Walter Sutcliffe inszeniert Antonio Cestis „L’Orontea“ an der Oper Frankfurt

Mitten ins Herz gezielt

+
Die sächselnden Amoretten sind flott im Pfeile schießen, zumal auf Orontea (Paula Murrihy), und firm an der Shisha.

Frankfurt - Nicht nur am ägyptischen Königshof ist der Bär los. Auch bei der Erstaufführung von Antonio Cestis (1623-1669) „L’Orontea“ geht es auf der Frankfurter Opernbühne ganz schön rund. Von Klaus Ackermann 

Regisseur Walter Sutcliffe hat die frühbarocke Karnevalsoper beim Wort genommen und einen köstlichen Komödiantenstadl mobilisiert. Kräftig unterstützt wird er vom Spezialisten Ivor Bolton, erstmals am Dirigierpult des historisch gut informierten Opern- und Museumsorchesters. Und von einem spielfreudigen Ensemble, das mit seinen amourösen Eskapaden die Spannung über drei Stunden hinweg hält.

Beim unverzichtbaren Prolog streitet der Philosoph in seiner Studierstube in lichter Höhe mit Amor, einem weiblichen Maskenwesen, dass sich zirkusreif durch die Lüfte schwingt, wer mehr Macht über die Menschen hat. Auch hinter dem vergammelten Denker, mit Rauschebart eine Wiedergeburt von Karl Marx, steckt eine Frau: Katharina Magiera preist mit überzeugender Altstimme trinkfreudig die Abstinenz in Liebesdingen. Das Spiel mit geschlechtlichen Identitäten treibt Sutcliffe gezielt auf die Spitze. Und Cestis Musik, vor allem die vom Monteverdi-Continuo Ensemble mit historischem Instrumentarium und einem vorzüglich improvisierenden Cembalisten begleiteten Rezitative geben dem Briten recht.

Wie ein Running Gag wirken die Amoretten, keine Lausbuben, sondern Frauen, die mit ihren Masken einer sächselnden Girl Group nicht unähnlich sind. Die ihre Pfeile abschießen und verschwinden, wenn die Liebe greift. Dabei trifft’s vor allem Orontea, die sich in ihrem Palast für immun gegen Herzensdinge hält. Eine Zugbrücke verbindet den Kubus mit einer Art Dünenlandschaft, in der es sich mehr oder weniger dezent lieben lässt. Ausstatter Gideon Davey hat auch die fantasievoll entlarvenden Kostüme entworfen. Eine prachtvolle Abendrobe für Orontea, die mit großem Herz am Rücken entzückt.

Xavier Sabata zu Tode betrübt

Ausgerechnet ein hergelaufener Maler hat sie entflammt. Ideale Partie für den charaktervollen Mezzo der Paula Murrihy, mit der einzig großen Arie betraut und diese hochemotional durchlebend. Dagegen ist ihr Alidoro beileibe kein Don Juan, statt himmelhochjauchzend angesichts der vielen Damen, die ihm in Unterwäsche an dieselbe gehen, wirkt Xavier Sabata mit seinem dunkel eingestimmten Altus eher zu Tode betrübt. Als frühbarockes Buffo-Paar treiben es Silandra (Louise Alder, glockenklarer Koloratursopran) und Corindo (Matthias Rexroth, Altus mit kerniger Substanz) oft und gern, im Duett die süße Liebe besingend.

Noch am 6., 8., 14., 20., 22. Februar, am 7. und 13. März gibt es Karten. Telefon: 069/21244494.

Umwerfend komisch wieder einmal Simon Bailey Diener Gelone, dessen Bassbariton sich in Altus-Höhen emporschwingt - wenn er nüchtern ist. Ebenso beeindruckend der Auftritt vom starken Tenor Guy de Mey (als vorgebliche Mutter des Malersmanns), erpicht auf die in Hosenrolle stimmlich vorbildlich ihr Schicksal beklagende Giacinta der Kateryna Kasper. Ebenfalls in Männerkleidern agiert die ihrer Empfindung für den Umschwärmten misstrauende Juanita Lascarro (Diener), ihren bewährten Sopran eingangs auch dem Amor leihend. Den Durchblick hat als einziger Hofphilosoph Creonte, den Bariton Sebastian Geyer gibt.

Dass sich der Maler als entführter Königssohn entpuppt, muss natürlich szenisch begründet werden, was ein paar Längen einbringt, bei denen die Drehbühne rotiert. Wenn final die endlich vereinten Paare von der „keuschesten aller Lieben“ singen, ist Party angesagt. Mit den relaxenden Amoretten, die der Liebe eindeutig zweideutig zum Sieg verholfen haben.

Jack White in der Alten Oper

Jack White in der Alten Oper

Quelle: op-online.de

Kommentare