„Die Gemeinde sind wir!“

Podiumsdiskussion zur Kommunalwahl

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Auf Einladung der Kolpingfamilie Eppertshausen diskutierten die Christdemokraten Lutz Murmann (l.) und Stephan Brockmann (2. v. l.) sowie die Sozialdemokraten Hans-Joachim Larem (2. v. r.) und Jennifer Larem mit den 70 Zuhörern sowie Moderator Jörn Müller (3. v. l.). Auf dem Podium saß zu Beginn zudem Marcus Schledt (3. v. r.), Vorsitzender der Kolpingfamilie.

Eppertshausen - Altbausanierung oder Neubaugebiete – und wer räumt den Müll im Ort weg? Wichtige Fragen kamen aus dem Publikum, die bei der Podiumsdiskussion der Kolpingsfamilie vor der Kommunalwahl am 6. März beantwortet werden wollten. Von Jens Dörr 

Während es in verschiedenen Orten des Ostkreises Darmstadt-Dieburg lokalpolitisch immer wieder heftiger zur Sache geht – so in Babenhausen und Reinheim, zuletzt auch mal in Münster („Arthaus“) –, zählen Sitzungen des Gemeindeparlaments in Eppertshausen selten zu den großen Aufregern. „Wenn es um unterschiedliche Meinungen geht, dann meist um Zeitpunkt oder Art der Ausführung einer Maßnahme“, beschrieb am Donnerstagabend auch Hans-Joachim Larem, Fraktionschef der SPD, den Konsens in vielen grundlegenden politischen Fragen zur Eppertshäuser Ortsentwicklung. Neben seiner Tochter Jennifer Larem (SPD, 30), die kurzfristig für den erkrankten Kai Schmidt einsprang und sich in der Runde der männlichen Routiniers sehr gut verkaufte, saßen im kleinen Saal der Bürgerhalle auch CDU-Fraktionschef Stephan Brockmann sowie Christdemokrat Lutz Murmann auf dem Podium.

Zur Diskussion lokaler Belange vor den Kommunalwahlen am 6. März, bei denen auch die Sitze im Gemeindeparlament neu vergeben werden, hatte einer guten Tradition folgend die Kolpingsfamilie Eppertshausen um ihren Vorsitzenden Marcus Schledt und Moderator Jörn Müller eingeladen.

Müller war mit dem Zuspruch von 70 Zuhörern zufrieden: „Wir suchen unseren Kandidaten für Stockholm, es läuft Fußball – schön, dass sich trotzdem so viele für Lokalpolitik interessieren“, sagte er gegenüber jenen, die die Veranstaltung dem Fernsehprogramm vorgezogen hatten. Bereuen mussten sie ihr Kommen zur sachlich und fair geführten Diskussion nicht: Obgleich die Differenzen der beiden einzigen noch antretenden Parteien CDU (bisher mit absoluter Mehrheit, 26 Kandidaten auf der Liste, wobei Carsten Helfmann auf Platz eins sein Bürgermeister-Amt kaum für ein Parlamentsmandat aufgeben dürfte) und SPD (22 Kandidaten) überschaubar blieben (die FDP, die bislang einen Sitz hatte, tritt in Eppertshausen diesmal nicht an), schälten sich ein paar unterschiedliche Positionen doch heraus.

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Einer der markantesten Unterschiede in den Zielsetzungen für die Entwicklung der mehr als 6600 Einwohner (mehr als 4500 Wahlberechtigte) zählenden Gemeinde wurde hinsichtlich der Wohnraum-Frage deutlich: Die CDU setzte in der Vergangenheit auf ein Bevölkerungswachstum in der Gemeinde, das vor allem von der Ausweisung neuer Wohngebiete auf bis dato unberührten Flächen beruhte. Mit einem tausende Euro schweren „Kinderbonus“ erhöhte man gerade für junge Familien unmittelbar die Attraktivität eines Umzugs nach Eppertshausen. Vom Verbrauch immer weiterer Flächen will die SPD hingegen weg, stattdessen die Sanierung älterer Gebäude im Ortskern fördern und dieses Gebiet interessanter für Personen mit Kindern machen.

Generell sah Hans-Joachim Larem, der Eppertshausen wie auch Brockmann weiter auch im Kreistag vertreten will, in Eppertshausen Nachholbedarf bei der Schaffung günstigen Wohnraums, etwa für Alleinerziehende und Menschen mit schwächerem Einkommen. Die Sozialdemokraten profilierten sich auch mit der Forderung nach kostenloser Kinderbetreuung in einer „Kernzeit“, die ausgeweitet werden könnte, sobald es die Finanzen zuließen

Auch der Wohnraum für Flüchtlinge zählte zu den Fragen, die das Publikum nach der einleitenden Vorstellung der vier Kandidaten zu Personal und Programmauszügen gen Podium richtete. Mit Blick auf die Suche und Ertüchtigung von Immobilien, in denen die Eppertshausen zugewiesenen Asylsuchenden zumindest vorübergehend unterkommen könnten, wies Brockmann darauf hin, dass dies „überwiegend im Gemeindevorstand behandelt“ werde, die Gemeindevertreter aber bei Fragen der Finanzierung und beim Schaffen von Baurecht ins Spiel kämen.

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Brockmann nannte für die CDU darüber hinaus die Ansiedlung eines Hausarztes, die Umgestaltung der Ortseinfahrten und der Hauptstraße, die baldige Inbetriebnahme des schnellen Internets und die Gestaltung eines ortsnahen Wegenetzes für Radfahrer und Spaziergänger als politische Ziele, die weitgehend auch von der SPD verfolgt werden.

Nachgehakt wurde aus dem Auditorium auch wegen der scheinbar „simplen“ Frage zur Sauberkeit in und um Eppertshausen: Derzeit sammelt ein Mitarbeiter der Gemeinde zweimal wöchentlich Unrat auf. Lutz Murmann, der sich als Vertreter der Volksbank Eppertshausen lokalpolitisch bislang zurückgehalten hatte, nach der vorerst gescheiterten Verschmelzung mit der Vereinigten Volksbank Maingau („Ich gehe davon aus, in zwei, drei Jahren wird das was“) nun aber doch erstmals seinen Hut für die CDU in den Ring wirft, war wie Larem grundsätzlich jedoch der Ansicht, dass es eigentlich ein Unding sei, dass der Staat rücksichtslosen Bürgern hinterher räumen müsse. Er appellierte dafür, Übeltäter direkt anzusprechen, wenn man solchen gewahr werde. Schließlich dürfe man nie vergessen, dass Verwaltung und lokalpolitische Gremien zwar wichtig seien, Eppertshausen aber in erster Linie von jedem Bürger ausgemacht werde: „Die Gemeinde sind wir!“

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Quelle: op-online.de

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