Ärger über teure Hausanschlüsse

„Da stimmt was nicht“

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Neben der Baugrube diskutieren Anwohner des Südrings über die Baukosten für ihre Hausanschlüsse.

Jügesheim - Anwohner des Südrings wehren sich gegen hohe Kosten für ihre neuen Hauswasseranschlüsse. Es sei nicht nachvollziehbar, wie es zu solch immensen Summen kommt.

„Die Stadt lässt sich verdeckt andere Arbeiten bezahlen“, spricht ein Hausbesitzer aus, was viele Anlieger vermuten. Die Stadtwerke widersprechen diesem Eindruck: „Wir geben nur die tatsächlich entstandenen Kosten weiter“. Seit Mitte Oktober ist der Südring eine Großbaustelle. Zunächst wurden dicke Kanalrohre verlegt. Seit einigen Wochen lassen die Stadtwerke auch die Trinkwasserleitung erneuern. Im Zuge dessen wurde bei Begutachtung der Hauswasseranschlüsse festgestellt, dass manche dieser Leitungen erneuert werden müssen. Klaus Richter soll dafür rund 2 800 Euro zahlen. Bei Nachbar Gerd Kiefer fallen etwa 3 600 Euro an, Elke Schug soll sogar 5 300 Euro blechen. Das geht aus Kostenschätzungen hervor. Eingerechnet darin sind Rohr- und Tiefbauarbeiten und die Wiederherstellung der Oberfläche.

Klaus Richter argumentiert, diese Kosten dürften nicht auf die Anwohner umgelegt werden, da die Straße wegen der neuen Hauptwasserleitung sowieso aufgerissen werden musste. „Und für die Wiederherstellung des alten Zustands ist auch die Stadt zuständig.“ Richter zieht die Kosten in Zweifel. „Für etwa sechs Meter Kunststoffrohr soll ich 2 800 Euro zahlen. Das Rohr kostet im Baumarkt aber nur 7,98 Euro den Meter. Da stimmt was nicht.“ Vollkommen undurchsichtig werde die Kalkulation für einen weiteren Nachbarn. Diese habe einen relativ neuen Hauswasseranschluss, der nicht getauscht werden müsse, solle aber trotzdem 1 100 Euro zahlen. „Und das nur für den Anschluss des bisherigen Rohrs an die neue Hauptwasserleitung.“

Risse in den Wänden

Richter vermutet Willkür und führt an, dass zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen die Herstellung eines Hauswasseranschlusses im Schnitt nur mit 980 Euro zu Buche schlägt. Diese Zahl hat der Hausbesitzer aus dem Internet (www.baunebenkostenrechner.de). Ein weiteres Ärgernis sind für manche Anwohner Risse in den Wänden ihrer Häuser. Sie sind während der Bauarbeiten entstanden. „Beim Verdichten der Erde haben die Gläser im Schrank gewackelt“, erinnert sich Friedrich Rohfuss nur ungern. Bei den Richters sollen sogar Kochtöpfe auf dem Herd gewandert sein. Rohfuss macht geltend, dass an seinem 1956 noch vom Vater erbauten Haus Schäden entstanden sind. Er habe die Bauarbeiter darauf hingewiesen, aber nur eine abfällige Bemerkung geerntet. „Es hat nur geheißen, wir hätten eben ein schlechtes Fundament.“

Zur Beweissicherung waren in seinem Haus Erschütterungsmessgeräte aufgestellt worden. „Die waren oft über dem Grenzwert. Das hat aber keinen interessiert. Die haben mit dem Rüttler einfach weitergemacht“, sagt Rohfuss. Er sucht wegen der Risse nun eine „gütliche Lösung mit der Stadt“. „Sollten Schäden durch unsere Baumaßnahme entstanden sein, werden wir sie auch regulieren“, verspricht der Betriebsleiter der Stadtwerke Rodgau, Dieter Lindauer. Bisher hätten zwei Anwohner Gebäuderisse gemeldet. Ein externer Gutachter habe alle Häuser vor Beginn der Bauarbeiten beurteilt. Zum Abschluss werde es eine erneute Begehung geben. Bei einem Austausch der Trinkwasserleitung sei es die Aufgabe der Stadtwerke, die Hausanschlüsse wieder herzustellen. Jeder Eigentümer sei laut Wasserversorgungssatzung verpflichtet, die tatsächlich entstandenen Kosten für sein Grundstück zu bezahlen. Genau diese Kosten würden auch abgerechnet.

Neue Leitung liegt nicht an gleicher Stelle

Ein Ingenieurbüro habe jeden einzelnen der 23 Hausanschlüsse überprüft. Veraltete oder defekte Anschlussleitungen müssten erneuert werden, so Lindauer: „Der Standard, der hier verbaut wird, hat mit Baumarktqualität nichts zu tun.“ Die Stadtwerke müssten Versorgungssicherheit und hygienische Qualität auf viele Jahre hinaus sichern. Da die neue Wasserleitung nicht an der gleichen Stelle wir die alte Leitung liegt, können die Anschlüsse nicht einfach „umgehängt“ werden. Ein Stück Hausanschlussleitung komme immer dazu. Im 1100-Euro-Beispiel seien das 3,50 Meter Leitung mitsamt Straßenaufbruch und Wiederherstellung. Allein der so genannte Anbohrschieber, eine Art Absperrhahn, koste mehr als 300 Euro. Im März letzten Jahres hatten die Stadtwerke alle betroffenen Hauseigentümer per Brief über die bevorstehenden Bauarbeiten informiert. Vor etwa einer Woche erhielten die Eigentümer eine Mitteilung über die voraussichtlichen Kosten, allerdings ohne nachprüfbare Kalkulation. 

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bp / eh

Quelle: op-online.de

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