Pfarrer Schüpke überträgt Schlagertitel auf Gottes Sohn

Wenn Jesus fragt: Willst Du mit mir geh’n?

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Pfarrer Bernhard Schüpke trug die Hostie in der Monstranz durch Münster, unter anderem zum Halt am „Platz des Friedens“, wo Kommunionskinder die Fürbitten lasen.

Münster - Zu Fronleichnam und seinen Festlichkeiten übertrug Pfarrer Bernhard Schüpke schon mal einen Schlagerhit auf Gottes Sohn. Nach Gottesdienst und Prozession diente der Feiertag dem Pfarrfest. Der Erlös der Tombola soll der Dachsanierungen dienen. Von Jens Dörr 

An Pfarrer Bernhard Schüpke führte zur Freude von Münsters Katholiken an Fronleichnam kaum ein Weg vorbei: Zunächst gestaltete er mit einem besonderen Einfall den Gottesdienst mit Eucharistiefeier zum christlichen Hochfest in der Kirche St. Michael; dann trug er in der Prozession mit 300 Gläubigen und unter der Begleitung des Musikvereins Münster die Hostie in der goldenen Monstranz durch die Straßen der Gemeinde. Beim anschließenden Pfarrfest an der Kirche machte es sich Schüpke weiterhin zur Aufgabe, einmal durch möglichst jede Bankreihe zu schlendern und die Besucher zu begrüßen. Was sich angesichts von wohl 400 Gästen, die sich allein gegen 13 Uhr zeitgleich auf dem idyllischen Areal befanden, beinahe zum Mammutprogramm auswuchs.

Für ein kurzes Gespräch mit unserer Zeitung nahm sich der Pfarrer trotz der großen, freilich auch vom herrlichen Feiertags-Wetter angelockten Schar zwischendurch dennoch Zeit. Er erläuterte noch einmal, was es mit jener Frage auf sich gehabt habe, die er in den Mittelpunkt des Gottesdiensts am Vormittag gestellt hatte: „Willst Du mit mir geh’n?“

Das fragte mit sinnlicher, leicht dunkler Stimme einst der israelische Männertraum Daliah Lavi, heute 73, und hielt sich damit 1971 neun Wochen lang in den deutschen Charts. Der Refrain „Willst Du mit mir geh’n? - Licht und Schatten versteh’n - Dich mit Windrosen dreh’n - Willst Du mit mir geh’n?“ ist noch heute fast jedem geläufig, der ihn zu hören bekommt.

Schüpke also pickte sich diese einst in Deutschland musikalisch aufgegriffene und in anderem Zusammenhang wohl von jedem verliebten Jugendlichen schon einmal gestellte Frage für seine Predigt heraus. „Ich wollte das auf Jesus übertragen“, sagte Schüpke. Der habe den Menschen diese Frage einst ähnlich gestellt, stelle sie bis heute, lade dazu ein, sich auf ihn, auf den Glauben einzulassen. „Vielleicht hat sich der ein oder andere aber auch an Momente in seinem Leben erinnert gefühlt, als er zum ersten Mal zu einem bestimmten Ort mitgehen durfte – in die Schule, ins Fußball-Stadion“, so der Pfarrer, ehe er sich wieder auf die Beine machte, um den Austausch mit den Pfarrfest-Besuchern, durchaus nicht nur Mitglieder der Kirchengemeinde St. Michael, zu suchen.

Während nicht nur Schüpke und die Gäste untereinander zwanglos miteinander ins Gespräch kamen, schlug das große Orchester des Musikvereins unter der Leitung von Piotr Konczewski andere Töne an als während der Prozession am Morgen. Statt Kirchenliedern hallten nun auch Songs von ABBA oder Nena über den Platz. Erneut eine Funktion nahmen nach dem Vormittag auch die kräftig anpackenden Messdiener von St. Michael ein. Die Kommunionskinder, die am Morgen beim Halt der Prozession am „Platz des Friedens“ die Fürbitten gelesen hatten, genossen unterdessen schon ihren Feierabend und nahmen mitunter die Hüpfburg mit in Beschlag.

Große Augen machten allerdings nicht nur jene im Grundschulalter, als sie im Gemeindehaus die beiden großen Tische mit den Preisen der traditionellen Tombola entdeckten. Sie fällt beim Pfarrfest der Gemeinde St. Michael immer äußerst üppig aus, kommt durch Spenden von Privatleuten und örtlichen Geschäften und Betrieben zustande.

Den Erlös werde die Gemeinde auch in diesem Jahr in die Sanierung ihrer beiden Gebäude an der Kirche stecken, teilte Bernhard Schüpke am Donnerstag mit: Nachdem im Inneren schon renoviert wurde, sollen bald jeweils die Dächer an die Reihe kommen. Mit einem Beginn der Arbeiten, für die noch Zuschüsse beantragt und die Aufträge vergeben werden müssten, sei aber frühestens 2017 zu rechnen.

Quelle: op-online.de

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