Unterbringung von Asylbewerbern

Flüchtlingshilfe kommt ins Rollen

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Sechs Flüchtlinge siedeln vom Juz in Gemeindewohnungum und die Wanderer stellen ihr Vereinsheim zur Verfügung. Unterkünfte in Containern werden zudem geplant. Keinen leichten Stand hatte Bürgermeister Gerald Frank (rechts) auf der eilends einberufenen Sondersitzung des Ausländerbeirates. Der erfuhr aus unserer Zeitung über die laut Bürgermeister „inakzeptable“ Unterbringung der sechs Flüchtlinge im Jugendzentrum.

Münster - „Schockiert“ ist der Ausländerbeirat über die Art der Unterbringung von Asylbewerbern. Sowohl die Einquartierung der sechs Neulinge im Jugendzentrum vergangene Woche, als auch ältere Wohnsituationen wurden von dem Gremium scharf kritisiert. Von Ursula Friedrich 

„Wir haben einige Wohnungen besucht“, so die Ausländerbeiratsvorsitzende Hülya Lehr betroffen, „in der Frankfurter Straße sind auf 70 Quadratmetern drei Familien, sieben Kinder und fünf Erwachsene, untergebracht.“

Bei der eilig einberufenen Sondersitzung des Ausländerbeirats am Montagabend waren sich die weiteren Anwesenden aus Kommunalpolitik, Vereinen, Glaubensgemeinschaften, dem Helferkreis „Runder Tisch Asyl“ sowie der Gemeindeverwaltung einig: Die Unterbringung im Jugendzentrum sei „inakzeptabel“, so Bürgermeister Gerald Frank – wenngleich nur eine Übergangslösung.

Nun wurde der Gemeindevorstand tätig, unverzüglich sollen die sechs Neuankömmlinge aus Eritrea, Afghanistan und Albanien in eine Gemeindewohnung in der Mozartstraße umziehen. „Gerald Frank läuft einer Situation hinterher, die er nicht zu verantworten hat“, nahm Gemeinderat Jan Stemme (ALMA) den neuen Verwaltungschef Münsters in Schutz. Denn die Flüchtlingsnot sei groß und trotz dieser dramatischen Signale sei bislang viel zu wenig Raum geschaffen worden. Münster habe sich in den vergangenen Jahren von der Zuwanderung asylsuchender Menschen aus dem Ausland abgegrenzt, kritisierte auch Hülya Lehr, „und das überparteilich.“

Bewegung bei Zuwanderungspolitik

Nun ist, wenngleich spät, Bewegung in die Zuwanderungspolitik der Gemeinde gekommen. Am Montag tagte der Gemeindevorstand und gab grünes Licht für den Bau einer Containerunterkunft auf einem gemeindeeigenen Grundstück. Hier soll Wohnraum in Modulbauweise entstehen, um notfalls bis zu 120 asylsuchende Menschen unterzubringen. Mit der Ersten Kreisbeigeordneten Rosemarie Lück seien die Pläne bereits abgestimmt worden. Auch dies sei jedoch keine rasche Lösung, denn gemäß Verfahren müsste zunächst ein Bauantrag gestellt werden, „das kann 14 bis 18 Wochen dauern“, so der Verwaltungschef.

Ein schnelles Signal gibt es von der Wandergesellschaft „Frisch-Auf“. In einer Mitgliederversammlung votierten die Wanderer dafür, das vereinseigene Wanderheim bis Ende April als Flüchtlingsunterkunft zur Verfügung zu stellen – das Haus hat 26 Betten in Gruppenzimmern, Sanitäranlagen, Küche und Gemeinschaftsräume zu bieten. Auch die Evangelische Kirche in Altheim will Räume für zwei Personen umbauen, sagte Gerald Frank weiter. Er wird sich außerdem mit Immobilienmaklern an einen Tisch setzen, um privaten Wohnraum zu akquirieren. Und er hofft weiterhin auf positive Resonanz aus der Bevölkerung, leeren Wohnraum für die Unterbringung von Flüchtlingen zu vermieten.

Menschenwürdige Unterkünfte finden

Der Ausländerbeirat, Raja Ahmad, Mubashar Sraa und Hülya Lehr, drängt in einem Positionspapier darauf, menschenwürdige Unterkünfte zu finden und langfristig zu planen. Auch sei es seitens des Landes Hessen angezeigt, verbindliche Standards für Flüchtlingsunterkünfte zu erlassen. Die Containerlösung sei nicht ideal, so Lehr, „in Altheim gab es schon eine Containersiedlung für Asylsuchende - eine fragwürdige Sache.“

„Die Planung ist alternativlos“, konterte der Bürgermeister, der sich nach Verhandlungen mit dem Eigentümer einer Gewerbeimmobilie auf der Darmstädter Straße (Elima) „veräppelt“ fühlt und endlich sicheren Wohnraum schaffen möchte. Für Flüchtlinge, deren Asylantrag positiv beschieden wurden, solle privater Wohnraum gefunden werden. Peter Panknin, Sprecher des Helferkreises, brachte es auf den Punkt: „Wir haben nicht die Wahl, sondern müssen parallel fahren.“ Mindestens 30 weitere Asylsuchende werden in diesem Jahr für Münster erwartet.

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Quelle: op-online.de

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