Bebauungsplan für „Mozartstraße/Beethofenstraße“ soll Weg frei geben für ein Mischgebiet

Platz für bezahlbaren Wohnraum

Unzählige Autos beanspruchen das drei Hektar große Areal der Firma Frankenbach. Dort wäre in Zukunft Platz für Reihenhäuser, ein Seniorenpflegeheim und einen Handwerkerhof. - Foto: Hiss

Münster - Um einen weiteren „Schandfleck“, wie ihn Experten benannten, aus Münster zu entfernen, berieten die Mitglieder des Bau-, Planungs- und Umweltausschusses über das große Areal zwischen Bahnlinie, Supermärkten und Darmstädter Straße. Von Corinna Hiss

Einigkeit herrschte dabei nur in einer Sache: Es muss dort etwas passieren.

Wo momentan nur eine große Lagerhalle und viele Autos auf Parkplätzen zu sehen sind, soll sich bald das blühende Leben tummeln. So sieht es jedenfalls ein Beschluss vor, der am Mittwochabend ausgiebig im Bau, Planungs- und Umweltausschuss diskutiert wurde. Die Rede ist vom 3,2 Hektar großen Areal an der Mozart- und Beethovenstraße, das der Firma Frankenbach Automobil Logistik gehört.

Damit sich die Ausschussmitglieder, die gemeinsam mit dem Haupt- und Finanzausschuss im Sitzungssaal im Rathaus saßen, ein besseres Bild von der Sachlage machen konnte, waren Uwe Werkmann und Frank Fäth eingeladen worden. Die Experten hatte die Firma Frankenbach beauftragt, die ihr Gelände besser nutzen wollten. Mit im Planungsteam saß auch Städtebauarchitektin Elisabeth Schade, die das neue Konzept vorstellte.

„Es handelt sich hierbei um ein Areal, das im Norden an Wohngebiet angrenzt, im Süden an Einkaufsmöglichkeiten und im Westen an die Regionalbahnlinie“, beschrieb sie erst einmal die geographische Lage. Detailliert und mit Graphiken untermauert zeigte sie die baulichen Veränderungen auf: Der größte ist sicherlich die Umwandlung von reinem Gewerbe- in ein Mischgebiet.

So soll im Nordwesten auf 0,6 Hektar Platz für ein Seniorenwohnheim sein, 0,9 Hektar stehen der Wohnbebauung zur Verfügung und ein Hektar bleibt Gewerbe in Form eines Handwerkerhofs mit mehreren kleinen Einheiten. Um alles besser ans öffentliche Straßennetz anzubinden, soll die Beethovenstraße bis zur Goebelstraße weitergeführt werden, damit von dort aus problemlos Dieburg oder die Bundesstraße 45 erreicht werden kann.

Zusätzlich zu diesen Einheiten sei vorgesehen, ein Mehrfamilienhaus, ein Hotel und einen Spielplatz mit 600 Quadratmetern zu bauen. Würde sich kein Hotelbetreiber finden lassen, könne der Bereich fürs Wohnen auf 1,6 Hektar vergrößert werden.

Seniorenpflege, Gewerbe und Reihenhäuser – so sieht grob gesagt Schades Vorschlag eines Bebauungsplans „Mozartstraße/Beethovenstraße“ vor. Dieser benötigte aber für die Ausschussmitglieder noch reichlich Erklärungsbedarf.

Reinhold Neumann (CDU) merkte an, wieso keine Einfamilienhäuser vorgesehen seien. Dem entgegnete die Architektin, dass in Ergänzung zur Umgebung nun einmal verdichtetes Wohnen entstehen solle. SPD-Fraktionsvorsitzender Bernd Fritsch konnte ihr da nur zustimmen. „Wir bieten dort bezahlbaren Wohnraum an, ohne die Landschaft weiter mit Einzelhäusern zu zerstückeln“, sagte er. Fritsch hatte eher Bedenken wegen des „erheblichen Lärmpegels“ von Bahnlinie und B 45. „Es wird ein Schallgutachten erstellt, um entsprechende Maßnahmen wie Verglasung und Schutzwände zu ergreifen“, versicherte ihm Schade.

Ähnlich wie die Sozialdemokraten begrüßte auch die ALMA den Vorstoß. Einzig die Lage des Seniorenheims machte Vorsitzendem Gerhard Bonifer-Dörr zu schaffen. „Direkt an den Schienen will doch kein Senior leben“, sagte er. Auch auf diesen Einwand hatten die Experten eine Antwort parat. „Studien zeigen, dass die bevorzugte Lage von Pflegeeinrichtungen an geräuschstarken Orten ist. Die Menschen können oft selbst nicht mehr aktiv sein, also muss das Leben zu ihnen kommen“, sagte Werkmann. Schade warf ein, dass dies alles erst ein vorläufiger Plan sei. „Wir müssen uns jetzt nicht in Details verlieren, können heute aber den Weg frei geben vom Gewerbe- zum Mischgebiet“, riet auch Bonifer-Dörr.

Von den Bauplänen überrumpelt fühlte sich hingegen die CDU. Sie ordnete eine kurze Beratungspause an, um danach einen finalen Beschluss auszuschließen. „Wir sind dem Ganzen positiv zugeneigt, aber sehen uns jetzt noch nicht in der Lage, eine Entscheidung zu treffen“, sprach Boris Rudolph für seine Parteikollegen. Er beantragte, dass der Vorschlag erst einmal nur zur Kenntnis genommen werden solle, um ihn innerhalb der Fraktion in Ruhe zu besprechen.

Am Montag wird der Bebauungsplan den Gemeindevertretern vorgestellt, die dann eine Entscheidung fällen.

Quelle: op-online.de

Kommentare