Bürger und Gemeinde gestalten Areal mit Experten um

Platz-Planung am Rathaus vor Vollendung

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Der Entwurf, wie Münsters Rathaus-Platz nach der Neugestaltung strukturiert sein könnte - Platanenhain und feste Bühne vor dem Rathaus inklusive.

Münster - Zum zweiten Workshop zur Neugestaltung des Rathausplatzes gab das Architekturbüro einen Ergebnisbericht und präsentierte einen neuen Entwurf. Der Wunsch nach Festen und Veranstaltungen vor der Verwaltung ist groß. Von Jens Dörr 

Seit einigen Jahren wird in Münster darüber diskutiert, wie man den Rathausplatz umgestalten sollte und ob er sich mit vertretbaren Mitteln attraktiver gestalten ließe. Die Wahl von Bürgermeister Gerald Frank und dessen Amtsantritt im Herbst 2014 brachten frischen Wind in dieses Thema. Unter den Gemeindevertretern findet der Rathaus-Chef vor allem in den Reihen von SPD und ALMA Unterstützer, während die CDU die Neugestaltung gegenüber anderen Vorhaben als nachrangig ansieht. Dennoch verfügt Münsters Haushalt 2016 für die nächsten Schritte des Vorhabens über entsprechende Mittel. Nun ging es mit einem zweiten Bürgerworkshop im Rathaus wieder ein Stück voran. Am ersten Workshop zum Rathaus-Platz hatten im Juni des vergangenen Jahres 35 Personen teilgenommen. Diesmal kamen 24 Teilnehmer, die insbesondere den Ausführungen von Michael Schauss, Stadtplaner des Darmstädter Architekturbüros Eichler + Schauss, lauschten. Zentraler Teil war dabei der Bericht zu den Ergebnissen des ersten Workshops und die Schilderung, in welcher Form diese in die Entwicklung der Planung der vergangenen Monate eingeflossen sind.

Grundsätzlich machte Schauss nach einer kurzen Einleitung Franks („Ein Parkplatz ist kein Platz. Heute haben wir auch finanziell die Luft, etwas zu bewegen, und für den Platz den Stellenwert zu erreichen, der ihm gebührt.“) noch einmal deutlich, dass das Konzept auch in seinem jetzigen, schon weit fortgeschrittenen Stadium „nicht in Stein gemeißelt“ sei. Anregungen der Bürger würden weiter entgegengenommen. Dies geschah vereinzelt auch zum jüngsten Workshop. Nichtsdestotrotz sind die wichtigsten Erhebungen zu den Wünschen der sich äußernden Münsterer sowie der zahlreichen Anspruchsgruppen (Anwohner, Verwaltung, Gewerbetreibende, Gastronomen, Feuerwehr, Kerbverein) inzwischen gemacht.

Zwei Dutzend Teilnehmer verzeichnete der jüngste Workshop, doch an der Planung der Neugestaltung des Rathausplatzes sind wesentlich mehr Bürger und Vereine beteiligt.

Herausgekommen ist ein Bild, das die Anregungen nach den potenziellen Nutzungen, den denkbaren Gestaltungselementen auf dem Platz und der dort gewünschten Atmosphäre zeichnet. Eichler + Schauss haben diese Erkenntnisse teilweise schon in die Planung eingearbeitet. Am wenigsten konkret zu fassen seien die Verlangen nach der Atmosphäre, sagte Schauss: Der Platz solle einladend und offen, schlicht eine „Wohlfühloase“ werden, beschrieb er die meistgenannten Wünsche, die teilweise auch Zielkonflikte befürchten lassen: Als atmosphärischen Wunsch gaben ebenso viele Workshop-Teilnehmer im vergangenen Jahr das Attribut „belebt“ wie das Attribut „ruhig“ an. Zwei Absichten, die sich nur schwer in Einklang bringen lassen.

Bei den Gestaltungselementen wurde es am Samstag fassbarer: Bänke und Sitzgruppen stehen ganz oben, auch der Erhalt von Bäumen wurde gewünscht, etwas seltener ein Brunnen oder eine andere Wasserfläche. Nur eine Person nannte das Verlangen nach einer Toilette auf dem Rathausplatz. Auch eine feste Bühne wurde lediglich viermal und damit eher selten genannt. Dennoch wurde sie vorerst neben dem jetzigen Haupteingang des Rathauses eingeplant. Was auch mit den Nutzungswünschen der am Workshop beteiligten Münsterer zusammenhängt: Mehr Feste und Veranstaltungen auf dem Rathaus-Platz lautete der Hauptwunsch, wobei etwa an die Umsiedlung der Kerb auf den Platz gedacht wird.

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Parkplätze stehen weiter oben auf der Wunschliste. Zudem wurde die stärkere Außennutzung durch das Restaurant und ein Café angeregt sowie die Idee eines Wochenmarkts geäußert. „Den kann man aber nicht planen, sondern nur anregen“, machte Schauss die Grenzen der Arbeit zumindest seines Büros deutlich. Im momentanen Planentwurf für die Neugestaltung des Rathaus-Platzes würde die zur Verfügung stehende Fläche künftig 4 179 statt wie aktuell 3 700 Quadratmeter betragen, präsentierte Schauss anschließend. Die Erweiterung würde dabei gen Mozartstraße stattfinden. 500 Quadratmeter könnten dabei zur entsiegelten Fläche werden, die es auf dem Platz mit Ausnahme einiger Hecken bislang fast nicht gibt. Der Rest wäre befestigter Untergrund. Das Parken würde an die Ränder des Platzes verlegt. Etwa in Abstimmung mit der am Platz ansässigen Physiotherapeutin sei auch schon an Kurzzeit-Parkplätze gedacht worden.

Im Zentrum des Platzes würde ein Platanenhain praktisch von der Leibnizstraße gen Rathaus verlaufen, Sitz- und Spielmöglichkeiten inklusive. An einen klassischen Spielplatz ist aber nicht gedacht, dieser Wunsch kam auch im Workshop kaum auf. Einen Brunnen soll es nahe des Hotels geben, der jetzige Brunnen vor dem Rathaus würde verschwinden. 20 der bisherigen Bäume „stehen gut, elf müssten umgesetzt werden“, sagte Schauss außerdem. Die Planung soll im Mai fertig gestellt werden. Und der Anfang vom Ende des Ist-Zustands sein, den der Stadtplaner so ausdrückte: „Die ganzheitliche Erfahrung ist durch die derzeitige Zerstückelung nicht da. Der Platz ist keine Einladung.“

Quelle: op-online.de

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