen, bei dem die anderen drei Feldkreuze Ziel sein werden.

Eines ist allen Flurkreuzen Münsters gemein, ihre Inschrift: „Denkmal der Liebe Jesu“. Wobei eines Lettern in Fetter Fraktur aufweist. Und alle Sandsteinkreuze sind von gleicher, einfacher Bauweise in nahezu gleicher Größe, keines weist einen Korpus des Gekreuzigten auf. Sie haben ihre Namen nach den Gewann-Bezeichnungen, also „Kreuz im Hinterfeld“ (nahe des Gersprenzstadions), „Moddekreuz“ (am Wasserweg nahe der Munastraße), „Errenkreuz“ (gegenüber der Feuerwehr an der Altheimer Straße), „Fischenend“ (an der Bahnlinie nahe der Growiese Richtung Dieburg), das Kreuz an der Eppertshäuser Chaussee (Landesstraße 3095), das wohl einst einmal auch „Haiwelskreuz“ genannt wurde, und schließlich das erst heute „Mäusbergkreuz“ genannte, wegen seines Standortes inmitten Münsters, Am (Mäusberg/Ecke Goethestraße).

Sie alle haben ihre kleinen Geschichten, zu denen Kai Herd und Margarete Elster etwas beizutragen wissen. Doch suchen wir auch Anekdoten, die unsere Leser zu den Kreuzen oder ihren Standorten beitragen können. Zuschriften gern an die Redaktion der Offenbach-Post in 64807 Dieburg, Mühlgasse 3, oder per E-Mail an red.babenhausen@op-online.de.

Quelle: op-online.de

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