Ein alter katholischer Brauch bleibt in Weiskirchen lebendig

Breiter Strom der Betenden: Kinder basteln Rosenkränze

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Das Kreuz bildet den Anfang jedes Rosenkranzes. Der Knoten zeigt, warum man beim Rosenkranz nicht vom Basteln, sondern vom Knüpfen spricht.

Weiskirchen - Erlebt der Rosenkranz bei katholischen Christen eine Renaissance? In Weiskirchen war das Thema immerhin spannend genug, um mehr als 20 Kinder ins Jugendheim zu locken. Sie stellten unter Anleitung ihre eigenen Rosenkränze her.

Geduldig zeigt Emmi Kimmel, in welcher Reihenfolge man die Perlen auffädelt.

Emmi Kimmel aus Seligenstadt, regional als Rosenkranz-Expertin gefragt und mit Vorträgen und Workshops weit über den Ostkreis hinaus unterwegs, leitete die Mädchen und Jungen geduldig an. Nach ihren Worten „bastelt“ man einen Rosenkranz nicht, sondern man „knüpft“ ihn. Die Teilnehmer des Nachmittags sind acht bis zehn Jahre jung. Viele Mütter waren als Begleitung dabei. Ihnen allen vermittelte Emmi Kimmel in gut eineinhalb Stunden auch viel Wissen über die seit Jahrhunderten gebräuchlichen Betketten. Nicht etwa von oben durch die Kirchenhierarchie, vielmehr im Volk habe sich das Rosenkranzgebet stetig weiter entwickelt. Stetig breiter sei der „Strom der Betenden“ durch die Jahrhunderte geworden, ebenso die Inhalte, die sie an die Gottesmutter herantragen. „Es ist wie ein Strahl durch die Geschichte“, so Kimmel.

Uralt und nach wie vor gültig ist das Grundmuster: Die Finger gleiten über die aufgereihten Perlen, die in Größe und Form für bestimmte Gebete stehen. Wer das Kreuz berührt, spricht das Glaubensbekenntnis. Sechs größere, allein stehende Perlen fordern jeweils zum Vaterunser auf, die kleineren zu einem „Gegrüßet seist du, Maria“. Dazu werden, je nach Wochentag oder Anlass, Bitt- oder Bußverse gesprochen. Den Kindern in Weiskirchen hatte Emmi Kimmel bunte Perlen mitgebracht, jede Farbe für einen Kontinent: „Blau für Amerika, grün für Afrika, weiß für Australien, gelb für Asien und rot für Europa.“ Auch die vor wenigen Wochen heilig gesprochene Mutter Teresa habe bei jeder Perle für einen anderen Erdteil gebetet. Nach der Handarbeit ging es in die religiöse Praxis: Gemeinsam wurden die frisch gefertigten Rosenkränze „eingebetet“.

Über den unerwartet großen Zuspruch in Weiskirchen zeigte sich die Seligenstädterin begeistert. Aus Sicht der Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Annette Loferer bestätigt der Erfolg das vom kürzlich neu formierten Gremium gestartete Konzept: „Wir wollen christliche Symbolik erklären“, immer ausgerichtet an der Jahreszeit. Im November sollen laut Loferer Advents- und Weihnachtsbräuche im Mittelpunkt stehen. Dann geht es um Fragen wie: „Warum hängen wir Kugeln an den Weihnachtsbaum und zünden nacheinander Adventskerzen an?“

Kommunion und Konfirmation: Bilder aus der Region

Der Rosenkranzmonat Oktober bot sich für den Auftakt an: Am 7. Oktober feiert die katholische Kirche seit 1913 jährlich das Rosenkranzfest. Am 13. Oktober jährt sich im kommenden Jahr zum 100. Mal das Fatima-Wunder, als nach der Überlieferung die Sonne am Himmel „tanzte“. Die Gottesmutter Maria soll vorher mehrfach drei Hirtenkindern erschienen sein und das Ereignis angekündigt haben. (rdk)

Quelle: op-online.de

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