Sascha Lapp aus Münster

Lachmuskeltraining für die Ohren

+
Von falschen Feuerwehrmännern und rachsüchtigen Krähen: Sascha Lapp ist beim Hessichen Rundfunk der Mann fürs Skurrile. Mit dem Polizeireport bringt er Kurios-Kriminelles zu den Hörern. Hessens humorvollster Polizeireporter: Sascha Lapp.

Münster - Wenn in Groß-Zimmern Jugendliche auf frisierten Bürostühlen über die Straße brettern und in Babenhausen nackte Typen auf der Kühlerhaube ihres Autos faulenzen – dann ist das eine Geschichte für Sascha Lapp. Von Eva-Maria Lill

Der passionierte Radioreporter ist gefragt, wenn kuriose Meldungen auf die Schreibtische der Polizeipräsidien flattern. Wöchentlich sammelt er die außergewöhnlichsten und witzigsten Nachrichten und bringt sie ins Radio. Beim Hessischen Rundfunk laufen die etwa zwei Minuten langen Beiträge freitagvormittags bei hr3-Extra, abends im Madhouse und am Wochenende bei Pop &Weck.

Lapp ist Ur-Offenbacher, Kickers-Fan und Ex-Biergarten-Besitzer. Vor fünf Jahren baute er gemeinsam mit seiner Frau Eva ein Haus in Münster. Mittlerweile haben die beiden zwei kleine Söhne: „Lego ist mein Lieblingshobby“, sagt Lapp lachend. Da ist es gut, dass er sich als freier Reporter seine Zeit flexibel einteilen kann. „Radio ist meine Berufung“, betont er. Und dass, obwohl der 43-Jährige erst über Umwege zum Rundfunk kam. Nach der Ausbildung zum Versicherungskaufmann absolvierte Lapp seinen Zivildienst 1996 am Klinikum Offenbach. Gerade zu der Zeit, als Radio Brinkmann gegründet wurde. „Bei der ersten Sendung habe ich Markus Terharn von der Offenbach-Post getroffen, mich ein bisschen mit ihm unterhalten und bin dann als freier Mitarbeiter eingestiegen.“

Vom Klinikradio zu unserer Zeitung und weiter zum Offenen Kanal. „Da habe ich die erste Sendung moderiert und eine kleine Rubrik eingeführt ,Promis Privat’.“ Wie das Schicksal will, begegnet Lapp dort 1998 Jörg Bombach, dem damaligen Wellenleiter von hr3. „Er schlug mir vor, ein Praktikum zu machen. Zuerst hatte ich gar keine Zeit. Es hat ein paar Monate gedauert, bis ich angenommen habe.“ Aus zwei Wochen Praktikum werden 17 Jahre freie Mitarbeit. So lange ist Lapp schon für den hr unterwegs. Zunächst als „klassischer“ Polizeireporter, später als Allroundtalent und Chef vom Dienst. 2007 regt sein Vater an, er solle sich doch eine eigene, witzige Rubrik überlegen; der Polizeireport ist geboren.

Der Polizeireport ist Kult

Jeden Tag erreichen Lapp rund 140 Einzelmeldungen aus sieben Polizeipräsidien. Die drei verrücktesten sucht er aus, schreibt sie fürs Radio um und setzt sich im Regionalstudio Darmstadt ans Mikro. Produzent Frank Seidel bastelt aus den Einzelteilen anschließend eine Folge der kuriosen Polizei-Schau, inklusive lustiger Soundeffekte und charmanter Spielereien. 400 Ausgaben, 1 200 Geschichten: Der Polizeireport ist Kult. In all den Jahren gab’s niemals Meldungs-Mangel, bloß zweimal musste die Sendung krankheitsbedingt ausfallen. Etwas mehr als drei Stunden dauert die Vorbereitung für knapp zwei Minuten Sendezeit. Auf der Internetseite des hr generiert der Report Bestzahlen. „So eine Idee hat man nur einmal im Leben“, weiß Lapp.

Der Fußballfan hat ein Gespür für das richtige Wort. Etwas, dass er sich hart erarbeiten musste. „Ich hatte nie Stimmbildungsseminare. Aber ich erinnere mich noch gut daran, dass mein Chef damals häufiger meine Bänder in den Mülleimer geworfen hat. Ich habe mich nicht entmutigen lassen und einfach weiter probiert, bis es perfekt war.“ Seine Arbeit erfordert neben Humorgespür auch Einfühlungsvermögen. „Wir machen zum Beispiel nichts über psychisch Kranke“, sagt Lapp. Die besten Meldungen sammelte er 2009 und 2010 in zwei Büchern. Auch darunter: kurios Kriminelles aus der Region. In Babenhausen gab’s zum Beispiel einen „unansehnlichen, nackten“ Mann, der als Kühlerfigur auf seinem Auto posierte.

In Münster irrte sich ein Ex-Freund in der Tür und prügelte sich mit Fremden. Zwei Jugendliche machten auf einem Bürostuhl mit Rasenmähermotor Groß-Zimmerner Straßen unsicher. Lapps Lieblingsgeschichten: In der Nähe von Groß-Gerau fährt ein Betrunkener unentdeckt bei einem Einsatz der Freiwilligen Feuerwehr mit. Und in Frankfurt wird ein Mann von rachsüchtigen Krähen verfolgt, nachdem sein Hund einen kleinen Vogel verletzte. Der Polizeireport ist aber nicht das Einzige, was Lapp in seinen hr-Jahren erlebt hat. Zu den Höhepunkten zählen unter anderem: der Empfang der Fußball-Nationalmannschaft nach der WM 2002 auf dem Römerberg und ein Backstage-Interview mit Lapps Lieblingsband A-ha. „Natürlich bekommt man nicht nur Tolles mit“, sagt er und erinnert sich dabei an die Ermordung Jakob von Metzlers. Über das Verbrechen hat er vom ersten Tag an berichtet.

Zehn kuriose Kriminalfälle 2014 in Hessen

Zehn kuriose Kriminalfälle 2014 in Hessen

Hessens humorvollster Polizeireporter hat beim professionellen Lachmuskeltraining das Schmunzeln über sich selbst nicht verloren: „Einmal hatte ich eine Live-Panne. Ich dachte, ich bin noch im Vorgespräch mit dem Kollegen. War aber schon das eigentliche Interview. Ich war kurz angebunden und grummelig. Heute noch bekommen unsere Volontäre diese Aufnahme vorgespielt: So dürft ihr’s nicht machen! Wenn sie dann zu mir in die Redaktion kommen, kennen sie mich wenigstens schon.“

Quelle: op-online.de

Kommentare