ADAC-Straßenwachtfahrer Ingo Karg hilft Autofahrern bei Pannen weiter

Ferien sind Hochsaison

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Ohne Laptop geht bei der Fehlersuche heutzutage fast nichts mehr. Angesichts immer komplizierterer Fahrzeugtechnik rüsten auch die Gelben Engel ständig auf.

Rodgau - Ingo Karg hat weder Flügel, noch einen Heiligenschein. Und trotzdem schickt ihn manchmal der Himmel. So mögen das zumindest Autofahrer empfinden, sobald ihnen der Pannenhelfer des ADAC aus der Patsche hilft. Von Bernhard Pelka 

Regelmäßig ist der Gelbe Engel auf der Raststätte Weiskirchen in Aktion. In der Ferienzeit sowieso. Dann ist dort besonders viel los. Eine Autopanne auf der Fahrt in den Urlaub: ein Fiasko. Viele schaffen’s dann gerade noch bis zur Raststätte Weiskirchen. Wie gut, dass Straßenwachtfahrer Ingo Karg dort regelmäßig nach dem Rechten sieht. „Hier ist zu 80 Prozent immer jemand, der Hilfe braucht“, weiß der 40-jährige Kfz-Mechaniker aus Erfahrung. Keilriemen gerissen? Der Wasserkühler kocht? Ingo Karg hilft gern.

Früher war der Automann im Kundendienst für verschiedene Marken tätig, unter anderem beim Toyota Autohaus Nix in Offenbach. Aber schon seit 1996 begleitet ihn der Job bei Straßendiensten. Seit 2006 ist Karg für den ADAC unterwegs und spult mit seinem Werkstattwagen Jahr für Jahr 60.000 Kilometer ab. Sein Gebiet reicht von Marktheidenfeld bis nach Offenbach und Neu-Isenburg.

Nicht nur wenn die Batterie streikt, hilft Ingo Karg kompetent und gerne. Ein Hotspot in Sachen Hilfeleistung ist derzeit die Raststätte Weiskirchen.

Pro Jahr hilft er im Früh-, Mittel- oder Spätdienst rund 2500 Kunden in Notfällen. Dabei geht es nicht immer um einen Schaden am Auto. „Gerade in der Ferienzeit sind es oft die kleinen Dinge, die fehlen: Mineralwasser fürs Kind, ein Hotel. Da gehen meine Kollegen und ich gern zur Hand. Ich, zum Beispiel, habe immer eine Kühlbox mit frischem Mineralwasser an Bord.“ Kerngeschäft sind freilich liegen gebliebene Fahrzeuge. Innerorts führen Schäden an der Batterie die Hitliste an. Auf der Autobahn streichen hingegen besonders gerne die Kühlsysteme die Segel, gefolgt von kaputten Keilriemen und Reifen. Klassiker sind auch Spritmangel und Autofahrer, die sich selbst ausgesperrt haben. Manchmal sitzt das Baby dann schreiend noch im Auto.

In seinem Ford S Max hat Ingo Karg immer ein großes Sortiment an Ersatzteilen dabei: Kühlerschläuche, Zündspulen, Riemen. „Es wird immer schwieriger, die passenden Teile dabeizuhaben, weil die Vielfalt bei den Autoherstellern immer größer wird“, beschreibt der Gelbe Engel ein Problem. Trotzdem bekommt er 85 Prozent aller Karossen wieder flott. Den Rest nimmt der Abschleppdienst Offenbach für den ADAC an den Haken. „Die haben in Offenbach sogar eine Notfallwerkstatt, in der auch nachts gearbeitet wird.“

In vielen Fällen liegen am Einsatzort die Nerven blank. Deshalb muss der Pannenhelfer eine gute Mischung aus Mechaniker und Psychologe sein. „Wir treffen immer auf eine Stresssituation, das ist doch klar“, zeigt er Verständnis. „Gerade bei der Hitzewelle war die Reizschwelle sehr niedrig. Der Fahrer entnervt, die Kinder weinen. Da muss man dann manchmal eben zum Trost ein kleines Pflaster auf den Kotflügel kleben, um die Kleinen zu beruhigen.“

Kritisch wird’s besonders, sobald schlechte Nachrichten überbracht werden müssen. „Zum Beispiel bei einem Motorschaden auf der Fahrt in den Urlaub. Dann sind die Ferien leider erst mal vorbei. Das ist dann schon sehr hart“, beschreibt der Straßenwachtfahrer eine unangenehme Seite seines Berufs. Dennoch ist für ihn sein Job etwas ganz Besonderes: „Es ist einfach toll zu erleben, was es für die Kunden bedeutet, wenn wir ihnen helfen können.“ Dazu sind technisches Verständnis, handwerkliches Geschick und Einfühlungsvermögen nötig. Gerne absolviert Ingo Karg deshalb regelmäßig intensive Schulungen – Erste Hilfe und Deeskalationstraining inbegriffen.

Quelle: op-online.de

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