Entwässerungssystem soll kartiert und nach einem Langzeit-Plan gewartet werden

Sensibles Werk: Flurgrabenpflege

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Der gleiche Graben vom Wirtschaftsweg aus gen Münster betrachtet: Er wurde kürzlich gesäubert und gemulcht. - Fotos:

Münster - Das Grabennetz in der Feldgemarkung zwischen Altheim und Münster sowie die Archivierung von Vereinsmeldungen in der Gemeinde waren Antragsthemen der CDU- Fraktion in der jüngsten Gemeindevertretersitzung. Beiden widerfuhr Zustimmung. Von Thomas Meier 

Vorher-nachher-Effekt: Diesen Graben bei Altheim sieht man kaum, so zugewachsen ist er. Nur die Bäume weisen seinen Weg.

Ein Pflegeplan soll für die Flurgräben erarbeitet werden und die Archivierung kommt nach der Sommerpause zur eingehenden Beratung in die Ausschüsse. Das Grabennetz in den Feldgemarkungen Altheim und Münster ist zum Teil in einem schlechten Zustand, weil über Jahrzehnte in der Pflege vernachlässigt. Das Netz ist zu groß, um es jährlich in seiner Gesamtheit zu warten, daher sollen nach Antrag der CDU die Entwässerungsgräben kartographisch erfasst und über einen längeren Zeitraum (beispielsweise zehn Jahre) nach einem aufzustellenden Plan gepflegt und gesäubert werden. „Die CDU sieht darin einen Beitrag zur Landschaftpflege und eine Vorsorgemaßnahme, um nach Starkregen und Überschwemmungen auf den Nutzflächen die Bewirtschaftung schneller zu ermöglichen“, führte Udo Beutler für die Unionsfraktion im Parlament aus. Bernd Fritsch von der SPD bekundete, man freue sich über die Einsicht bei der Union, dass solche Kataster eine Notwendigkeit für nachhaltige Pflegemaßnahmen seien. Man stimme dem Ansinnen freilich zu. Und Gerhard Bonifer-Dörr regte gar zusätzlich an, eine Erfassung des Grabensystem auf interkommunalem Wege mit den Nachbargemeinden gemeinsam anzugehen.

Die Gräben zwischen den Äckern und anderen agrarwirtschaftlichen Flächen sind künstliche Gewässer, die zur Regulierung des Wasserhaushalts geschaffen wurden. Insbesondere die Nähe zu den Hergershäuser Wiesen lässt auch die Bedeutung der angrenzenden Grabensysteme steigen. Die heimischen Naturschützer wissen: Einerseits verursachen Gräben ökologische Probleme, wenn sie den Wasserhaushalt in sensiblen Feuchtgebieten verändern oder durch steile Böschungen zu Tierfallen werden. Andererseits können sich naturnahe Mulden aber auch zu wertvollen Landschaftsstrukturen mit vielfältigen ökologischen Funktionen entwickeln. In intensiv genutzten Landschaften sind die Flurgräben oft letzte Rückzugsgebiete für Wildtiere, die hier Nahrung, Versteckmöglichkeiten, Brut-, Nist-, Laich- und Überwinterungsplätze finden. Sie dienen als Ausbreitungswege für viele Tiere und Pflanzen. Zur Erhaltung müssen Gräben gepflegt werden. Die Vorgehensweise zur Grabenpflege beeinflusst dabei ganz entscheidend die Artenvielfalt.

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Dies erkennen Münsters Politiker mit ihrer einmütigen Entscheidung nun an. Und in der Verwaltung wurde man schon aktiv, beispielsweise wurden links und rechts des Wirtschaftsweges zwischen Altheim und Münster zugewachsene Gräben teilweise gesäubert. Dies ist eine sensible Arbeit, gilt es doch, nicht die Biosphäre in den Systemen zu schädigen. Werden beispielsweise Schlammablagerungen entfernt, dürfen die Gräben dabei nicht vertieft werden. Wertvolle Strukturen, beispielsweise Uferanbrüche, sollten belassen bleiben. Die Gewässersohle sollte auch nach der Räumung möglichst strukturreich und rau sein. Die beste Zeit für die Pflegearbeiten kommt noch: Von September bis Oktober, wenn Pflanzen und Tiere ihre Entwicklung abgeschlossen haben, sich aber noch nicht in Winterruhe befinden, empfehlen die Naturschützer solche Maßnahmen. Der Unionsantrag kam also zur richtigen Zeit.

Noch nicht so ausgegoren schien den anderen Abgeordneten das Unionsansinnen, die Gemeinde möge das bestehende Archiv für die Ablage von Vereinsunterlagen und Presseberichten weiterführen. Bürgermeister Gerald Frank sagte gleich zu Beginn der Debatte: „Hier verschwindet nichts im Nirwana.“ Es gebe kein Pressearchiv für die Vereine in der Verwaltung, nicht alles werde hier archiviert, nur „relevante Meilensteine für Vereine, die auch wichtig für die Historie des Ortes“ seien. Eine Sammlung von Presseberichten gebe es in der Gemeinde überdies erst seit 2002. Doch wolle man sich der Thematik nicht verschließen. Die Parteien einigten sich darauf, sie im Haupt- und Finanzausschuss zu vertiefen.

Quelle: op-online.de

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