Theater „Spectaculum“

Gerade nochmal Schwein gehabt...

+
Auf den Sieg der Tradition über schnöden Mammon stoßen die Gewinner an. Von links: Anneliese Kreher, Dorle Schreiber, Brigitte Wagner und Maria Osinski.

Münster - Das Ensemble der Theatergruppe Spectaculum, das bekanntlich nur aus Frauen besteht, überzeugte in den gut besuchten Vorstellungen des Schwanks „Kunigunde darf nicht sterben“ voll und ganz. Lebhafter, anhaltender Beifall war Lohn für das Ensemble. Von Peter Panknin 

Im Dreiakter gibt es zwar drei männliche Akteure, doch meisterten die Damen auch ihre maskulinen Rollen wieder einmal „spektakulär“. Das Stück war wohl gewählt, das Publikum bestens unterhalten. Sie träumten von einem ruhigen Leben auf dem Lande, als das Ehepaar Eleonore-Marie und Hans-Dietrich Kellermann einen Bauernhof äußerst günstig erwarben. Alter Obstbaumbestand sollte einem Tennisplatz weichen, das Haus komplett umgebaut und mit Wellnessbereich ausgestattet werden. Leider haben sie beim Kauf übersehen, dass der Hof nicht ganz leer war. Die Magd Kathi Reißzahn hatte vom verstorbenen Besitzer ein lebenslanges Wohnrecht auf dem Hof geerbt, die Sau im Stall mit Namen Kunigunde ein Gnadenbrot. Nun galt es für die Kellermanns, Kathi und Kunigunde los zu werden.

Der um Rat gebetene Rechtsanwalt Alex von Stetten tat sein Möglichstes – natürlich gegen entsprechendes Honorar – um das Ehepaar zu unterstützen. Als Kathi sich als nicht käuflich erwies, sollte Kunigunde an einen Metzger verkauft werden in der Hoffnung, dass mit Kunigunde auch Kathi verschwinden würde.

Die Magd Kathi hat einen guten Ruf als erfolgreiche Warzenbesprecherin. Deshalb versuchte der clevere Anwalt, sie in eine Falle wegen „unerlaubter Ausführung eines Heilberufes“ zu locken und erbat ihre Dienste, um ein eigenes „Warzenproblem“ zu lösen. Gutmütig willigte sie ein, traute dem Anwalt aber nicht und verzichtete auf eine Entlohnung. Da Kathis Bemühungen erfolgreich waren, schwenkte Alex von Stetten auf die Seite der Erben und sorgte dafür, dass das Anwesen unter Denkmalschutz gestellt wurde. Damit waren alle Umbaupläne hinfällig geworden und Familie Kellermann machte den Kauf rückgängig. Kunigunde kam nicht zum Metzger, Kathi konnte auf dem Hof bleiben – Ende gut, alles gut.

In dem Dreiakter „Kunigunde darf nicht sterben“, geschrieben von Herbert Hollitzer und mit einigem Münsterer Lokalkolorit versehen, gibt es drei männliche Figuren. Kein Problem für die Damenriege, denn Maskierung und Schminke verwandelten die Frauen vorrübergehend in überzeugende Herren. Der wohlhabende und wohlbeleibte glatzköpfige Hans-Dietrich Kellermann wurde glaubwürdig dargestellt von Inge Fiedler, den glatten Rechtsanwalt Alex von Stetten, dessen leicht pomadiges Haar modisch gewellt glänzte, verkörperte Dorle Schreiber. Brigitte Wagner verlieh dem dritten Mann in der Runde, Kathis Freund und Ratgeber Hubert Merk, bäuerliche Schläue und zur Erheiterung des Publikums ein gewisses Maß an Derbheit.

So glänzend die Darstellungen der „Herrlichkeiten“ auch waren, sie schafften es nicht, die weiblichen Figuren in den Schatten zu stellen. Eleonore-Marie Kellermann (gespielt von Ulrike Korb) rümpfte glaubwürdig ihre Nase ob der verschiedenen „Düfte“ und des „erbarmungswürdigen Zustands“ des Hofes, während Kathis Nichte, Steffi Reißzahn (gespielt von Maria Osinski) eher das „ausgleichende Element“ in dieser Runde darstellte. Ja und die Kathi, die ihr lebenslanges Wohnrecht auf dem Hof gegen alle Versuche, sie zu vertreiben, in bester heimischer Mundart und selbstbewusstem Auftreten erfolgreich verteidigte, wurde dargestellt von Anneliese Kreher.

Wie werde ich...? Schauspielerin/Schauspieler

Lebhafter Beifall des Publikums war Lohn der herrlichen Darbietung durch sechs Damen. Brigitte Wagner stellte abschließend ihre Mitspielerinnen vor und würdigte deren darstellerischen Leistungen. Lob zollte sie auch allen, die vor und hinter der Bühne dazu beigetragen haben, dass die Aufführungen gelingen konnten. Ihre lobenden Worte an die Damen, die „dafür gesorgt haben, dass wir alle so schön aussehen“ wurde durch anhaltendem Beifall des Publikums bestätigt.

Als der Zuschauerraum fast leer war, beantwortete Brigitte Wagner, immer noch im Kostüm und in der Maske des Hubert Merk, die Frage nach dem Befinden mit den Worten „einerseits erleichtert, weil der Stress jetzt vorbei ist und die Stimme durchgehalten hat, anderseits – nach zwei gut besuchten Vorstellungen könnten wir gerade weitermachen.“ Es wird weitergehen, aber welches Stück 2017 zu sehen sein wird, hat „Spectaculum“ noch nicht verraten.

Quelle: op-online.de

Kommentare