Neue Leitung hat viel vor: Unterbringung, Pension, Arztpraxis, Physiotherapie

Tierheim plant Umzug nach Dieburg

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Sie betreiben nun das Kreistierheim Münster und haben Pläne für einen Neubau an anderer Stelle geschmiedet (von links): Anna Boy, Frank Schlösser, Dr. Juliane Ott, Barbara Mosch-Schlösser und Jacqueline Lehmann. Die beiden Hunde auf dem Foto sind Privattiere - nach den Vermittlungserfolgen sind in der Herberge in Breitefeld derzeit nur zwei Katzen und sechs Kaninchen untergebracht.

Münster - Offiziell seit 1. Januar, faktisch bereits seit Dezember, steht das Kreistierheim unter neuer Leitung: Der Trägerverein hat das Tierhotel Rhein-Main aus Langen mit dem Management und Betrieb der für Fund- und beschlagnahmte Tiere zuständigen Herberge im Ortsteil Breitefeld beauftragt. Von Jens Dörr 

Und der neue Betreiber plant einen Umzug nach Dieburg. Die bisher in Eigenverantwortung durchgeführte Aufgabe haben die derzeit noch zehn Mitgliedskommunen, die das Tierheim maßgeblich mit einem Pauschalbetrag pro Einwohner und Jahr finanzieren, damit in externe Hände gegeben. Federführend in Breitefeld ist nun Betreiberin und Leiterin Barbara Mosch-Schlösser. Ihr Team und sie haben im Gespräch mit unserer Zeitung nun große Pläne präsentiert. Zu ihnen zählt auch der Neubau des Kreistierheims an anderer Stelle. Noch in diesem Jahr könnte der Umzug nach Dieburg vollzogen werden. Mosch-Schlösser ist auch Inhaberin des Tierhotels, züchtet überdies Doggen. „Diese Zucht bleibt auch weiterhin in Langen“, betont sie sogleich, dass es nicht dazu kommen werde, dass ihre Hunde auf dem Tierheim-Gelände untergebracht und angeboten würden. Unter anderem dies machten viele Tierfreunde aus der Region der vorherigen Leiterin, von der sich der Trägerverein 2015 getrennt hatte, zum Vorwurf. Schnee von gestern indes, schlägt Mosch-Schlösser doch ein neues Kapitel auf.

Einerseits ist der Betrieb des Kreistierheims nun ganz anders organisiert als bisher: Waren die hauptamtlichen Mitarbeiter zuletzt noch direkt beim Trägerverein angestellt, so ist das künftig nicht mehr der Fall. Der Verein bezahlt dem Tierhotel stattdessen eine fixen und für die Mitgliedskommunen damit kalkulierbaren Betrag, aus dem Mosch-Schlössers Unternehmen die nun bei ihr angestellten Mitarbeiter bezahlt, den Betrieb aufrecht erhält und auch die Instandhaltung finanziert. „Von unserer Arbeit berichten wir dem Verein monatlich, überhaupt ist alles transparent bei uns“, sagt Mosch-Schlösser.

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So machen auch weder sie noch ihr Mann Frank Schlösser, der das Tierhotel Rhein-Main und damit nun auch das Kreistierheim von der betriebswirtschaftlichen Warte aus berät, ein Geheimnis daraus, dass die Tage der Unterkunft am Rande Münsters gezählt sind. „Wir planen einen Neubau“, kündigt Frank Schlösser an. Die Räumlichkeiten am jetzigen Standort sind auch nach den Auskünften von Münsters Bürgermeister Gerald Frank, der zugleich ehrenamtlich Vorsitzender des Trägervereins ist, nicht mehr auf der Höhe der Zeit. In den nächsten Jahren wären massive Investitionen fällig, die der Verein selbst aber nicht leisten könnte. In der Vergangenheit stieß etwa der Wunsch, den Beitrag der Kommunen auf 80 Cent pro Einwohner und Jahr zu erhöhen und damit mehr finanziellen Spielraum zu erlangen, in Reinheim und Fischbachtal auf Widerstand. Beide Orte sind inzwischen nicht mehr mit von der Partie, obgleich sich Schlösser derzeit um ihre Rückkehr in die Kreistierheim-Gemeinschaft bemüht. Die Zehnergruppe besteht derzeit aus Münster, Eppertshausen, Dieburg, Rödermark, Groß-Umstadt, Roßdorf, Groß-Bieberau, Groß-Zimmern, Otzberg und Schaafheim.

Beim nun ausgesprochenen Vorhaben würde Mosch-Schlössers Unternehmen den Neubau vollständig aus eigener Tasche finanzieren. Im Visier sind aktuell zwei Objekte: Klar favorisiert wird eines in Dieburg, für das noch die Bauvoranfrage läuft. Der Rückmeldung sehen die Schlössers aber sehr optimistisch entgegen. Die Alternative wäre ein Gelände in Darmstadt-Eberstadt, zu dem eine Bauvoranfrage bereits positiv beantwortet wurde. Beginn der Bauphase solle noch in diesem Jahr sein, so derweil Frank Schlösser. Möglich sei sogar die Inbetriebnahme noch in 2016. Neben dem Kreistierheim solle am neuen Standort auch das aktuell noch in Langen ansässige Tierhotel untergebracht werden, ergänzt um eine Tierarzt-Praxis und eine Tierphysiotherapie. „Mit dem Neubau gewährleisten wir die neuesten Standards“, blickt Schlösser voraus.

Die Arbeit seiner Frau, die von Dr. Juliane Ott (Betriebsmitverantwortliche, Schwerpunkte Tiergesundheit und Hygiene), Azubi Anna Boy sowie der von Mosch-Schlösser übernommenen Tierpflegerin Jacqueline Lehmann unterstützt wird, hat schon in den ersten Wochen vielversprechende Ergebnisse erzielt: Seit Dezember hat das Kreistierheim Münster dank seiner guten Vernetzung und einer gesteigerten Öffentlichkeitsarbeit via Facebook bereits acht Hunde und 15 Katzen an neue tierliebe Frauchen und Herrchen vermittelt. Derzeit sind in Breitefeld nur zwei Katzen und sechs Kaninchen untergebracht.

Neben der Vermittlung von Fund- und beschlagnahmten Tieren messen die Schlössers auch der medizinischen Versorgung der Tiere nach deren Umzug zu ihren neuen Besitzern eine hohe Priorität zu. Um diese kümmert sich – wenn gewünscht und dann vom Tierheim auch finanziell unterstützt – insbesondere Juliane Ott. Zudem zeichnet sich der neue Betreiber durch eine 24-stündige Erreichbarkeit und eine ebenfalls rund um die Uhr mögliche Notaufnahme aufgefundener oder beschlagnahmter Tiere aus. Über seine Arbeit, Fundtiere, Vermittlungen und die allgemeinen Öffnungszeiten sowie Kontaktdaten informiert das Kreistierheim Münster online unter www.kreistierheim-muenster-hessen.net.

Quelle: op-online.de

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