Sonderausstellung des Heimat- und Geschichtsvereins

Von Wachtürmen und der Einheit

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Die Ausstellung des Heimat- und Geschichtsvereins „Der Weg zur Deutschen Einheit“ wird mit Exponaten von Dr. Norbert Gottlieb bereichert. Der Dieburger Modellbauer erzählte von eigenen Erlebnissen deutsch-deutscher Historie.

Münster - Seit Oktober hat der Heimat- und Geschichtsverein (HGV) mit seiner Sonderausstellung „Der Weg zur Deutschen Einheit“ das elementarste Kapitel jüngster deutscher Geschichte in den Fokus gerückt. Von Ursula Friedrich 

„Der Mauerfall war das wichtigste Ereignis des vergangenen Jahrhunderts“, sagte Dr. Norbert Gottlieb vor dem interessierten Publikum, dass zwischen Schautafeln und Exponaten im Heimatmuseum Platz genommen hatte. Dass der Dieburger Gottlieb in Münster referierte, hat eine kleine Vorgeschichte. Mit dem Besuch zur Eröffnung der Sonderschau sprach er die Einladung an den HGV-Vorstand aus, seine „Schätzchen“ in Augenschein zu nehmen. Seit seiner Pensionierung widmet sich der ehemalige Internist leidenschaftlich dem Modellbau.

Auf Basis alter Fotografien rekonstruiert er historische Wahrzeichen und Plätze. Etwa das Start- und Zielhaus des Dieburger Dreiecksrennens, aber auch Synonyme für Diktatur, Überwachung und das geteilte Deutschland. Im Klartext: Gottlieb baute den Checkpoint Charlie, den berühmtesten Berliner Grenzübergang (1961 bis 1990), Wachtürme und heutige Gedenkstätten der SED-Diktatur nach. Zu sehen sind sie für die Dauer der Ausstellung, die mindestens bis Ende April im Heimatmuseum gezeigt wird.

„Der Checkpoint Charlie ist Schauplatz spektakulärer Fluchten von DDR-Bürgern“, erzählte Dr. Norbert Gottlieb, den die Landeshauptstadt fasziniert und inzwischen zu zwölf Besuchen veranlasste. DDR-Bürgern gelang die Flucht im Kofferraum eines Alliiertenfahrzeugs oder sie durchbrachen mit einem 7,5-Tonner die Grenze. 1962 vereitelte eine Gewehrsalve die Flucht eines Mannes, der vor den Augen der westlichen Wachposten verblutete.

Persönliche Erlebnisse aus dem Publikum („Von einem Hochhaus in der Berliner Kochstraße konnte man gut in den Osten gucken.“) ergänzten die Blicke in die nicht ungetrübte deutsch-deutsche Geschichte. „Die Zeit der deutschen Teilung war eine absurde Wirklichkeit“, ergänzte Margarete Elster aus dem Vorstand des HGV. Damit sie auch für junge Generationen erlebbar bleibt, bietet der Verein Führungen für Schulen und Gruppen an, die rege genutzt werden.

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Die Modelle Dr. Norbert Gottliebs machen die Historie anschaulich. Die anschließende Autorenlesung mit Roman Grafe („Die Grenze durch Deutschland“), Autor und Filmemacher, ließ die Geschichte der DDR-Westgrenze am Beispiel der Ortschaft Probstzella lebhaft aufleben. „Die DDR war weiter entfernt als der Mond“, machte Margarete Elster anschaulich.

Um diese Distanz zu überwinden, öffnet das Heimatmuseum jeweils am ersten Sonntag des Monats seine Türen von 14 bis 17 Uhr an der Bahnhofstraße. Führungen sind nach Vereinbarung möglich, 06071/604536.

Quelle: op-online.de

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