Regenbogenschüler präsentieren eigenes Theaterstück

Auf der Suche nach Leben im All

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Schwerelos durch den Weltraum – mit großen Bewegungen schwebten die Drittklässler der Regenbogenschule über den Boden der Kulturhalle.

münster - Eine Welt voller Hass und Katastrophen ist nicht das, was sich die Kinder der Regenbogenschule Altheim wünschen. In der Kulturhalle zeigten sie jetzt in einem Theaterstück ihre Vorstellungen vom perfekten Ort zum Leben. Von Corinna Hiss

Flüchtlingsdramen, Kinderarmut, vom Aussterben bedrohte Tiere, Rassismus – wer heutzutage in den Medien unterwegs ist, wird von schlechten Nachrichten nahezu überflutet. Das ist auch den Grundschülern der Altheimer Regenbogenschule aufgefallen, die ihre Gedanken dazu am Dienstagabend in der Kulturhalle präsentierten. Eine Woche lang hatten die dritten Klassen mit den Theaterpädagogen Björn Lehn, Tamara Krah und Katrin Timmer vom Darmstädter Theater Lakritz an Ideen gefeilt, Szenen geschrieben und geprobt.

„Die Kinder haben sich das meiste selbst ausgedacht, wir haben nur den letzten Feinschliff gegeben“, sagte Lehn nach der Premiere erfreut. Das Stück „Aufbruch zu den Sternen“ ist die erste erfolgreiche Kooperation mit dem Theater Lakritz innerhalb des „Tusch“-Projekts („Theater und Schule“). Und weil alles so reibungslos lief, ist für diesen Herbst bereits die nächste Projektwoche geplant. Fremde Welten und weite Galaxien hatten es dabei den Drittklässlern besonders angetan. Was wäre, wenn wir nicht die Einzigen im Universum sind? Und wie sieht der Alltag auf einem anderen Planeten aus? Nachdem die Gruppe die Erde für nicht mehr lebenswert deklariert hatte, wurde sich ins Raumschiff gesetzt. „Wenn die Welt so mies behandelt wird, dann such’ ich mir eben eine neue!“, kam ein Schüler zu dem Entschluss, dem alle anderen begeistert zustimmten.

Mit einfachsten Requisiten – Pappkartons und an die Wand projizierte selbstgemalte Bilder – fesselte das Stück Lehrer, Eltern und Geschwister, die sich in einem Nebenraum in der Kulturhalle dicht an dicht auf den Stühlen drängten. Sphärenklänge aus der Box tat das Übrige, um die Reise durchs All glaubwürdig erscheinen zu lassen. Auch die eigens angefertigten Bilder spiegelten treffend die Vorstellungen wider, die die Altheimer Schüler vom Weltraum haben.

Nachdem sie also der Erde den Rücken zugekehrt hatten, schwebten sie gekonnt schwerelos durch die Galaxien. Dabei ließen sie ihrer Fantasie freien Lauf: Sie stellten sich vor, wie es ist, mit einem Außerirdischen zu reden und ihn nach seinen Essgewohnheiten zu befragen („Am liebsten Pizza!“). Doch irgendwann ließ auch bei den letzten Reiselustigen der Spaß an der Expedition nach. Das All erschien ihnen auf einmal doch mächtig groß und leer. „Ich habe Heimweh“, sagte ein Mädchen mit trauriger Stimme – also ging es wieder zurück zur Erde.

Ganz erfolglos war die Expedition aber doch nicht. „Nur wenn ich weiß, wovon ich träume, kann ich aktiv daran arbeiten“, war die Quintessenz des Ausflugs ins All. Anstatt neues Leben auf einem fremden Planeten aufzubauen, kam die Gruppe zu dem Schluss, auf der Erde zu bleiben – und sie besser zu machen. Ihr Wunsch: eine Welt ohne Böses, in der jeder eine zweite Chance kriegt, in der Gleichberechtigung herrscht und jeder eine Familie hat. Das „Tusch“-Projekt „Aufbruch zu den Sternen“ stellte sich letztendlich als Rückkehr zu traditionellen Werten und Lebensweisen heraus. „Die Kinder haben sich ihre Wünsche allein erarbeitet“, war Lehn stolz auf die Leistung seiner Schützlinge. Und auch das Publikum durfte zum Schluss aktiv werden und seine eigenen Träume aufschreiben.

Quelle: op-online.de

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