Neue Helfer rekrutiert

Altheimer wollen Flüchtlinge in der Sport- und Kulturhalle unterstützen

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Jan Stemme (rechts) erklärte neuen Helfern speziell Altheims Flüchtlings-Situation.

Altheim - Ein gutes Dutzend Altheimer Bürger fand sich Donnerstagabend im ARThaus ein, um sich von Jan Stemme vom Verein Arbeitskreis Asyl als neue Flüchtlings-Helfer rekrutieren zu lassen. Von Thomas Meier

Sie waren auch am Dienstagabend beim Informationsabend im Schoelzke-Haus und hatten dort beschlossen, tatkräftig mit anzupacken. Jan Stemme ist Überzeugungstäter, doch rannte er wohl offene Türen bei den Erschienenen ein. Er brauchte nicht lange von den Sorgen und Nöten der in Altheims Sport- und Kulturhalle Untergebrachten zu berichten, um die überwiegend weibliche Helferschaft zur Mitarbeit zu überzeugen. So ging es rasch auch ums Gruppieren, um die Fragen, wer hilft mit wem wobei und wo und wann. Dennoch: Zunächst ging es um Ängste. Auch um jene diffusen, die am Dienstag aus der Bürgerschaft kamen. Jan Stemme, er ist im Gemeindevorstand und zweiter Vorsitzender im Verein Asyl, nahm genau sie in seiner Begrüßung auf. Jeder kennt und hat Ängste, Urängste gar, und gerade und natürlich auch vor Fremdem. Und der Redner servierte auch gleich die Antwort darauf, wie man solchen Ureigenschaften begegnen sollte: „Mit Kontakt.“

Indem er kurz seine Arbeit mit den Flüchtlingen beleuchtete, bereitete er seine Herlferwilligen auch schon auf zu Erwartendes vor. Englischkenntnisse wären prima, sagte der gestandene Mann, gleich auch mit den positiven Erfahrungen aufwartend. Er habe eine 14-jährige Afghanin kennengelernt, die viel älter wirke, auch weil sie fließend Englisch spreche und keinem Problem aus dem Weg gehe, sondern sie mit den Helfern anpacke. Und solcher Menschen aus Flüchtlingsreihen, die sehr bemüht seien, sich neu zu orientieren, mitzuarbeiten bei der Bewältigung ihrer Situation, gebe es sehr viele, sagte der Experte. Gemeinsam mit Peter Panknin, Vorsitzender im AK Asyl, habe er zahlreiche Dolmetscher gewinnen können. Leute, die fließend Englisch oder Fransösich sprechen, welche, die radebrechend bemüht seien, und viele stumme Helfer.

Gefragt, wieviele Flüchtlinge denn gerade in der Halle campierten, sagte Stemme ehrlich, das könne man nie so genau wissen. Zunächst waren 50 angekündigt worden, doch nur 39 angekommen, gleichzeitig habe man an anderer Ecke weitere sieben unterbringen können. „Für heute wurden uns gestern 20 weitere Flüchtlinge angekündigt. Heute morgen hieß es, es kämen zehn, und am frühen Nachmittag wurde die Zahl nochmals auf sieben reduziert. Wie viele wir heute Abend haben, müssen wir sehen. So ab 23 Uhr wissen wir Bescheid.“

Was Stemme mit der Helferschar erreichen möchte, ist eine größtmögliche Selbstständigkeit für die Flüchtlinge. Alles Tun zielt darauf ab, so wenig wie möglich eingreifen zu müssen. Dies liegt in aller Interesse und fängt bei der Versorgung mit Essen an. Zwar hat man immer noch einen Caterer, Axel vom Freizeitzentrum, verpflichtet, der mittags mit seiner Gulaschklanone vorbeikommt (die allerdings viel mehr als nur Gulasch kann und alles Essen halal, also erlaubt ist). Doch sollen die Flüchtlinge sich schon bald selbst rund um die Uhr versorgen können. „Den Weg zu Aldi oder zum Bäcker kennen sie schon“, lacht Stemme.

Flüchtlingsunterkunft in Sport- und Kulturhalle Altheim: Bilder

Wichtig ist auch, dass die neuen Bewohner der Halle auf Sauberkeit und Ordnung schauen. Zwar rückte gestern nochmal ein geballter Putztrupp an, doch sind die Flüchtlinge gehalten, selbst auf Reinlichkeit zu achten. Eben hier liegt auch ein Einsatzbereich der Helfer. Denn beispielsweise ist die korrekte Benutzung unserer Sanitäranlagen für die Menschen aus fernöstlichen Ländern durchaus nicht selbstverständlich. „Sie wussten anfangs nicht, dass man hierzulande Toilettenpapier einfach mit wegspült“, erläuterte Stemme. Nun wissen sie es. Selbstständigkeit sollen auch drei Fahrräder bringen, die der Verein Asyl bislang für den Trupp der Halle organisierte. Und einem technisch Begabten habe man auch Werkzeug, Luftpumpe und Flickzeug an die Hand gegeben. „Das läuft rund“, freut sich Stemme.

Was noch organisiert wird, sind Begleitungen zu Ämtern („Alle, die in der Halle untergekommen sind, haben sich bereits bei der Gemeindeverwaltung angemeldet“, und zu Ärzten. Stemme: „Da gibt es auch Helferbedarf.“ Ganz wichtig ist freilich der Deutschunterricht, der jetzt in der Halle angeboten werden soll. Hierfür fanden sich Donnerstagabend gleich mehrere Helferinnen, darunter auch Lehrerinnen. „Aber darauf kommt es weniger an. Jeder kann den Flüchtlingen erste, wichtige Worte beibringen“, machte Stemme die Devise klar.

Quelle: op-online.de

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