Großprojekt bei Altheim

Semme-Aue vor Renaturierung

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Das kleine Fließgewässer Semme kommt vom Otzberg und fließt bei Altheim nahe des Naturschutzgebiets Am Sand eher im Verborgenen zwischen Bundesstraße und Gleisbett entlang.

Münster - Mit der Renaturierung der Semme-Aue haben der Naturschutzbund Münster und die Gemeinde ein besonderes ökologisches Projekt in Angriff genommen. Von Thomas Meier 

Die Renaturierung der Fließgewässer ist ein wichtiges Ziel der Umweltpolitik, denn mit ihren Auen sind sie die Lebensadern der Natur. Der Erhalt der heimischen Flora und Fauna und der naturnahen Lebensräume mit ihrer artenreichen Tier- und Pflanzenwelt ist das zentrale Anliegen der mehr als 300 Mitglieder des Naturschutzbundes Münster – dies schon seit fast 60 Jahren. „Wir wollen, dass auch kommende Generationen eine Erde vorfinden, die lebenswert ist, die über eine große Vielfalt an Lebensräumen und Arten, sowie über gute Luft, sauberes Wasser, gesunde Böden und ein Höchstmaß an endlichen Ressourcen verfügt“, heißt es in den Statuten.

Die Renaturierung der Semme ist das aktuelle Großprojekt der Naturschützer. Sie erarbeiteten gemeinsam mit der Gemeinde ein Konzept zur Wiederherstellung des Bachlaufs. Die Erdarbeiten zum Projekt haben im Bereich Hergershausen am 19. Februar begonnen. An mehreren Stellen wurden bereits Flutmulden geschaffen.

Die Semme-Aue zwischen B26 und Bahnlinie wird renaturiert.

Die Semme ist ein kleines, rund 23 Kilometer langes Fließgewässer, das im Bereich des Otzbergs entspringt und bei Hergershausen in die Gersprenz mündet. In der Gemarkung Altheim, zwischen der Bundesstraße 26 und der Bahnlinie, bietet sich ein etwa zehn Hektar großer, naturnaher Auenbereich für ein Renaturierungsprojekt an. In Zusammenarbeit mit der Gemeinde plant die Nabu-Ortsgruppe, die fünf Meter breite Gewässerparzelle der Semme durch einen Uferrandstreifen mit einer Breite von 20 Metern zu erweitern. Dazu ist es erforderlich, dass die Gemeinde die entsprechenden Flächen in einem Umlegungsverfahren nach dem Baugesetzbuch erwirbt.

Der Uferrandstreifen, der parallel zum Fließgewässer verläuft, soll künftig nicht mehr landwirtschaftlich genutzt werden. Er würde sich dann in den kommenden Jahren ein Schilfsaum am Rand des Fließgewässers entwickeln und der nötige Raum für die Entfaltung des Gewässers und der bereits vorhandenen Ufergehölze geschaffen werden. Der Uferrandstreifen würde dann zum Lebensraum von Rohrammer, Teich- und Schilfrohrsänger. Zudem wird der derzeit noch gerade Gewässerverlauf und das gleichförmige Uferprofil der Semme durch den Wasserverband Gersprenzgebiet renaturiert. Insbesondere wegen der Unzugänglichkeit ist dieser Bereich ein ruhiger Lebensraum für störungsempfindliche Arten.

Weiterhin ist in Zusammenarbeit mit der Gemeinde und dem Wasserverband Gersprenzgebiet geplant, die Eigendynamik der Semme zu fördern. Mit initiierenden Maßnahmen soll die sogenannte „konstante Gerinnegeometrie“ aufgelöst werden, mit der die Semme vor Jahrzehnten kanalartig ausgebaut wurde.

Der Bereich der Grünlandaue soll weiterhin als Grünland mit Mahd oder Beweidung genutzt werden. Zusätzlich könnten auf den Flächen im Eigentum der Gemeinde oder des Naturschutzes kleinflächig flache Flutmulden geschaffen werden, die wichtige Elemente im Lebensraum von Kiebitz und Bekassine sind. Ziel aller Maßnahmen ist der Erhalt und die Entwicklung einer landwirtschaftlich extensiv genutzten Grünlandaue mit einer breiten Gewässerparzelle, in der Raum für die Eigendynamik des Fließgewässers vorhanden ist.

Zu einer Bürgerinformationsveranstaltung laden Nabu und Gemeinde für Samstag, 19. März, 11 Uhr ein, um über das Projekt zu informieren. Der Treffpunkt der einstündigen Vor-Ort-Veranstaltung mit Rundgang ist der Bahnhof Altheim, am unbefestigten Parkplatz auf der Südseite des Areals.

Quelle: op-online.de

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