Rigorth-Skulptur temporäre Leihgabe

„Über-See“ ankert vor Kulturhalle

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Roger Rigorths Skulptur entstand in Hamburg, war in Ahrensburg und auf der Schweizer Skulpturen-Triennale „Bad RagARTz“ zu sehen.

Münster - Rundes kommt vors Eckige: Eine große Holz-Eisen-Kokosfaser-Skulptur steht seit wenigen Tagen vor Münsters architektonisch eher strenger Kulturhalle. Von Thomas Meier 

Um eine fünf Meter hohe Mittelsäule gruppieren sich sternförmig drei riesige Kokons, deren Spitzen wie die obeliskenartige Mittelstele aus Douglasienholz gefertigt sind. Das im Durchmesser rund sieben Meter große Gebilde, das an Fischreusen erinnert, ist klar von der Kraft des Altheimer Künstlers Roger Rigorth inspiriert, und er schuf das Werk mit dem Namen „Über-See“ auch, das jetzt in einer Leihgabe seinen vorläufigen Ankerplatz gegenüber der Feuerwehr am Abtenauer Platz fand. Erbaut wurde es 2013 auf einem internationalen dreiwöchigen Symposium „NetzWerk Sehnsucht“ in der Hansestadt Hamburg, was einen Teil der Namensgebung erklärt. Nach Fertigstellung glänzte das Objekt ein Jahr lang auf der Ericusspitze in Hamburgs neuer Hafencity direkt vor dem Axel-Springer-Verlagshaus.

„Über-See“ hat laut Rigorth einen direkten Bezug zur Handelsmetropole und seinem bedeutsamen Hafen, über den Waren aus der ganzen Welt ins Land gelangen und Wirtschaftsgüter in alle Welt verschifft werden. Die Kokons, ein klares Erkennungszeichen an Rigorths Kunst, erinnern an den alten Kolonialhafen, die zu Tauen geflochtenen Kokosfasern der Ummantelung aber auch an die Sklaverei, mit der so mancher Händler einst seinen Reichtum (und den der Stadt) scheffelte.

Dann kam die Skulptur, geschaffen aus dem Holz alter Douglasien, die in Hamburg gefällt werden mussten und nach dem Willen ihres ehemaligen Besitzers in Kunstwerken weiterexistieren sollten, auf den Alten Markt nach Ahrensburg. Rigorths Werk war gut eineinhalb Jahre in der Schlossstadt zu Hause, viel länger als ursprünglich geplant. „Das war ein guter, respektierter schöner Standort für die Skulptur“, sagt der Wahl-Altheimer rückblickend.

Von Ahrensburg aus reiste „Über-See“ Anfang des Jahres rund 1000 Kilometer über Land in die echte Heimat des 49-jährigen Künstlers, die Schweiz. Das Ziel war Bad Ragaz im Kanton St. Gallen. Dort begann am 9. Mai die sechste Schweizerische Triennale der Skulptur („Bad RagARTz“), Europas größte Skulpturenausstellung unter freiem Himmel, die ein halbes Jahr lief und über eine halbe Million Besucher anzog. 400 Werke von 90 Künstler aus 13 Länder waren dort auf einem Rundgang von zehn Kilometern Länge bis zum 1. November zu sehen.

„Nun habe ich das Werk also in meiner Wahlheimat“, freut sich Rigorth, der es freilich auch gern im öffentlichen Raum zeigen will. Altheim bietet aber nicht den Raum für die Präsentation solchen Ausmaßes. Er begrüßt, dass Bürgermeister Gerald Frank den Platz vor der Kulturhalle vorschlug. Dort steht nun die „temporäre Leihgabe“ auf ihren Punktelementen aus Beton, die in den Boden eingelassen wurden.

Angst vor Sturm braucht man bei „Über-See“ nicht zu haben, war doch schon ihr Entstehungsort umtoster Platz am Hafen. „Für die Skulptur wurde freilich eine eigene Statik angefertigt. Das Ding ist wasserdicht“, lacht der Künstler.

Kunst- und Kulturtage 2014 

Quelle: op-online.de

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