Ausstellung im Heimatmuseum

Alte Kneipenherrlichkeit

+
Den Gaststätten in Nieder-Roden widmet sich eine neue Ausstellung im Heimatmuseum. Günther Keller (rechts) und Frank Stoffels (Mitte) freuten sich am Eröffnungstag über viele Besucher und neues Material, das unter anderem Hubert Reichenbach (links) mitgebracht hatte.

Nieder-Roden - Auf ein Bier ins Greils, ein Äppelwoi im Lenerts oder beim Maurer-Adam ein paar Runden Skat - selbst eingesessene Nieder-Röder müssen bisweilen nachdenken, wie Opas Stammkneipe oder das Vereinslokal ihres Gesangvereins tatsächlich hieß.

Auf die Sprünge hilft der Arbeitskreis für Heimatkunde: Bis Anfang Dezember dreht sich im Heimatmuseum alles um die Gaststättenkultur, die zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts im damaligen Bauerndorf erblühte, mit knapper Not zwei Weltkriege überstand und nun weitgehend Geschichte ist. 15 größere Gaststätten hat es um 1950 in Nieder-Roden gegeben, die meisten entlang der Dudenhöfer, Haupt- und Ober-Rodener Straße sowie zwischen Schulstraße und Bahnhof. Günther Keller vom Arbeitskreis Heimatkunde und sein Vorstand kennen sie nach monatelangen Recherchen alle, zum großen Teil auch ihre Geschichte. In ihrer Galerie aus Original-Möbeln, Bierreklamen, Gläsern, Flaschen und zahllosen Fotos gibt es Lücken, die sich, so hofft der Vorsitzende, bis Jahresende weitgehend schließen: „Dies hier ist ein Anfang“, so Keller. Ein wahrer Schatz an Bildern, Dokumenten und Erinnerungsstücken schlummert nach seiner Überzeugung noch in Vereins- und Privatarchiven, in Kellern und auf Dachböden.

Denn in den Gastwirtschaften spielte sich, besonders nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die 1970er Jahre hinein, das gesellschaftliche und vor allem das Vereinsleben ab. Praktisch jeder Verein habe sein Stammlokal gehabt, weiß Keller. Die Feuerwehr etwa, als Quelle bereits angezapft, pflegte im Gasthaus „Zur Eisenbahn“ zu tagen, im Café Meyer residierten die Handballer der SG. Im „Engel“ hatten sich die Schützen, in der „Krone“ die Sänger eingerichtet.

Von dort stammt auch das klobige Radio aus den 1950er Jahren, das die Ausstellung mit Swing und alten Schlagern untermalt. Zwar kann der Veteran auch noch UKW, Vorstandsmitglied Frank Stoffels hat die antiquierte Technik aber mit einem MP3-Player aufgerüstet, der am Plattenspieler-Eingang hängt. So beschallt wird unter anderem ein quadratischer Tisch mit vier einfachen Holzstühlen aus dem Gasthof „Zur Post“. Mit Biergläsern und einem scheinbar achtlos hingeworfenen Skatblatt sieht er aus, als wäre die Besatzung gerade einmal Luft schnappen gegangen.

Leserbilder: Die schönsten Plätze in Rodgau

Die „Post“ kannte jeder in Nieder-Roden, wenn auch nicht unbedingt von innen. „Frühere Generationen waren da oft eigen“, weiß Günther Keller: „Man ging ins Stammlokal und mied die meisten anderen.“ Geschichten, oft jene der Wirtsfamilien, erzählten die Namen der Etablissements. Der „Engel“ etwa hieß im Dorf lange „Lenerts“ nach dem Wirt Leonhard Reichenbach, später „Siska“ nach Franziska Spahn und bis in jüngere Zeit nur „Herbert“ wie Inhaber Herbert Spahn. Der „Maurer-Adam“ in der „Eisenbahn“ hieß eigentlich Adam Simon, war aber Maurer von Beruf. Und zum „Greils“ wurde die „Krone“ mit der Wirtsfamilie Greul.

Die Recherchen gestalteten sich laut Keller schwieriger als erwartet: Die Wirtsfamilien hätten in den Gaststätten häufig auch gewohnt, das bisschen verbliebene Privatsphäre sei vielen wichtig. Der Arbeitskreis hofft auf weitere Bilder und Geschichten von Privat- oder Vereinsfeiern. Am Eröffnungstag gab es einen ersten Erfolg: Mit Bildern seines Cousins, einst Gastwirt in Nieder-Roden, erschien der Mainhausener Hubert Reichenbach. Noch namenlos sind die meisten der Wirte, die stramm auf einer großformatigen Schwarz-Weiß-Aufnahme aus den 1930er Jahren posieren. „Deutsche, trinkt Bier“ fordert ein Schriftzug im Hintergrund. Für Ergänzungen und Anregungen ist der Arbeitskreis immer offen. Wer Informationen oder potenzielle Exponate hat, findet Kontakt per E-Mail an info@heimatverein-nieder-roden.de oder erreicht Günther Keller unter der Nummer 06106/733306. Geöffnet ist die Ausstellung in der Regel an jedem dritten Donnerstag im Monat ab 14 Uhr. Dann gibt es auch Gelegenheit zum Plaudern im Café des Heimatmuseums. (rdk)

Bilder

Quelle: op-online.de

Kommentare