Vandalismus an der Kulturhalle

Mut und verletzliche Kunst

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Bürgermeister Gerald Frank, Roger Rigorth und ein Modell des zerstörten Kunstwerkes.

Münster - Der Vandalismus am renommierten Kunstwerk „Über-See“ beschäftigt die Gemüter. Bürgermeister Gerald Frank und Künstler Roger Rigorth sprechen jetzt über Hintergründe und Folgen.

Über die Geschichte des in Hamburg entstandenen, dort vor dem neuen Springer-Verlagshaus an prominenter Stelle präsentierten und kurze Zeit vor Münsters Kulturhalle aufgestellten, aber schnell ramponierten Kunstwerks „Über-See“ des in Altheim lebenden Künstler Roger Rigorth wurde bereits mehrfach berichtet. Die Auswirkungen der Tat und ihre Bedeutung für den Künstler sowie für Kunst im öffentlichen Raum Münsters überhaupt waren nun Inhalt eines Gesprächs zwischen Rigorth und Bürgermeister Gerald Frank. Sie tauschten sich über verschiedene Themen aus.

Für den Verwaltungschef Frank soll Kunst zum Nachdenken und Diskutieren anregen und mehr sein, als bloße Dekoration: „Sie sollte die Fantasie anregen und offen sein für Interpretationen.“

Roger Rigorth sagt: „Über die Kunst können Menschen zur Essenz des Lebens kommen. Gute Kunst berührt, der Betrachter wird aus der Realität gerissen und erlebt einen seltenen Augenblick. Für mich als Künstler ist Kunst ein Lebensgefühl, in ihr entfaltet sich meine ganze Kraft.“

Zu seiner Raumskulptur „Über-See“ hatte der Altheimer Kreative zunächst die Vorstellung darzustellen, wie es ist, einen Wal zu umarmen, also eine Kreatur, die viel größer ist als man selbst: „Dabei ging es um ein ursprüngliches, ozeanisches Gefühl. Gleichzeitig stellt das Kunstwerk etwas Hüllenbildendes dar, wie ein Kokon.“

Roger Rigorths „Über-See“ musste dem Strum eines Vandalen trotzen. Jetzt kommt die Skulptur zurück ins Atelier.

Zu Kunstwerken auf Münsters Plätzen befindet Rigorth: „In Bad Ragatz, einem kleinen Dorf im ländlichen Raum, wird viel Kunst ausgestellt. Dadurch entsteht dort eine besondere Energie. Durch die Kunst tritt das Dorf vom ländlichen Duktus in die Welt hinein. Das wünsche ich mir auch für Münster und habe deshalb mein Werk zur Verfügung gestellt.“ Das ist natürlich Wasser auf die Künstlermühlen des Bürgermeisters: „Das tut Münster gut, gerade der Platz neben der Kulturhalle eignet sich besonders zum Ausstellen von Kunstwerken.“

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Zur ausgelebten Zerstörungswut an Rigorths Werk befindet Frank, die Barbarei hätten ihn und viele andere Bürger entsetzt und fassungslos gemacht. Dahinter steckten Vandalismus und Intoleranz: „Es fehlt solchen Menschen vermutlich an Respekt vor der schöpferischen Kraft. Im weitesten Sinne betrifft das auch Themen wie Meinungsfreiheit und Freiheit der künstlerischen Darstellung. Dieser Vandalismus ist kriminell. Zudem schadet er dem Ansehen unserer Gemeinde.“

Roger Rigorth ergänzt: „Ich frage mich, wie wir Respekt vor der Kunst schaffen können oder noch besser: Stolz auf die Kunst entwickeln können. Meine Werke sind verletzlich und es braucht Mut, diese nun wieder im öffentlichen Raum Münsters zu präsentieren. Dazu braucht es für mich ein Klima, das mir diesen Mut gibt. Ich bin erschüttert, dass diese Form der Zerstörung gerade vor meiner eigenen Haustür geschieht. Gleichzeitig ist es mir wichtig, Münster mit Kunst zu bereichern und Akzente in meinem Heimatort zu setzen.“  (tm)

Quelle: op-online.de

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