2,2 Millionen Euro teuren Bau in drei Monaten erstellt

Visite an Münsters neuem Heim für 122 Flüchtlinge

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Große Besichtigungstour durchs Flüchtlingsheim: Investor Andreas Bluck und Bürgermeister Gerald Frank (von rechts) informierten Mitarbeiter des Kreises, der Asylhilfe und der Presse in einem Versammlungsraum über den 2,2 Millionen Euro teuren Bau.

Münster - Großer Bahnhof zur Vorstellung der neuen Einrichtung für Flüchtlinge an Münsters Goebelstraße: Rund zwei Dutzend Vertreter von Kreis, Gemeinde Münster, Asylkreis und Betreibern des Asylantenheimes begingen mit Investor Andreas Bluck aus Griesheim den (fast) fertiggestellten Neubau. Von Thomas Meier

Künftig bietet die dreigeschossige Unterkunft mit Gemeinschaftsküchen, und -bädern Platz für maximal 122 Menschen, die in Zweibettzimmern auf jeweils 16,5 Quadratmetern untergebracht werden. Sieben der 60 Zimmer sind mit einer Durchgangstür ausgestattet, die so von Familien genutzt werden können. Es soll möglich sein, die Zimmer des in Massivbauweise gefertigten Hauses nach der Belegung durch Flüchtlinge als Sozialwohnungen zu nutzen. Der Geschäftsführer der ESG, Immobilien- und Verwaltungsgesellschaft aus Griesheim, Andreas Bluck, bezifferte auf Nachfrage die Gesamtkosten für den Neubau auf rund 2,2 Millionen Euro. Für das Gelände, das wegen großzügigerer Außenanlagen von zunächst 1 460 auf knapp 1 900 Quadratmeter erweitert wurde, flossen laut Bürgermeister Gerald Frank etwa 100.000 Euro in die Gemeindekasse. Ursprünglich, als noch an eine Containerlösung für die Flüchtlingsunterbringung gedacht wurde, war noch kein Grundstücksverkauf durch die Gemeinde vorgesehen.

Die Einrichtung für das 42 Meter lange und zwölf Meter hohe Gebäude wurde in ganz Europa gekauft, sagt Bluck. Das Haus in der Goebelstraße ist seine vierte Einrichtung für die Unterbringung von Flüchtlingen für den Kreis, weitere entstehen derzeit in Groß-Umstadt und Weiterstadt. Er hat also schon reichlich Erfahrung in diesem Metier und wird schon bald 1 200 Flüchtlinge in seinen Behausungen wohnen haben.

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Das Systemhaus ließ der Unternehmer von einem Fuldaer Bauunternehmen errichten. Bluck machte sich bereits für dessen Modulbauweise stark, als in Kreis und Kommune Münster alle Beteiligten noch nach Containerlösungen Ausschau hielten. Bluck damals und heute: „Das, was wir heute hier anschauen, ist wesentlich wert- und nachhaltiger in seiner Substanz als Container.“

Blick unter die Matratze: Die Einrichtung nebst Bettzeug wurde in ganz Europa eingekauft.

Ein halbes Jahr habe es gedauert, bis der Bauantrag für die Goebelstraße durch gewesen sei, „und vor drei Monaten haben wir hier mit dem Bau angefangen“. Bluck konnte sich den kleinen Seitenhieb auf die Kreisverwaltung und deren Baustop nicht verkneifen, und die anwesenden Kreismitarbeiter nahmen es auch lächelnd hin, froh, dass mit der Fertigstellung endlich dringend benötigter Raum für die Flüchtlingsunterbringung fertig gestellt ist. Alles am Systemhaus ist genormt, Türen, Fenster, Flurhöhe – und es ist versehen mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach und moderner Gasheizung. Auch wichtig: Ein leistungsstarkes WLAN-Netz soll den Flüchtlingen den Kontakt in die Heimat erleichtern. Doch auch wenn dies alles bereits im Haus sitzt, so fehlen noch die Anschlüsse für Gas, Strom und Telefon. Letzteres ist auch der Grund, warum zur Besichtigung noch nicht ein Flüchtling die neue Bleibe bewohnen konnte. In spätestens zehn Tagen, so die Verantwortlichen, soll aber zumindest in den unteren Etagen der Erstbezug sein.

Monika Bösche von der Kreis-Koordination für soziale Dienste, Martina Löffler von der Projektgruppe Sozialer Wohnungsbau beim Kreis sowie Susanne Stockhardt, Fachbereichsleiterin Zuwanderung und Flüchtlinge, waren jedenfalls angetan vom Gezeigtem, inspizierten nicht nur Bäder und Küchen im Flüchtlingsheim, sondern schauten auch schon mal unter die Matratzen der bereits bezogenen Bettstätten.

Peter Panknin, Vorsitzender des Asylvereins Münster, wusste, dass „alles besser ist als die Sport- und Kulturhalle Altheim“. Doch er sagte auch, es sei einfach, lobend über solche Heime zu sprechen in der Gewissheit, nicht darin wohnen zu müssen. Doch zollte der Kenner der Flüchtlingsunterbringung von Münster dem Investor Lob. Bluck bringe sich und sein Wissen bestens in die notwendige Arbeit ein.

Quelle: op-online.de

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