Ein höllisches Bühnenvergnügen

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Kurzweiliger Theaterspaß: Das Ensemble Spectaculum Münster präsentierte sein himmlisch-höllisches Stück in der Kulturhalle.

Münster - Zwei Engel zoffen sich. Ein vermeintliche Spießer-Familie druckt 50-Euro-Blüten. Ein Hochstapler verführt das Hausmädchen. Kurzum, ein Heidenspektakel sorgte in der Kulturhalle für Kurzweil. Von Ursula Friedrich 

„Himmlische Schlingel“ nach Hub Fober, die jüngste Produktion der Theatergruppe Spectaculum Münster, hatte eine furiose Premiere. 400 Besucher lachten, applaudierten und feierten das Ensemble, das den Schwank nach vielen Monaten des Probens auf die Bühne brachte. „Das Stück haben wir im Jahr 2000 schon einmal gezeigt“, erzählte Inge Fiedler nach dem geglückten Revival, das nun im neuen Gewand präsentiert wurde. Rollen wurden umverteilt, vielerlei der Geschichte völlig neu angegangen. Eines hat sich nicht geändert: Die rein weibliche Besetzung aus der Anfangszeit, in der das Laienensemble fieberhaft nach männlichen Mitstreitern suchte, ist eine Frauengruppe geblieben. Heute haben sie aus der Not eine Tugend gemacht. Ob es der schnapsschwangere Alfons Weber oder Spürnase Kommissar Thiel ist, alle Männerrollen wurden von Frauen verkörpert.

„Wir haben irgendwie verpasst, auf den (Theater-)Zug aufzuspringen“, erklärten die dennoch hilfreichen Männer, die im Foyer Häppchen und Getränke servierten, während ihre Frauen Theater spielten. Sie haben wichtige Rollen hinter der Bühne, als Requisiteure, Kulissenbauer, „und Seelsorger“, wie sie schmunzelnd erklärten. Trösten war nicht nötig. Spectaculum Münster, das vor 19 Jahren aus einer Inszenierung im evangelischen Kindergarten hervorging, hat sich zu einer routinierten Darstellergruppe gemausert. Die Premiere lief bestens und als an stets immer der gleichen Stelle das Ensemble „fest hing“, dabei selbst loskichernd, lachte das Publikum schallend mit.

Vier Frauen der ersten Stunde, Jasmin Weber (im Stück Engel Kicky), Brigitte Wagner (Alfons Weber), Inge Fiedler (Paul Weber) und Christiane Otten (Ulrike), sind immer noch dabei und teilen mit dem übrigen Ensemble (insgesamt 15) die Passion des Theaterspielens. Tapfer haben sie die Anfangsjahre gemeistert, als sie, kaum bekannt, vor deutlich weniger Besuchern spielten. Nun waren es rund 800 Gäste, die sich an zwei Theaterabenden auf eine kurzweilige Reise mitnehmen ließen. Nach dem bewährten Rezept, eine unterhaltsame Komödie mit Lokalkolorit, Humor und Witz, der dabei nicht unter die Gürtellinie geht, auf die Bühnenbretter zu bringen, wurde an die Erfolge der Vorjahre angeknüpft. In weitere Rollen schlüpften als ehrgeiziger Engel mit großen beruflichen Ambitionen Ulrike Korb, Anneliese Kreher verkörperte Melanie Weber, Dorle Schreiber Hochstapler Oskar und Renate Fröhlich Spürnase Thiel.

Monate des Probens und Vorbereitens vergingen, um die Produktion öffentlich zu zeigen. „Der Weg ist das Ziel“, nach diesem Motto haben die Frauen am Spielen, Einstudieren und Entwickeln Riesenspaß. Und nehmen alle Hürden. Um die falschen 50-Euro-Scheine, Requisiten für die „Himmlischen Schlingel“ herzustellen, ging Ulrike Korb in einen Copyshop. Der Mitarbeiter weigerte sich jedoch, Falschgeld zu drucken – so musste der heimische Farbdrucker herhalten. Ein junges Ensemblemitglied sollte – trotz Schwangerschaft – eine Rolle erhalten, der Nachwuchs kündigte sich jedoch just zur Premiere an. Die schwangere Elfe wurde so schweren Herzens aus der Darstellerliste gestrichen. (Junge) Frauen, die gerne Theater spielen möchten, sind bei Spectaculum Münster willkommen (Kontakt: Inge Fiedler, s 06071 62932). Was im kommenden Jahr gezeigt wird, steht zwar noch in den Sternen. Klar ist jedoch: Zum 20-jährigen Bestehen von Spectaculum Münster soll es etwas ganz Besonderes werden.

Quelle: op-online.de

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