Auch Hunde müssen gut versorgt sein

Alltag eines Schäfers: Gute Organisation ist alles

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Markus Metzger muss die Ziege melken, die im Frühjahr ihr Junges verloren hat. Dabei geht ihm auch sein Sohn Leonhardt Koser zur Hand. Obwohl der Grundschüler erst acht Jahre alt ist, folgt er seinem Vater nach den Hausaufgaben nicht selten auf die Weide, um dessen Arbeitsalltag mitzuerleben.

Dudenhofen - Der Alltag eines Schäfers hängt stark von der Planung ab. Davon ist der Dudenhöfer Schäfer Markus Metzger überzeugt. Von Sven Johann Stripling

Schließlich muss er sich bei beim Umgang mit seinen Tieren genau überlegen, wie er deren Zufriedenheit herstellen und sie dennoch nutzbringend einsetzen kann. Dabei hat jeder Arbeitstag seine bestimmte Struktur und jede größere Aktion ihre Zeit im Jahr. Markus Metzger betritt das Gelände, auf dem die Schafe zwischen Dudenhofen und Babenhausen untergebracht sind. Doch bevor er sich den Schafen widmen kann, müssen zunächst die beiden Wachhunde versorgt werden. Die aufmerksamen Vierbeiner haben ihr Herrchen freilich schon aus der Ferne erkannt und deswegen auch sogleich auf das bedrohende Bellen verzichtet, das sonst Fremden zukäme. Stattdessen scheinen die pyrenäischen Berghunde außer sich vor Freude zu sein, denn sie wissen, dass ihre Fütterung bevorsteht.

Auch sie kennen den festen Arbeitslauf des Schäfers, auch wenn die Geschwister erst seit 2014 als Wachhunde bei Markus Metzger eingestellt sind. Im Umkehrschluss weiß das Herrchen aber auch, wie wichtig es ist, dass die Hunde gut versorgt sind, denn auch wenn die Rasse sich durch eine enorme Größe auszeichnet, müssen die Tiere gut genährt sein, um ihre ganze Masse gegen einen Wolf oder einen streunenden Hund einsetzen und die Schafe verteidigen zu können.

Wolf ist schon immer ein Kulturfolger gewesen

Daran, dass es in dieser Gegend keinerlei Wölfe mehr gäbe, will Metzger einfach nicht glauben. „Im Umkreis von 100 Kilometern sind im letzten Jahr zwei Wölfe gesichtet worden. Das ist auch kein Wunder, der Wolf ist schon immer ein Kulturfolger gewesen. Bei der Mitgliederversammlung des Schafzuchtverbands habe ich auch erfahren, dass in Nordhessen eine ganze Herde von einem Wolf gerissen worden ist“, berichtet der Schäfer mit ernster Miene. „So eine eingezäunte Herde wäre ohne Wachhund ja auch ein einziges Buffet für einen Wolf oder einen Luchs, der vielleicht noch gefährlicher ist, weil er lauert und schleicht. Und wie schnell haben die sich unter dem Zaun durchgegraben?“ Nachdem also die Wachhunde versorgt sind, muss nach den Schafen gesehen werden. Dort kommen zwei weitere Hunde zum Einsatz. Abbey und Jess, die Hütehunde des Schäfers treiben auf Kommando in wölfischer Manier die Schafe zusammen in eine kleinere Umzäunung. „Lenken, Treiben, aber niemals zupacken“, so fasst das Herrchen die Aufgaben der Hütehunde prägnant zusammen. Doch obwohl die Hunde aus einer Linienzucht stammen und das Hüten von Schafen fest zu ihrem Instinkt zählt, klappt mitunter nicht alles auf Anhieb. Ein oder zwei Schafe büchsen manchmal noch einmal aus. Diese müssen die Hunde noch einmal separat in die Umzäunung treiben. Schließlich sind alle Schafe beisammen.

So hat Markus Metzger alle im Blick und er verrät, wonach er Ausschau hält: „Bei den Schafen ist es wichtig nachzusehen, wie die Ohrstellung ist, ob eines der Tiere humpelt oder ob die Schafe wiederkäuen. Tun sie Letzteres ist meist alles in Ordnung. Humpelt eines, müssen vielleicht die Klauen gestutzt werden oder dergleichen.“ Da der Schäfer diesmal aber nichts zu beanstanden hat, ist die Kontrolle schnell abgeschlossen. Nun muss er sich noch der Ziege widmen, die im Frühjahr ihr Junges verloren hat und noch immer gemolken werden muss. Hierbei geht ihm auch sein Sohn Leonhardt Koser zur Hand. Obwohl der Grundschüler erst acht Jahre alt ist, folgt er seinem Vater nach den Hausaufgaben nicht selten auf die Weide, um den Arbeitsalltag eines Schäfers mitzuerleben.

Echtes Multitalent: Schäferhunde haben viele Stärken

Zu zweit melken Vater und Sohn also die Ziege, die sich vom Teamwork der beiden keineswegs beirren lässt. Für Markus Metzger ist es sehr wichtig, dass sein Sohn schon in jungen Jahren lernt, einen Arbeitsalltag zu planen und vor allem die viel gerühmten sozialen Kompetenzen zu entwickeln. Deswegen präsentiere sein Sohn auch des Öfteren vor Ort, wenn Schulklassen zu Besuch seien, was die Arbeit eines Schäfers ausmache. Dazu zählten freilich nicht nur die täglichen Aufgaben, denn im Herbst müssten ja auch die Mutterschafe mit einem Bock zusammengetan werden, damit diese im Frühjahr wieder Lämmer austragen könnten. Aus den Lämmern werde dann wiederum oft Wurst gemacht. Zwei Mal im Jahr, nämlich zu „Walpurgis“ und „Michaelis“, also zum 1. Mai und 28. September müssten die Schafe ferner auch geschoren werden.

Die Wolle ließe sich ebenfalls auf Märkten verkaufen. Schließlich müsse aber auch das Gelände regelmäßig einmal umgezäunt werden, damit die Schafe an verschiedenen Stellen das Gras abfressen könnten. Für Markus Metzger sind all diese Dinge längst Routine geworden, die meisten dieser Aufgaben kennt er schon seit seiner Kindheit auf dem Bauernhof seiner Eltern. Und dennoch ist ihm bei der Arbeit mit seinen Tieren die Freude noch immer anzusehen.

Quelle: op-online.de

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