Stadt baut 140 Jahre altes Haus um

Alte Schule wird zur Unterkunft für Flüchtlinge umgebaut

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Hier kommen die Duschen hin: Erster Stadtrat Michael Schüßler und Bauleiter Steffen Schwede im ehemaligen Probenraum der Sängervereinigung. Die großen Räume in der alten Schule werden mit Trockenbauwänden unterteilt.

Jügesheim - Die alte Schule Jügesheim wird zur Unterkunft für Flüchtlinge umgebaut. Die Stadt will dort 54 Menschen in Sechs- bis Acht-Bett-Zimmern unterbringen. Die ersten sollen im Mai einziehen. Von Ekkehard Wolf 

Seit vier Wochen ist das Haus fest in der Hand der Handwerker. Sie stellen Trockenbauwände auf, verlegen Rohre, ziehen Kabel, montieren Sanitärobjekte und spachteln Risse zu. Erster Stadtrat Michael Schüßler lässt keinen Zweifel daran, dass die Stadt nur das Nötigste tut, um eine menschenwürdige Unterbringung zu ermöglichen. „Alles, was man nicht wirklich braucht, lassen wir weg.“ Auch Bauleiter Steffen Schwede spricht von „einfachsten Standards“. Die PVC-Böden bleiben, an den Decken der Räume werden nur die Dübellöcher zugespachtelt. Die Rigips-Wände erhalten keine Tapeten - sie werden einfach gespachtelt, geschliffen und gestrichen.

Im Treppenhaus kamen überraschend Risse zum Vorschein. Sie werden gefüllt und mit Glasfasergewebe stabilisiert.

Die Grundrissplanung orientiert sich an der Lage der Fenster und der Heizkörper, um kostspielige Änderungen an der Installation zu vermeiden. Ein Boiler im Keller versorgt den Sanitärtrakt im Erdgeschoss mit Warmwasser. „Mit Durchlauferhitzern hätten wir das nicht geschafft“, sagt Schwede. Ein alter Versorgungstunnel, der zufällig entdeckt wurde, bietet sich für die Rohre an: „Sonst hätten wir alles auf Putz verlegen müssen.“ „Wir versuchen mit minimalen Mitteln das optimale Ergebnis zu erzielen“, betont Schüßler. Ein Beispiel: Anstatt sich mit uralten Elektroleitungen herumzuschlagen, werden an den Trockenbauwänden neue Strippen gezogen. Das ist sicherer und billiger. Die alten Kabel werden einfach abgeklemmt. „Es ist wesentlich wirtschaftlicher, eine Bestandsimmobilie zu nutzen als Container zu stapeln oder neu zu bauen“, sagt Baudezernent Michael Schüßler. Er rechnet mit Kosten um 100.000 Euro. Die Stadt hat die Aufträge vorrangig an Rodgauer Handwerksbetriebe vergeben.

Die ehemalige Schule ist rund 140 Jahre alt. Sie wurde zwischen 1870 und 1880 erbaut und steht unter Denkmalschutz: „als traditionellen Formen verhafteter spätklassizistischer Schultyp“, wie es in der Denkmaltopographie des Kreises Offenbach heißt. Bei einem so alten Gebäude bleiben Überraschungen nicht aus. So kamen im Mauerwerk des Treppenhauses tiefe Risse zum Vorschein. Sie werden gefüllt, mit einem speziellen Glasfasergewebe stabilisiert und großflächig überspachtelt. Im Gegensatz zur ursprünglichen Absicht werden in der alten Schule keine unbegleiteten Kinder und Jugendlichen untergebracht.

Quelle: op-online.de

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