Zauberin zieht Publikum in ihren Bann

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Nur der neue Bürgermeister entzieht sich zu früh der magischen Trickserei. Eine klassische Zaubershow bot Marion Metternich in Münster. Regelmäßig durfte ihr das Publikum dabei assistieren.

Münster - Alles geht blitzschnell: Aus drei kurzen Seilen entsteht plötzlich eine große, lange Strippe. Kurz darauf werden innerhalb eines Wimpernschlags Metallringe ineinander verklinkt. Von Michael Just 

Und in einem Kartenstapel entfalten Spielkarten ein unerwartetes Eigenleben: Im Stoß scheinen sie sich plötzlich gedreht zu haben, ganz zu schweigen von den Assen, die sich nach Einwirken magischer Finger an keinerlei Gesetze des Zufalls mehr zu halten scheinen. Am Donnerstagabend gehörte diese trickreiche Hand der Zauberin Marion Metternich. Für das Kulturprogramm der Gemeinde Münster kam sie in die Kulturhalle. Die hätte schon deshalb voll sein müssen, da Zaubern eigentlich Männerhandwerk ist und die Frau aus Baden- Württemberg in diesem Metier eine Ausnahme darstellt. Trotzdem kamen nur rund 60 Besucher. Damit es etwas gemütlicher wird, entschlossen sich die Verantwortlichen, die Illusionen ins Foyer zu verlegen.

Etwas verwirrend erschien der Titel des Programms mit „Follow your dreams - Streetmagic Tour“, über den Metternich aber gleich zu Beginn Klarheit schaffte. Vor kurzem erfüllte sie sich einen Traum, reiste durch die USA und England und verblüffte spontan Passanten auf der Straße mit ihrer Kunst. Münster sollte nun eine Fortsetzung dessen darstellen, ohne große Aufbauten die Besucher zum Staunen zu bringen.

Zu Anfang überraschte die Zauberin, als das Publikum Wünsche äußern durfte. Die fanden sich kurz darauf auf einem Zettel wieder, den Metternich unmöglich beschrieben haben konnte. Danach kam das kleine rote Tuch ins Spiel, das viele Magier seit jeher in ihre Faust stopfen und verschwinden lassen. Bei einer der beeindruckendsten Nummern kippte die moderne Zauberfee Wasser in den Schuh eines Gastes. Man konnte es ahnen: Der Schuh blieb innen trocken. Im zweiten Teil ließ sie Besucher in eine Box greifen und Dinge ertasten. Beim Öffnen der Kiste war das Erfühlte ausgetauscht, wie bei der Metamorphose des Schwamms, der sich in einen Backstein verwandelte.

Zauberer lässt Tisch verschwinden

Trotz ihrer nicht ungewöhnlichen Zaubertricks schaffte es Metternich durchgängig, das Publikum an sich zu binden. Das lag daran, dass sie sich nebenbei als geschickte Entertainerin präsentierte. Während viele großen Illusionisten eher schweigsam ihr Werk verrichten, kam bei ihr das Mundwerk nicht zu kurz. Mit Witz und Komik suchte sie den Dialog mit dem Publikum, was indes dazu führte, dass der Spannungsbogen immer mal wieder abflachte. Dazu trug auch das Publikum bei, das, nach einem scheinbar langen Arbeitstag, ziemlich schüchtern auf den Plätzen saß.

Trotzdem ließ Metternich keine Zweifel daran, dass sie ihr Handwerk beherrscht: Selbst in der ersten Reihe blickte keiner hinter ihre magischen Geheimnisse. Ihren Auftritt paarte sie bisweilen mit Selbstironie sowie einem unerwarteten Verlauf der Tricks. Schienen die zu Beginn manchmal zu „haken“, sorgte am Ende ein Überraschungseffekt für die Wende, etwa bei der Mentalmagie, bei der sich die Vorhersagen jeweils doch als richtig herausstellten.

Ansprechende Kleinkunst

Insgesamt bot Metternich in Münster eine ansprechende Kleinkunst. Wer medial verwöhnt die kleine Schwester von David Copperfield erwartet hatte, die Extremitäten absägt oder Assistenten verschwinden lässt, wurde enttäuscht. Viel eher gab es eine Zaubershow zu erleben, die mit Karten, Kugeln, Tuch und Mentalmagie bewusst an alte Traditionen anknüpfte. Damit dürfte Metternich in einer Fußgängerzone allerdings eine größere Wirkung erzielen als in einer Halle.

Fast zum Zauberlehrling wurde Bürgermeister Gerald Frank. Vor Beginn der Show steckte ihm Metternich eine geknickte Spielkarte ins Jacket. Zur großen Magie mit dem Verwaltungschef kam es dann aber nicht: Als die Nummer stattfinden sollte, war Frank nicht etwa weggezaubert, sondern er lief profan zuvor zu einer Ehrung gleich nebenan bei der Feuerwehr.

Quelle: op-online.de

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