Kurzweilige Abende mit „Spectaculum“

Opas gewiefter Denkzettel

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Dieses Tohuwabohu hat kein Versicherungsvertreter verdient: Anneliese Kreher, Inge Fiedler und Jasmin Weber in einer Szene aus dem Stück „Opa, es reicht!“ -

Münster - Wenn bei einem Schauspiel die fiktive Geschichte des Stücks mit lokalen Begebenheiten verschmilzt, kommt das beim Publikum immer gut an. So auch am Wochenende in der Kulturhalle: „Ich bin katholisch. Von Michael Just 

Sie dürfen gerne den Pfarrrer Schüpke fragen, der sitzt da unten“, sagte Anneliese Kreher in ihrem Text und erntete dafür jede Menge Lacher. Viele im Publikum wussten natürlich um das große Engagement der Münsterin in St. Michael und amüsierten sich über den unverhofften Bezug zur Wirklichkeit. Der tauchte noch ein weiteres Mal auf, als der Dieburger „Draht Weißbäcker“ Eingang fand.

Gleich an zwei Abenden war nun Theater mit der Gruppe „Spectaculum“ und ihrem neuesten Stück „Opa, es reicht!“ angesagt. Zu Beginn erhielten alle Besucher kostenlos ein Glas Sekt, denn 2015 feiert die Riege ihr 20-jähriges Bestehen. Inge Fiedler hielt in ihrer Begrüßung einen Zeitungsartikel von damals mit der Überschrift „Neue Theatergruppe in den Startlöchern“ hoch. „Trotzdem dauerte es noch zwei Jahre bis zur Premiere.

Danach waren wir aber nicht mehr zu bremsen“, sagte Fiedler schmunzelnd. Mittlerweile hat „Spectaculum“ 18 Stücke einstudiert. Diesmal geriet Opa Karl Ackerfurch (gespielt von Brigitte Wagner) in den Blick: In dem Schwank von Bernd Gombold hat dessen Schwiegertochter Magda (Jasmin Weber) nur ihr Erbe im Sinn und sieht grundsätzlich alles, was der Landwirt sich gönnt, als Verschwendung. Mit Hilfe eines vermeintlichen Unfalls, bei dem alles auf das baldige Ableben des Opas im Krankenhaus hindeutet, bereitet dieser einen gewieften Denkzettel vor. Neben dem Sohn (Andrea Kreher), der Enkelin (Maria Osinski), deren Freund (Birgit Osinski) sind auch noch zwei Urlauber (Dorle Schreiber und Petra Braun) sowie ein Versicherungsvertreter (Inge Fiedler) in die Geschichte verwickelt.

Am Ende lautet die Botschaft, dass man Leute, die ihr Leben lang gearbeitet haben, nicht wie ein Stück Holz behandelt. Mit zwei Pausen währte der Dreiakter fast drei Stunden und bescherte einen langen und unterhaltsamen Theaterabend. Auch wenn die Geizbekundungen von Magda Ackerfurch etwas zuviel waren, spielte Jasmin Weber ihre Rolle gut.

Maria Osinski brachte als jüngste Mimin jugendlichen Schwung auf die Bühne. Herausragend, weil besonders ausdrucksstark, traten Anneliese Kreher, Brigitte Wagner und Inge Fiedler auf. Bei ihnen gab es auch am meisten zu lachen. Köstlich spielte Anneliese Kreher die völlig verdatterte Oma, die jeden wahnsinnig macht. Dazu zählte vor allem der Versicherungsvertreter der „Rexa Corrupta“, der parallel noch Staubsauger verkauft und gerne Zeitungsartikel über seinen guten Leumund reicht. Ihn trieb Kreher mit Fragen, welche Zeitung er denn nun verkaufe oder ob er auch Staubsauger versichere, an den Rand der Verzweiflung.

Alles in allem präsentierte sich „Spectaculum“ erneut als durchweg sympathisches Laientheater, das nichts unversucht lässt, sein Publikum zum Lachen zu bringen. Dazu gehörte auch ein Hundefriedhof in Eppertshausen. Er entließ einige Besucher rätselnd aus dem Saal, ob es diesen tatsächlich gibt.

Quelle: op-online.de

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