„Rocky Horror Show“

Kleine Theater und große Landsitze

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Auf High Heels vor historischer Kulisse: Erzähler Sky du MMont und Hauptdarsteller Rob Fowler besuchten Oakley Court, wo die „Rocky Horror Show“ verfilmt wurde.

London - Sex, Drugs und Rock’n’Roll. Nichts verkörpert dieses Motto so gut wie Richard O’Brians Musical „Rocky Horror Show“. In den Siebzigern ein Skandal, ist es heute Kulturgut. Von Sonja Achenbach 

Wer in London die enge Holztreppe zum „Theatre Upstairs“ erklimmt, kommt irgendwann in einem engen, spärlich beleuchteten Raum an. Direkt neben der Tür schließt eine hohe Tribüne ab. Wer auf dem untersten Rang sitzt, kann mit ausgestreckter Hand die Schauspieler berühren. In diesem winzigen Raum fiel der erste Vorhang für Richard O’Brians „Rocky Horror Show“. Vor einem Publikum von nur 80 Menschen. Was heute auf der ganzen Welt berühmt ist, war 1973 ein Skandal. Nur kurze Zeit nach der Premiere zog das Musical-Team in größere Räume um. Der Siegeszug hatte begonnen.

Zwei Jahre später lief es dann etwas anders: „Als wir den Film gedreht haben, wurde er zu einem großen, großen Flop“, erzählt der britische Schauspieler Christopher Biggins und klopft mit seiner rechten Hand auf die Lehne seines braunen Ledersofas. Er ist in die Kulissen des Films zurückgekehrt. Damals ein heruntergekommener Landsitz – heute ein Hotel mit fünf Sternen. „Ich hätte es kaum wiedererkannt“, sagt Biggins. Die Rede ist von Oakley Court, einem englischen Landsitz in der Nähe von Schloss Windsor, einem Wohnsitz der englischen Königsfamilie. „Die Tapete blätterte von der Wand, es gab keinen Kronleuchter und der Wind pfiff durch alle Ritzen.“ Christopher Biggins spielte im Film von Jim Sharman einen Transsylvanier.

„Rocky Horror Show“: Wir waren in London

40 Jahre später sitzt er wieder in den Kulissen des Films. Mit dabei sind Rob Fowler und Sky du Mont. Sie stellen die neueste Fassung der Rocky Horror Show vor, die vom 31. März bis zum 12. April Station in Frankfurt macht. Biggins spielt seiner Erfahrung als Moderator aus und hat die Runde im Griff. Er erinnert sich, scherzt mit den anderen und verteilt Komplimente: „Ich weiß, dass die Rolle des Erzählers immer von einem großartigen Schauspieler übernommen wird, und ich weiß, dass du in Deutschland ein sehr guter bist“, übergibt er das Wort an Sky du Mont. Dieser übernimmt in neun Städten die Rolle als Erzähler, ob Frankfurt auch dabei sein wird, steht noch nicht fest.

„Ich musste es einfach wieder tun, weil ich noch nie in meiner Karriere etwas Vergleichbares erlebt habe“, sagt er. In keinem anderen Stück seien die Zuschauer so begeistert, dass sie auf den Sitzen stehen und tanzen. Biggins und du Mont sind sich einig: Die Faszination der Geschichte ist bis heute ungebrochen. Ohne Wasserpistole, Reis, Konfetti und Klopapier ist es keine echte Aufführung der Rocky Horror Show.

Viele Zuschauer lassen sich passende Kostüme anfertigen: „Es ist einfach urkomisch sehr dicke Frauen in Korsetts zu sehen. Die ihre Oberweite so hoch geschnallt haben, dass sie von ihr essen könnten“, sagt Biggins mit einem herzhaften Lachen. Biggins und du Mont würden am liebsten als Frank’N’Furter auf der Bühne stehen. Beide fügen aber etwas konsterniert hinzu: „Wenn ich nur singen könnte ...“

Rob Fowler hat ihnen das voraus: Bereits 2008 und 2011 stand er als Frank’N’Furter auf der Bühne. Dabei war er beim Casting noch davon überzeugt, dass alles Zeitverschwendung ist. „Da war eine riesige Schlange von Männern in Frauenunterwäsche“, erzählt Fowler. Er selbst kam in Jeans – eben als er selbst. Für Regisseur Sam Buntrock scheint das keinen Unterschied gemacht zu haben. Er engagiert den gelernten Automechaniker.

Und so stöckelt der 42-Jährige auf weinroten High-Heels durch Oakley Court und berichtet von der Kraft der Verwandlung, die seine Rolle mit sich bringt. „Als ich zum ersten Mal in den Schuhen gelaufen bin, muss ich wie ein betrunkenes Kamel ausgesehen haben.“ Der Regisseur war zunächst wenig begeistert, überlegte es sich dann aber: „Er sagt mir, ich sollte mich nur nicht zu sehr an die Schuhe gewöhnen, denn es passt zu meinem Frank’N’Furter sich nicht sonderlich elegant auf diesen Heels zu bewegen.“

Ob elegant oder nicht – die erste Kostprobe der neuen Tour gibt Rob Fowler mit den Stöckelschuhen auf historischer Bühne: Im „Theatre Upstairs“ singt er das Stück, dem er die Rolle verdankt.

Quelle: op-online.de

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