Zu Gast im Bürgerhaus Dudenhofen

AfD mit Frauke Petry in Rodgau: Der Wahlkampf ist eröffnet...

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Die AfD-Parteisprecherin Frauke Petry bei ihrem Auftritt im voll besetzten Saal.

Dudenhofen - Bunt und weitgehend friedlich protestierten Hunderte in Rodgau-Dudenhofen gegen den Auftritt der AfD-Sprecherin Frauke Petry, die im Bürgerhaus den Bundestagswahlkampf 2017 eröffnete. Von Achim Lederle

Nach der Wahl ist vor der Wahl: Zuletzt ist die AfD ins Berliner Abgeordnetenhaus eingezogen, wenige Tage später, am Donnerstag, kommt Sprecherin Frauke Petry nach Dudenhofen, um den „Vorwahlkampf zur Bundestagswahl“ einzuläuten, wie es der AfD-Kreisvorstand formuliert. Warum gerade Dudenhofen? Für das Flüchtlingsnetzwerk Rodgau ist es ein Skandal: „Das Bürgerhaus war der einzige Saal weit und breit, den die AfD anmieten konnte – unseren verschlafenen Kommunalpolitikern sei Dank“, kritisiert ein Aktivist, der ungenannt bleiben will. Wie er sehen es Hunderte Demonstranten vor dem Bürgerhaus, die einem Aufruf der Rodgauer Jusos folgen und Flagge zeigen. „Aufstehen gegen Rechts“ oder „Rodgau ist bunt, nicht braun“ ist auf den Transparenten zu lesen. Laut ausgepfiffen werden die Besucher der Veranstaltung, die sich am Eingang von den Blauhemden der Security abtasten und kontrollieren lassen müssen. Dann wird gewartet: Frauke Petry steckt im Stau. Der Saal füllt sich nach und nach. Auch draußen wird es immer voller. Die Polizei greift sich ein Plakat, auf dem eine Hitler-Karikatur zu sehen ist. Sonst bleibt es aber weitgehend friedlich.

Eine bunte Mischung: Mehrere hundert Demonstranten zeigten vor dem Bürgerhaus Dudenhofen Flagge gegen die AfD.

Drinnen harren die Besucher aus; 300 sollen es laut Stadtverwaltung schließlich sein. Unruhe am Eingang: Einige werden nicht mehr reingelassen. Dann, um 19.30 Uhr, kommt sie durch den Hintereingang: Frauke Petry. In den aufbrandenden Beifall mischt sich Erstaunen, dass sie tatsächlich da ist, in Dudenhofen, die Frau, über die und deren Partei ganz Deutschland spricht. Petrys gut einstündige Rede ist ein Parforceritt durch die Bundes-, Europa- und Weltpolitik. Die 41-jährige promovierte Chemikerin versprüht anfangs wenig Gift, sondern argumentiert mit stillem Wasser griffbereit.

„Kontroverse ist die Grundlage jeder Demokratie“ ist einer ihrer Sätze. Wer mag da widersprechen? Die konkreten Politikfelder werden eher oberflächlich behandelt: Mehr Geld für Familien und weniger für die EU-Bürokraten, so eine Forderung, die Petry das erste und einzige Mal mit persönlicher Erfahrung würzt. Als 26-jährige Doktorandin sei sie „Rabenmutter“ genannt worden, weil sie ihre Tochter in einer Kinderkrippe unterbrachte. Es müsse möglich sein, Beruf und Familie in Deutschland zu vereinbaren, so ihre Folgerung. Erst nach gut einer halben Stunde landet sie bei der „Flüchtlingskrise“, und hier wird ihre Argumentation schärfer. Das Thema sei viel zu lange ignoriert worden, sie beobachte eine „Destabilisierung des Staatsgefüges“. Ihre Partei habe zuerst angesprochen, dass sich der „Islam den demokratischen Prinzipien unterordnen muss“. Kanzlerin Merkel sei eine Politikerin, deren Zeit abgelaufen sei, und deren Partei langsam zerbrösele. „Wir werden einen Exodus der CDU-Mitglieder erleben.“ Die AfD stehe bereit, „den konservativen Wählern eine Heimat zu bieten“. Viel Beifall brandet auf.

Demonstration gegen AfD-Veranstaltung: Bilder 

Wer der AfD Demokratiefeindlichkeit vorwerfe, liege völlig falsch. „Partei ist, wer demokratisch ist, viele haben diesen Grundsatz nicht verstanden.“ Petry sieht ihre Partei als parlamentarische Kraft, die zuerst in der Opposition ihre Erfahrungen sammeln will. „Wir müssen diejenigen sein, die das Parteiensystem kritisch hinterfragt“, sagt sie, und will dabei das Ohr nah am Wähler haben. Petrys Forderung nach Volksentscheiden auf Bundesebene gipfelt in der Aussage: „Es ist besser, dass die Regierung Angst vor dem Volk hat, als das Volk Angst vor der Regierung.“ Mit diesem Satz hat sie das Bürgerhaus endgültig auf ihrer Seite. Draußen ist es inzwischen dunkel geworden, die Gegendemonstranten harren weiter aus und wärmen sich mit lauter Rap-Musik. Manche tanzen, andere skandieren Parolen. Der Wahlkampf 2017 ist eröffnet, die Kontroverse bleibt.

Quelle: op-online.de

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