Protestanten feiern

Leben kein Himmelfahrtskommando

+
150 Protestanten sprachen zusammen mit Münsters Pfarrer Christoph Sames das Glaubensbekenntnis. - Foto: Dörr „Zeigen, dass Kirche Spaß macht“ 150 Protestanten sprachen zusammen mit Münsters Pfarrer Christoph Sames das Glaubensbekenntnis.

Münster - Protestanten aus Münster, Altheim, Harpertshausen, Eppertshausen, Dieburg und Groß-Zimmern feierten am Münsterer Freizeitzentrum zum zweiten Male in Folge an Himmelfahrt einen gemeinsamen Gottesdienst. Von Jens Dörr 

Die Auferstehung von Jesus Christus an Ostermontag und die ab diesem Zeitpunkt 39 Tage, in denen er sich unter anderem laut Lukas-Evangelium und Apostelgeschichte seinen Jüngern zeigte, sind die zentralen Aussagen des Christentums für ein ewiges Leben. Die Phase des Wandelns unter den Menschen endete den neutestamentarischen Schriften zufolge mit der Himmelfahrt zur Seite Gottes. Sie wird stets am 40. Tag des Osterfestkreises, der am Ostersonntag beginnt, gefeiert. Dies taten die evangelischen Kirchengemeinden aus Münster, Altheim, Harpertshausen, Eppertshausen, Dieburg und Groß-Zimmern am Donnerstag am Münsterer Freizeitzentrum gemeinsam.

„Die Premiere dieses gemeinsamen Gottesdiensts wurde im vergangenen Jahr gut angenommen“, blickte vor der Zusammenkunft der sechs Gemeinden der für Altheim und Harpertshausen zuständige Pfarrer Ulrich Möbus auf 2014 zurück. Auch in diesem Jahr nahmen die Gläubigen das Angebot des Gottesdiensts unter freiem Himmel an: Rund 150 Protestanten ließen sich vor der Bühne nieder, die am Abend vorher „Arbeitsplatz“ von neun Chören beim Konzert des AGV Eintracht Münster gewesen war und nach dem Gottesdienst wieder Ort für diverse Chorauftritte des AGV-„Waldfests“ wurde. Am Vormittag nutzten die Pfarrer Michael Merbitz-Zahradnik (Groß-Zimmern), Dieter Schmidt (Dieburg) und Christoph Sames (Münster), der einmal mehr auch zur Trompete griff, die Bühne zur Gestaltung der Messe. In dessen Mittelpunkt stand die Predigt von Merbitz-Zahradnik. „Euer Leben ist kein Himmelfahrtskommando“, leitete er ein.

Der Groß-Zimmerner Pfarrer entwickelte thematisch anschließend einen Kreis, den er mit dem Appell öffnete und schloss, seinen Glauben zu zeigen, zu bezeugen, sich für ihn zu engagieren. „Das ist der Anspruch von Jesus an uns alle“, sagte Merbitz-Zahradnik und spannte den Bogen von politischen Themen bis zum Glauben. Dabei griff er unter anderem die zahlreichen jüngsten Streiks auf. „Es ist eine komische Stimmung über unserem Land. Die Lokführer streiken, die Erzieherinnen, die Post, die Fluglotsen haben es angekündigt.“ Das sei allein zunächst nicht das Problem, „das ist legitim“ und er maße sich kein inhaltliches Urteil dazu an. Schließlich sei das auch besser als etwas anderes, das er beobachtet habe: „Viele haben überhaupt keine Überzeugung mehr, für die es sich zu engagieren lohnt.“ Schwierig werde es aber, wenn in den Konflikten zu sehr auf der eigenen Position beharrt werde - „das führt zu Groll und Ärger“. In der Folge sei eine Einigung oft nur noch schwer möglich. „Knackpunkt ist aber, dass ich vergeben darf und mir vergeben wird. Wie kann ich einem anderen die Vergebung da verweigern?“, sandte Merbitz-Zahradnik eine rhetorische Frage in die Zuhörer. Wichtig sei , „sich dem Heiligen Geist zu öffnen, dann wird er mich auch irgendwie auf Trab bringen“.

Kommunion und Konfirmation: Bilder aus der Region

Merbitz-Zahradnik lag es am Herzen, dass wieder mehr über den Glauben gesprochen werde: „Glaube ist keine Privatsache“, trat er einer durchaus nicht seltenen Meinung entgegen. „Damit meine ich nicht, sich in die Fußgängerzone zu stellen, aber in der Familie, auf der Arbeit oder im Verein darüber zu sprechen.“ Dann würden Gläubige ihrerseits zu Zeugen, die auch bezeugten. Während auf dieser inhaltlichen Ebene Gläubige wieder ein Stück stärker mit dem Christentum verwachsen könnten, so tun es die Kirchengemeinden organisatorisch ebenfalls, wie Pfarrer Ulrich Möbus skizzierte: „Wir wollen zusammen zeigen, dass Kirche Spaß macht und wir viele sind.“ Der gemeinsame Himmelfahrts-Gottesdienst sei dafür nur ein Beispiel. Als weiteres nannte er etwa gemeinsame Konfirmanden-Fahrten der Altheimer und Harpertshäuser mit den Münsterern und Eppertshäusern. „Wir wachsen als Kirche noch mehr zusammen. Das würde ich mir beispielsweise auch noch bei den Chören und Orchestern wünschen.“ Bei der „Nacht der Kirche“ am 17. Juli dieses Jahres gehe man noch über die evangelischen Gemeinden hinaus, gestalte die Nacht auch gemeinsam mit den Katholiken.

Quelle: op-online.de

Kommentare