Nach Scheitern des Sportzentrums

SV Münster verfolgt nun Plan B

Peter Samoschkoff, Vorsitzender der FSV, unterbreitet dem SV Überlegungen, in denen der Ausbau des FSV-Geländes zum Sportzentrum angeregt wird. - Foto: jd

Münster - Der Ankauf von Ackerland für den Bau eines Sportstadions käme die Gemeinde zu teuer, weswegen der Bürgermeister das groß durchgeplante und vieldiskutierte Projekt nun abbläst. Die betroffenen Sportvereine entwickeln Alternativ-Ideen. Von Jens Dörr 

Das geplante, aber nicht unumstrittene Sportzentrum, das die Gemeinde Münster an das Gersprenzstadion anbauen wollte, ist – wie am Dienstag berichtet – noch vor dem ersten Spatenstich gescheitert. Aufgrund überzogener Vorstellungen einiger Grundbesitzer in Sachen Quadratmeter-Preis hat das Rathaus die Verhandlungen über den Ankauf der Flächen eingestellt. Damit scheint ein Umzug des SV Münster und die Umwandlung des bisherigen Sportgeländes am Mäusberg in ein Wohngebiet vorerst vom Tisch.

Im SV Münster sowie in der FSV Münster äußerten sich gegenüber unserer Zeitung nun auch beide Fußball spielenden Vereine der Gemeinde zu den Folgen des Aus’. Zudem dürfte das von Anwohnern des Gebiets nahe des Gersprenzstadions angestrebte Bürgerbegehren zumindest fürs Erste kein Thema mehr sein.

Mit den aufgerufenen höheren Preise einiger Grundstückseigentümer – sie lagen teils weit über dem im Rathaus geplanten Höchstbetrag von 7,50 Euro pro Quadratmeter – hätte die Gemeinde nicht nur unterschiedlich hohe Beträge zahlen müssen. Überdies wären bei höheren Preisen wohl die Finanzierungspläne nicht aufgegangen. Sie sahen vor, dass Münster ein neues Sportzentrum praktisch zum Nulltarif bekommen hätte, weil die Ausgaben durch die Vermarktung des dann wegfallenden Sportgeländes am Mäusberg, sportliche Heimat des mehr als 700 Mitglieder und 18 Fußball-Teams starken SV Münster, gedeckt werden sollten.

Während Gemeindevorstandsmitglied Jan Stemme in der Erklärung des Rathauses moniert, das „Gerede über hohe Grundstückspreise von Gegnern des Projekts im Vorfeld der politischen Diskussionen“ habe die Vorstellungen „in unrealistische Dimensionen geschraubt“, muss sich der SV Münster nun mit der neuen Situation arrangieren. „Wenn das jetzt so ist, gehen wir weiter mit Plan B“, sagte zu Wochenbeginn Vorstandsmitglied Peter Roßkopf. Soll konkret heißen: Der SVM rechnet nun mit einem langfristigen Verbleib am jetzigen Standort und will dort sein zunächst hinten angestelltes Großprojekt – die Umwandlung des Tennenplatzes in ein Kunstrasen-Großfeld – weiter verfolgen. Schon am morgigen Freitag habe der Verein einen Termin im Landratsamt. Wichtige Vorarbeiten mit Blick auf Zuschüsse, Finanzierung und Umsetzung hatte der SVM bereits vorgenommen, dann aber ruhen lassen, weil der Umzug in das angedachte neue Sportzentrum Thema wurde. Noch länger rasten könne man mit dem Kunstrasen-Projekt nicht, so Roßkopf: „Für uns ist die zeitliche Komponente wichtig.“

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Die FSV Münster, bei der es seit wenigen Monaten keinen Männer-Fußball mehr gibt und die Jugend in Altheim beim TSV mittrainiert, es allerdings prosperierenden Frauen- und Mädchen-Fußball gibt, traf sich am Dienstagabend mit Bürgermeister Gerald Frank. Der Vorstand um Vorsitzenden Peter Samoschkoff zeigte sich offen für die Idee, das Sportzentrum auf dem FSV-Gelände, wo es bereits zwei Naturrasen-Großfelder, eine Sporthalle, viele Parkplätze und gen Westen Erweiterungsmöglichkeiten gibt, zu realisieren. Eine eventuelle Fusion beider Vereine sei zwar „noch Zukunftsmusik“, so Samoschkoff. Er kündigte für den Donnerstag aber ein Schreiben an den SV Münster an, in dem man signalisiere, über eine gemeinsame Sache beider Vereine auf dem FSV-Gelände nachzudenken. In einem weiteren Schritt müssten das allerdings auch die FSV-Mitglieder mittragen. Die Realisierung eines Sportzentrums bei der FSV würde in Samoschkoffs Augen nicht nur das erweiterte Wohngebiet am Mäsuberg ermöglichen, sondern auch Investitionsdruck von beiden Vereinen nehmen.

Auf Eis gelegt ist mit dem Aus für das Sportzentrum am Stadion auch eine Unterschriftensammlung, die Anwohner des nahen Gebiets am Stadion initiieren wollten. Sie sollte jetzt beginnen und in ein Bürgerbegehren und einen Bürgerentscheid münden. Mit dem sollte der Standpunkt der Wahlberechtigten geklärt werden, „wie jeder Einzelne zu diesem Thema steht“, so die Initiatoren. Und weiter: „Wir möchten erfahren, ob wirklich die Mehrheit der Einwohner dieses Bauvorhaben befürwortet oder letztendlich doch keine Notwendigkeit für den Neubau sehen. Die Bürger von Münster sollen mitentscheiden dürfen, ob es wirklich notwendig ist, den letzten grünen Fleck in der Ortsmitte zu verbauen und dass dafür ein neuer Sportpark entstehen soll, deren Kosten noch nicht überschaubar sind.“ Das Vorhaben dürfte nun aber zu den Akten gelegt werden und könnte höchstens noch einmal Aktualität bekommen, wenn sich der SV gegenüber dem Vorschlag der FSV offen zeigt. In diesem Fall würde im Ortskern noch immer „der letzte grüne Fleck verbaut“, die Ausgangslage bei der Finanzierung wäre aufgrund des schon erschlossenen FSV-Sportgeländes allerdings eine wesentlich komfortablere.

Quelle: op-online.de

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