Verschwisterung von Münster und Lastra a Signa

Zusammen auch in Krisenzeiten

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Bürgermeisterin Angela Bagni und Gerald Frank unterschrieben die Verschwisterungsurkunden. Stehend (von links): Günter Willmann, Gerlinde Herd-Huber, Rosemarie Lück, die beiden weiteren Vertreter aus Lastra a Signa und Peter Schmücker.

Münster - Die Freundschaft der beiden Kommunen ist amtlich: Münsters Bürgermeister Frank und seine italienische Kollegin Angela Bagni aus Lastra a Signa unterschrieben die Urkunden. Gerlinde Herd-Huber glänzte als Übersetzerin. Von Jens Dörr 

„Alle Menschen werden Brüder“: So heißt es in Friedrich Schillers Gedicht „An die Freude“, das besonders dadurch Berühmtheit erlangte, weil es als Text zu Ludwig von Beethovens 9. Sinfonie dient und seit 1972 auch Text der Europahymne ist. Eigentlich müsse es derweil „Brüder und Schwestern“ heißen, vervollständigte am Samstagvormittag Münsters Bürgermeister Gerald Frank im Sitzungssaal des Rathauses. Passend, war der Anlass doch der Festakt zur Verschwisterung mit der neuen italienischen Partnergemeinde Lastra a Signa. Vor 30 geladene Gästen aus Politik, Verwaltung und Partnerschaftsverein unterzeichneten am Ende des zweistündigen offiziellen Teils Frank und seine italienische Amtskollegin Angela Bagni die Partnerschaftsurkunden. Damit erlebte ein Vorhaben vor-erst seinen Höhepunkt, das einige Münsterer vor mehr als zwei Jahren in die Wege geleitet hatten, unter anderem mit der Gründung des Partnerschaftsvereins 2013.

Gleichwohl erinnerten alle Festredner daran, dass eine Verschwisterung mit der offiziellen Anerkennung durch beide Seiten zwar einen wichtigen Schub auf beiden Seiten erhalte, es aber entscheidend sei, dass der Austausch miteinander in der Zukunft dauerhaft gelebt werden müsse.

„Es ist ein Tag der Freude“, leitete Frank seine Rede ein, die wie alle Ansprachen formidabel von Gerlinde Herd-Huber vom Deutschen ins Italienische sowie andersherum übersetzt wurden. Dazu portionierten die Redner ihre Texte in kleine Häppchen, die Herd-Huber (zugleich Zweite Vorsitzende des Partnerschaftsvereins) dann direkt an jenen Teil im Saal weiter reichte, die ihn bis dato ob der Sprachbarrieren nicht verstanden hatten. Lastra a Signa war mit dreiköpfiger Delegation vertreten, die am späteren Freitagabend angereist und mit einem kleinen deutsch-italienischen Fest auf dem Rathaus-Platz begrüßt worden war. Die Bürgermeisterin hatte zwei weiteren Exkursionsteilnehmern dabei.

Kultureller und wirtschaftlicher Austausch

Frank wünschte sich für die Zukunft den kulturellen und wirtschaftlichen Austausch, warb dafür, Brücken zu bauen: „Gerade in Zeiten, in denen der europäische Gedanke nicht bei jedem für Begeisterung zu sorgen scheint und Probleme wie teils schwer nachvollziehbare Gelderumverteilung durch den EU-Haushalt, oft fehlende Solidarität bei der Aufnahme von Flüchtlingen sowie das Griechenland-Drama die grundsätzliche Idee zu überlagern drohen.“ Auch in Zeiten, in denen die Deutschen Reise-Weltmeister und generell weltoffen seien, entpuppten sich Partnerschaften zwischen Gemeinden verschiedener Staaten noch als sinnvoll.

Bürgermeisterin Angela Bagni warb dafür, „die Beziehung auf Prinzipien wie Frieden zu verbessern“. Sie wünschte sich wie Frank, man möge auch in Zeiten europäischer Krisen zusammenwachsen, den Austausch konkret unter anderem über Jugendbegegnungen fördern, dazu Schulen und Vereine einbeziehen.

Erste Kreisbeigeordnete Rosemarie Lück, die wie Gemeindevertreter-Vorsteher Günter Willmann und Partnerschafts-Vereinsvorsitzender Peter Schmücker zu den Festrednern zählte, war ihrerseits bereits in Lastra a Signa gewesen und meinte, sie könne „nur schwärmen vom Ort und der Villa Caruso“. Lastra a Signa liegt in der Provinz Florenz, ist mit 19 000 Einwohnern etwas größer als Münster; die Villa Caruso ist ein opulenter Bau mit Parkanlage aus dem 16. Jahrhundert, die auch durch ihre exponierte Lage an den Hügeln der toskanischen Gemeinde auffällt.

Lück hob schließlich das hervor, was der Landkreis durch eine größere Anzahl von ihm etwa über Bildungsreisen geförderten Verschwisterungen offenbart und was sich auch in Münster breitmachen soll: „Mein Herz schlägt für die Partnerschaft mit der Region Florenz.“ Der Festakt, den das Mandolinenorchester der Münsterer Wandergesellschaft „Frisch-Auf“ unter anderem mit einem Potpourri italienischer Weisen eingeleitet hatte, endete mit den vom Musikverein Münster vorgetragenen Nationalhymnen beider Länder - und der Europahymne.

Quelle: op-online.de

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