67 neue Asylbewerber an zwei Tagen aufgenommen

Sporthalle Obdach für 50 Flüchtlinge

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50 Betten und Stühle, Tische und Bauzäune mit Sichtabtrennungen wurden gestern eilends in Altheims Halle aufgebaut.

Münster-Altheim - In Altheims Sport- und Kulturhalle leben seit gestern Nachmittag 50 Flüchtlinge. Am Dienstagabend wurden in Münster bereits 17 neue Asylbewerber in einer vom Kreis angemieteten Unterkunft untergebracht. Sowohl Kreis als auch die Kommune sagen: „Wir wissen nicht, wie viele noch kommen werden.“ Von Thomas Meier 

Tanja Appel koordiniert in der Gemeindeverwaltung die Unterbringung von Flüchtlingen. Gemeinsam mit Gemeindevorstandsmitglied Jan Stemme – er ist auch zweiter Vorsitzender des Asylkreises – managte sie gestern die Unterbringungsmodalitäten, auf die „wir freilich in gewissem Maße vorbereitet waren“. Dass es dann für die Kommune auf einen Schlag so heftig zukommt, war freilich nicht einkalkuliert worden. Vorgestern noch mit 50 Flüchtlingen betraut, sind es heute 117. Eigentlich sollte der im Mai bereits angekündigte Bau einer Flüchtlingsunterkunft für insgesamt 120 Asylbewerber in der Goebelstraße schon stehen, doch erst gab es keine Container, dann fehlt bislang eine Baugenehmigung für das neue Projekt in Massivbauweise, wie Bürgermeister Gerald Frank erklärt.

Der Kreispressesprecher sagt, Frank habe dem Landkreis am Mittwochnachmittag die Sport- und Kulturhalle der Gemeinde im Ortsteil Altheim kurzfristig zur Unterbringung von Flüchtlingen vorgeschlagen: „Die Gemeinde Münster war an der Reihe, Flüchtlinge aufzunehmen, das Soll ist hier noch nicht erfüllt. Münster hat in diesem Jahr noch 69 Menschen aufzunehmen, zum 30. September waren 44 Flüchtlinge in Münster untergebracht.“ Die Auswahl der Standorte, so der Kreis, liege in der alleinigen Verantwortung der Gemeinde.

Die gestern und vorgestern angekommenen Menschen stammen überwiegend aus Afghanistan und Syrien, es sind zumeist Familien mit Jugendlichen. Um die sozialpädagogische Betreuung der Schutzsuchenden wird sich der Landkreis kümmern, ein Hausmeister für die gemeindeeigene Halle ist außerdem vor Ort. Die Versorgung mit einer warmen Mahlzeit täglich organisiert die Gemeinde Münster mit einem Caterer. Letzteren habe man, so Tanja Appel, zunächst für eine Woche verpflichtet, für Abendessen und Frühstück hofft man, schnell eine Selbstversorgung organisiert zu haben. „Die katholische Kirche hat uns für heute Abend zugesichert, den Ankömmlingen ein Mahl zu bereiten“, freut sich Jan Stemme.

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Er sieht die Gemeinde gut aufgestellt, wenngleich freilich die Lösung mit der Altheimer Halle nur eine Vorübergehende sein könne. Doch wurde hier erst kürzlich eine Begehung mit Experten veranlasst, Heizung und Sanitäreinrichtungen sind okay, die Sicherheit ist gewährleistet. Er hofft, dass die geplante Flüchtlingsunterkunft spätestens im Frühjahr – „Ende März“ – steht.

„Über die voraussichtliche Verweildauer der Menschen in der Altheimer Halle lässt sich derzeit verlässlich nichts sagen: Die Situation ist, wie sie ist, wöchentlich muss der Landkreis Darmstadt-Dieburg mit weiteren Zuweisungen rechnen“, heißt es aus der Kreisverwaltung.

Und: „Die Situation in Münster ist nicht vergleichbar mit den vom Kreis für das Land Hessen eingerichteten Notunterkünften in Weiterstadt (aktuell dort 251 Menschen) und Seeheim-Jugenheim (Schuldorf, aktuell dort 109 Menschen) oder der Außenstelle Erstaufnahmeeinrichtung Kaserne Babenhausen, die seit Mittwochabend belegt wird. Bei den Flüchtlingen, die in Altheim Schutz suchen, handelt es sich um die wöchentliche Regelzuweisung, die das Land Hessen dem Landkreis zuteilt – und da war Münster jetzt an der Reihe.“

Flüchtlingsunterkunft in Sport- und Kulturhalle Altheim: Bilder

Und der Kreis bestätigt Franks Aussage, dass es für die Flüchtlingsunterkunft an der Goebelstraße tatsächlich noch keine Baugenehmigung gibt: „Das liegt aber ausdrücklich nicht an der Bauaufsicht des Landkreises. Das liegt schlicht daran, dass der Bauantrag vom Investor in unserem Hause erst am 22. September eingereicht wurde.“

Schon eine erste Draufsicht durch unsere Bauaufsicht hätten Unvollständigkeiten im Antrag ergeben. Seit 15. November sei der Bauantrag komplett, am 18. November habe die Bauaufsicht die zu Beteiligenden um Stellungnahme gebeten, auch die Gemeinde Münster. „Von dort liegt uns noch keine Stellungnahme vor“, so der Kreis. Hinzu komme, dass der Investor als Bauherr derzeit die Statik nochmals überarbeite, die nach Überarbeitung zum Prüfingenieur muss: „Klar ist: Ohne Statik kein Baubeginn, denn wenn schon die Bodenplatte nicht hält, hält das Gebäude noch weniger.“

„Wir gehen derzeit davon aus, voraussichtlich Ende Januar 2016 den Bau genehmigen zu können. Wenn uns von den zu beteiligenden Fachbehörden und der Gemeinde Münster gut zugearbeitet wird, gerne auch früher“, lautete die Antwort aus der Darmstädter Kreisverwaltung auf die Nachfrage unserer Zeitung.

Flüchtlingsunterkunft in der Kaserne: Bilder

Quelle: op-online.de

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