Queen-Musical „We Will Rock You“

Nieder mit der Ga-Ga-Welt

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Die Killer Queen (Brigitte Oelke) und ihr Sicherheitschef Kashoggi (Martin Berger) haben etwas gegen handgemachte Rockmusik. Individualität ist nämlich schlecht für ihr Geschäft.

Frankfurt - Das Queen-Musical „We Will Rock You“ aus der Feder von Ben Elton ist nun in der Alten Oper zu sehen. Von Sonja Achenbach

Egal ob Anzug, Abendkleid, blauer Tüll-Rock oder einfach schicker Pulli – am Samstagabend nach der Premiere von „We Will Rock You“ bleiben nur wenige sitzen. Das Publikum applaudiert im Stehen. Minutenlang. Den Darstellern auf der Bühne ist eine gewisse Erleichterung anzumerken. Die Premiere in Frankfurt ist geschafft – und das eindrucksvoll.

„We Will Rock You“ ist bis 9. Januar in der Alten Oper zu sehen. Am 24. Dezember und am 1. Januar gibt es keine Vorstellungen.

Bis zum 9. Januar werden Galileo Figaro (Christopher Brose) und Scaramouche (Jeannine Michèle Wacker) mit anderen Bohemians auf dem Planeten „iPad“ in der „Gagaworld“ um die Seele des echten, handgemachten Rock kämpfen. Die Geschichte ist mitreißend und schrill; und eigentlich schnell erzählt: In grauer Zukunft ist echter Rock verboten. Das Unternehmen Globalsoft hat alles unter seiner Kontrolle: die Kleidung, die Gedanken, den Tanz und die Musik. Wer sich dagegen auflehnt, wird verfolgt. Eine Prophezeiung hält die letzte Hoffnung am Leben: Ein einzelnes Instrument wartet in einem Versteck auf Entdeckung. Galileo und Scaramouche schließen sich dem Widerstand an und helfen auf der Suche nach diesem Instrument, einer Gitarre. Ihre Gegenspieler, angeführt von einer herrlich bösen „Killer Queen“ (Brigitte Oelke) und ihrem Helfer Khashoggi (Martin Berger), versuchen dies aber zu verhindern.

Der Inszenierung ist es gelungen, die ganze Bandbreite an beeindruckenden Stimmen auf die Bühne zu bringen. Es bedarf schon einiges, um etwa dem Volumen der rockig-rauchigen Stimme von Brigitte Oelke standzuhalten. Martin Berger gelingt das immer wieder. Auch die nur 1,60 Meter große Hauptdarstellerin Jeannine Michèle Wacker beeindruckt mit Kraft und Volumen in der Stimme. Nur zum Ende des Musicals geht allen dreien etwas die Puste aus. Auffallend ist auch, dass ausgerechnet Hauptdarsteller Christopher Brose stimmlich nicht immer mithalten kann. Gerade im Vergleich mit den drei anderen Hauptdarstellern fehlt ihm etwas Druck in der Stimme. Diesen Nachteil weiß er allerdings mit seiner schauspielerischen Leistung zu kompensieren.

Während des ganzen Abends ist aber klar, was tatsächlich im Vordergrund steht: Die Musik der Rocklegende Queen. In Form einer alten Videoaufnahme haben die vier Musiker um den unnachahmlichen Frontmann Freddie Mercury sogar einen Miniauftritt. Dichter Nebel wabert, als einer der Gitarristen der Begleitband seinen Auftritt auf der Bühne hat. Kurz vor dem Finale lüftet sich im Hintergrund dann ein schwarzer Vorhang, und die gesamte Band ist zu sehen. Es sind allesamt Musiker, die die Hochzeit der Originalbesetzung von Queen selbst miterlebt haben dürften. Die Band wird mit kräftigen Szenenapplaus begrüßt, denn was ist ein Musical über handgemachten Rock ohne glaubwürdige Musiker?

Vor zwölf Jahren hatte der britische Komödiant und Autor Ben Elton die Idee zu dem Musical. Mittlerweile haben es weltweit über 16 Millionen Menschen gesehen. Die Neuinszenierung, die nun in Frankfurt zu sehen ist und danach weiter auf Tour geht, lässt vermuten, dass es in nächster Zeit etliche Tausend mehr sein werden.

Quelle: op-online.de

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