Mit Orgel, Oboe und Fagott

Offenbach - Das Konzert in Offenbachs Johanneskirche zum Abschluss des Praeludium-Jubiläumsjahres war ein einziger Kontrapunkt zum umgebenden Silvesterabend-Geknalle. Von Reinhold Gries 

Im Kirchenraum konnte man zu sich kommen bei Orgelsoli Jürgen Blumes und dessen Duetten und Trios mit Elke Heinrich an der Oboe und Andreas Benke am Fagott. Auch der vierte Akteur Paul-Gerhard Weiß, der sich in einer Ansprache mit dem Toleranzgebot von Lessings Ringparabel befasste, stammte aus Offenbach.

An Anfang und Ende setzte Blume das „Concerto del Sigr. Telemann c-Moll“ des Bach-Schülers Johann Gottfried Walther. Wie sein Vorbild hat Walther bedeutende Konzerte von Zeitgenossen auf Orgel übertragen, um festliche Wirkung zu erzielen. Davon vermittelten die vier Sätze „appropriato all´organo“ eine gute Vorstellung zwischen zitierten Orchester-Ritornellen und Solopassagen. Auch das Orgel-Choralvorspiel „Gott der Vater wohn uns bei“ wurde ursprünglich Johann Sebastian Bach als Werk 748 zugeschrieben, stammt aber von Walther. Das hörte man neben dem damals üblichen kanonischen Prinzip auch an liedhafte Melodik in fast volkstümlichem Stil, die Bach nicht in dieser monothematischen Form hätte stehen lassen. Ein seltener gehörtes Werk spielte Blume auch im Orgelsolo zu Johann Sebastian Bachs Weimarer „Fantasie G-Dur“ BWV 571, die sich in manchem als Nachbarwerk der Piéce d´Orgue in G-Dur erwies, auch in Echowirkungen, langen, tänzerisch variierten Sequenzen und arpeggienhaften Figurationen über ostinatem Bass.

Wie Musik auf unsere Körper wirkt

So wirkt Musik auf unseren Körper

Dann trat vor allem die Offenbacher Oboistin Elke Heinrich in den Vordergrund, eine der stillen im Lande, deren musikalisches Potenzial aber gewaltig und überhaupt noch nicht ausgeschöpft ist. In Fagottist Benke und Blume an der Orgel fand sie hervorragende Unterstützung, als sie um Richard Rudolf Kleins liedhafte Fagottmelodie zu „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ geschickte Vorimitationen legte. Wundervoll Johann Pezels Trio der „Sonate C-Dur“, bei der sich die „Bläser“ – auch Orgelpfeifen arbeiten mit Wind – gegenseitig galante und empfindsame Motive, Koloraturen und Kontrapunkte zuspielten.

Darüber sang Heinrichs Oboe Kantilenen in reinster Form. Herrliche Oboen-Koloraturen dann auch in Carl Philipp Emanuel Bachs Sonate g-Moll in Staccato-Kontrasten mit Fagott- und Orgelregistern. Beispielhaft hörte man hier, wie „CPE“ aus rokokohafter Beschwingtheit in frühklassische Setzweise führt. Ein klassisches Bläser-Ständchen brachte auch das Andante B-Dur des Dresdener Hofkapellmeisters Johann Gottlieb Naumann, in dem Heinrich und Benke eine berückende Holzbläser-Demonstration boten. Da war fast schon die Romantik vorwegzuhören.

Zum kontrapunktischen Jahresschluss passte auch die angeblich von Antonio Vivaldi komponierte Sammlung „Il Pastor Fido“. Nicht nur zu deren Nr. 1 C-Dur für Oboe und Basso continuo entdeckte man 1990, dass sie vom berühmten französischen Musettespieler Nicolas Chédeville bearbeitet wurde.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Archiv: Michael Löw

Kommentare