Unterkunft für Flüchtlinge

Bessere Notlösung: Hotel statt Gersprenzhalle

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Dieses Anwesen in der Darmstädter Straße sollte bereits in Teilen Flüchtlingen als Unterkunft dienen, doch zerschlugen sich erste Pläne. In drei Monaten, hoffen die Verantwortlichen, werde hier aber Wohnraum für etliche Flüchtlinge entstanden sein.

Münster - „Wir haben eine für alle Beteiligten bessere Lösung gefunden.“ Bürgermeister Gerald Frank verkündet die gute Nachricht erleichtert. Sechs der gestern aufzunehmenden zehn Flüchtlinge müssen nicht übergangsweise in eine eilends in einem Raum in der Gersprenzhalle zusammengezimmerte Notunterkunft, sie werden zunächst im Hotel am Rathausplatz untergebracht. Von Thomas Meier

Anfang, Mitte nächster Woche soll dann eine andere Lösung für die Asyl suchende Familie und sechs Einzelpersonen gefunden sein, die der Kreis vom Land zugewiesen bekam und der Kommune Münster in deren Obhut weiterreichte. Es hätte eigentlich anders kommen sollen, berichtet Frank, der seit Oktober der Verwaltung als Chef vorsteht. Denn freilich wisse man um die Pflicht, Flüchtlinge aufzunehmen. Und schon lange sei man auch bemüht, passenden Wohnraum für die zu erwartenden Asylbewerber zu finden. Doch sei in jüngster Zeit einiges nicht wie zunächst geplant gelaufen.

„Wir hatten schon fast einen Vertrag mit einem Investor, der in einer zum Verkauf stehenden Immobilie in der Darmstädter Straße plante, Flüchtlingsunterkünfte zu schaffen“, sagt Frank. Der Investor habe einen guten Leumund und Erfahrungen in solchem Beherbergungsgewerbe im Kreis vorweisen können. Doch habe er wohl mit dem Besitzer der Immobilie zu hoch gepokert, so dass dieser schließlich anderweitig verkaufte.

Es muss improvisiert werden

Schlecht für die Gemeinde, denn die hatte bereits die Pläne für die nötigen Umbauten im anvisierten Objekt gesehen, befürwortet und an deren schnellen Umsetzung geglaubt. Nun hatte sich das Projekt zerschlagen. Glück im Unglück: Auch die neuen Besitzer der Immobilie, die überwiegend als Gewerbelokalität genutzt wird, wollen dort Wohnraum für Flüchtlinge schaffen. Doch weil sie zunächst Umbaupläne erstellen müssen – es fehlt im Gewerbehallen-Objekt an sanitärer Infrastruktur – und die anstehende Baumaßnahme umfangreich ist, steht der von der Gemeinde schon fest eingeplante Wohnraum für Flüchtlinge erst in drei bis vier Monaten voll umfänglich zur Verfügung.

Bis dahin muss improvisiert werden, was nicht leicht ist. Allein die kurzfristige Hotelzimmersucher war schwierig. Auch für viel Geld ist derzeit im Rhein-Main-Gebiet kaum ein freies Zimmer zu bekommen, weil in Frankfurt eine Sanitärmesse ist.

Illegale Flüchtlinge am Hauptbahnhof Frankfurt

Illegale Flüchtlinge am Hauptbahnhof Frankfurt

Selbst kommunale Wohnungen, die in Münster leer stehen, können den Flüchtlingen nicht als Unterkunft angedient werden. Im Altheimer Schoeltzke-Haus oder in Münsters Storchenschulhaus etwa wären gemeindliche Wohnungen, doch sie stehen wegen noch nicht erfüllter Brandschutzauflagen leer. Gleiches gilt für das dem Kreis gehörende Max-Bock-Heim in der Straße Auf der Hamm.

Bürgermeister Franks dringender Appell richtet sich deshalb weiterhin an Münsters Bevölkerung: Wer leer stehenden Wohnraum habe, möge ihn bitte an die Gemeinde vermieten. Die Flüchtlinge, einmal nach Verfolgung, Folter, Mord und Krieg entronnen, benötigten fern der Heimat endlich eine menschenwürdige Unterkunft.

Quelle: op-online.de

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