Münster begegnet mit befähigter Laiin Überlastungen

Ohne Pfarrer auf den letzten Weg

Regina Schindler-Christe hat die Ausbildung und die bischöfliche Beauftragung für den Beerdigungsdienst, worüber Pfarrer Bernhard Schüpke sehr froh ist. - Foto: Th. Meier

Münster - Was, wenn jemand stirbt, aber kein Pfarrer zur Beerdigung kommen kann? Diesem immer größer werdenden Problem zu begegnen, geht auch die katholische Pfarrei St. Michael nun einen relativ neuen Weg. Von Thomas Meier

Gestern informierte Pfarrer Bernhard Schüpke die Gemeinde im Gottesdienst darüber, dass künftig auch Gemeindereferentin Regina Schindler-Christe Begräbnisfeiern übernehmen wird.

Die Sorge für Kranke und Sterbende sowie die Begleitung von Trauernden gehört von jeher zu den besonderen Aufgaben kirchlicher Seelsorge. Die Begräbnisfeier ist wie andere Gottesdienste Liturgie mit unterschiedlichen Rollen, Diensten und Aufgaben. Die Leitung der Feier kommt dem Pfarrer und dem Diakon von Amts wegen in besonderer Weise zu, ist aber nicht ausschließlich an dieses Amt gebunden. Denn eine Beerdigung ist kein Sakrament, sondern Dienst der Kirche an den Dauernden und Verstorbenen.

„Was ist, wenn ich mal nicht da bin? Krank, im Urlaub oder auf einer Jugendfreizeit?“, fragt sich Schüpke in Zeiten, in denen es immer weniger Pfarreien und Pfarrer gibt. Durchschnittlich 60 Beerdigungen katholischer Christen verzeichnet Münster im Jahr, wobei es durchaus passieren kann, dass mal in einer Woche vier oder mehr solcher Trauerfeiern anstehen. Pfarrer Harald Christian Röper aus dem Nachbarort Eppertshausen wird 75 und kündigte bereits an, künftig für Begräbnisse in Münster nicht mehr zur Verfügung stehen zu können. Bereits im vergangenen Jahr habe es laut Schüpke den Fall gegeben, dass wegen einer Beerdigung, die in einen Engpass fiel, zwölf Pfarrer im Umkreis hätten angefragt werden müssen, bis sich ein Seelsorger gefunden habe.

Schüpke erörterte die Problemlage bereits im vergangenen Jahr mit dem Pfarrgemeinderat. „Einstimmig befanden wir, dass wir hauptamtliche pastorale Laienmitarbeiter mit dem Begräbnisdienst beauftragen müssen“, erklärt Peter Waldmann vom Kirchenvorstand. Man sei sich bewusst, dass es in der nächsten Zeit immer schwieriger werden wird, die Leitung eines Begräbnisses durch einen Priester oder Diakon sicherzustellen. Die christliche Heilszusage und Auferstehungshoffnung könne auch nicht durch irgendeine säkulare Feierlichkeit ersetzt werden, wissen die Verantwortlichen in St. Michael. „Von daher empfahl es sich, geeignete hauptamtliche pastorale Laienmitarbeiter für den Begräbnisdienst zu befähigen und zu beauftragen“, sagt Schüpke. Und mit der Gemeindereferentin Regina Schindler-Christe habe man eine hervorragende Beerdigungsbeauftragte gefunden, die alle Voraussetzungen und zusätzliche Schulungen für das Amt mit sich bringe.

Schüpke und der Pfarrgemeinderat wissen, dass die Beauftragung eines Laien mit dem Begräbnisdienst ein Eingriff in gewachsene Strukturen und die gewohnte Praxis ist. Entsprechend sensibel habe man sich des Themas angenommen. Doch mit der Wahl auf die eigene Gemeindereferentin tat sich gleichsam ein Glücksfall auf.

Regina Schindler-Christe nahm bereits Beerdigungen in anderen Pfarreien vor, hat nicht nur alle benötigten Zusatzausbildungen, sondern auch Fingerspitzengefühl, Einfühlungsvermögen und sehr gute Kenntnisse in die Strukturen St. Michaels.

Sie wurde 1963 in Frankfurt geboren und wuchs in Bad Vilbel auf. Nach dem Abitur studierte sie in Mainz Praktische Theologie. 1987 absolvierte sie in Hanau-Steinheim ihr Anerkennungsjahr und war anschließend zwölf Jahre als Gemeindereferentin mit Schwerpunkt Kinder- und Jugendarbeit tätig. Im Jahr 2000 wechselte sie nach Groß-Gerau. Dort waren ihre Arbeitsgebiete die Caritas und die Krankenhausseelsorge. Im Zuge dieser Arbeit machte sie ihre Zusatzausbildung für den Beerdigungsdienst.

Seit August 2007 arbeitet die Mutter von Zwillingen mit halber Stelle in der Pfarrei St. Michael und leitet die Erstkommunion und Kinder- und Familiengottesdienste.

Pfarrer Schüpke wird freilich weiterhin Beerdigungsdienste versehen, doch ist er sehr froh darüber, dass seine Gemeinde nicht mehr allein auf ihn angewiesen ist für den Dienst der Kirche an den Trauernden und Verstorbenen. Und er machte gestern auch deutlich, dass diese Beauftragung von Laien auch die Chance bietet, die gesamte Sterbe- und Trauerpastoral neu zu durchdenken und zu fördern.

Quelle: op-online.de

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