Neuinszenierung von Bellinis „Norma“

Regie als bloße Dekoration

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Zuverlässig: Erika Sunnegårdh als Priesterin

Wiesbaden - Gabriele Rechs Neuinszenierung von Bellinis Belcanto-Klassiker "Norma" am Staatstheater in Wiesbaden zeigt bei der Premiere einige Schwächen. Von Axel Zibulski 

Am ehesten überzeugte Will Humburg. Im Staatstheater Wiesbaden wertete der Dirigent und Darmstädter Generalmusikdirektor die szenisch belanglose und vokal völlig enttäuschende Neuproduktion von Vincenzo Bellinis Oper „Norma“ zumindest ein wenig auf.

Der 1831 an der Mailänder Scala uraufgeführte Belcanto-Klassiker mit seiner Dreiecksgeschichte zwischen der gallischen Oberpriesterin Norma, der Novizin Adalgisa und Pollione, dem römischen Prokonsul und Heerführer im besetzten Gallien, fesselte in der Wiesbadener Premiere nämlich am ehesten durch Humburgs Bemühen um eine dramatisch erhitzte Orchesterbegleitung. Einzelne instrumentale Unsauberkeiten fielen trotzdem ins Ohr, ebenso manche Missverständnisse mit dem schlecht präparierten und grobkörnig klingenden Chor.

Gabriele Rechs Neuinszenierung in der Ausstattung von Susanne Füller und Matthias Schaller ist banal: Im Bühnenhintergrund steht ein gallischer Wald, davor sehen wir ein erst geschlossenes, später offenes modernes Atelier, das die Sekt schlürfende und offenbar ganz von der römischen Dekadenz angesteckte Priesterin Norma bewohnt. Vater ihrer beiden Kinder ist, was Geheimnis bleibt, Pollione, einer der Römer, die als waffenstarrende Machos ebenso schematisch gezeichnet sind wie die püppchenhafte Norma und ihre Rivalin Adalgisa. Mit Neckereien wie einer Kissenschlacht im Familienbett beschränkt sich das Szenische viel zu sehr aufs Dekorative.

Schwächen beim Gesang

Wenn denn wenigstens stilsicher gesungen werden würde. Denn die von Überforderungen und Fehlbesetzungen geprägte vokale Seite war das eigentliche Manko dieser Premiere. In der Titelpartie der Norma bietet Erika Sunnegårdh noch eine der zuverlässigeren Leistungen, auch wenn ihr Sopran weder leicht noch organisch durch die Register geführt wird. Viel Presskraft ist da in den Höhen im Spiel, viel Sprödigkeit in der Tiefe. Ihr berühmtes „Casta Diva“ klingt zwar sauber, aber kalt. Große, für den Belcanto-Gesang nicht akzeptable Intonationsunsicherheiten prägen Anna Lapkovskajas Novizin Adalgisa, Scott Piper lässt die Qualitäten eines lyrischen Tenors vermissen, die seine Partie des Pollione verlangt: Baritonal robust und fast immer zu laut attackiert er die Töne.

In ihren Konfliktszenen greifen alle drei Protagonisten mehr zum vokalen Degen als zum belcantistischen Florett. Schöngesang? Fehlanzeige. Schade: Mit dieser Produktion ist Wiesbadens Intendant Uwe Eric Laufenberg am selbst gesteckten Ziel gescheitert, Oper vokal eher mit Gast-Einladungen als mit einem stabilen Ensembleneuaufbau aufzuwerten. Zumal auch Young Doo Park als brustig tönender Oroveso, Normas Vater, und sogar die unscharf flackernde, kleine Stimme von Stella An als ihr Hausmädchen Clotilde den Anforderungen nicht gerecht werden.

Nächste Aufführungen am 21., 24., 27. und 29. Januar. Karten unter  0611/132325

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Quelle: op-online.de

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