Beschwerden über Ruhestörung

TSV-Aufstieg: Auf den Jubel folgt der Ärger

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Jubel beim TSV Dudenhofen: Nach dem 3:1-Sieg der zweiten Mannschaft im Relegationsspiel erhielt Fußball-Abteilungsleiter Stefan Kloos eine Dusche aus dem Wassereimer. Daniel Rebell (rechts) half mit ein paar Spritzern Mineralwasser nach. Wenig später machte die Polizei der ausgelassenen Aufstiegsfeier ein Ende.

Dudenhofen - Ein frühes Ende fand die Aufstiegsfeier der TSV-Fußballer am Sonntagabend. Schon 42 Minuten nach dem Abpfiff kam die Polizei. Nach Beschwerden aus der Nachbarschaft musste der TSV die Musik abdrehen und die Fans nach Hause schicken. Der Vorwurf: Ruhestörung. Von Ekkehard Wolf 

Der Verein sieht sich zu Unrecht als Zielscheibe eines einzelnen Nachbarn. Ein Anwohner beschwere sich seit einem halben Jahr beinahe täglich über Lärmbelästigung, teilte Fußballabteilungsleiter Stefan Kloos per E-Mail mit: „Wir haben lange geschwiegen, jetzt jedoch ist das Maß voll.“ Es müsse wenigstens erlaubt sein, den Aufstieg zu feiern. Am Sonntag habe es sich in mehrfacher Hinsicht um eine außergewöhnliche Situation gehandelt, so Kloos. Das Relegationsspiel der zweiten Mannschaft gegen den FC Maroc Offenbach habe erst um 18.30 Uhr begonnen - also zu einer Zeit, zu der normale Pflichtspiele längst vorbei seien. Eine Ausnahme sei auch die Musikanlage gewesen, die für den Fall des Aufstiegs bereitstand.

Das Polizeipräsidium Südosthessen bestätigt auf Anfrage, mehrere Anwohner hätten sich am Abend über „unglaublichen Lärm“ beschwert. Gegen 21.20 Uhr war deshalb eine Polizeistreife auf dem Sportplatz. Die Beamten forderten die Verantwortlichen auf, die Musik abzuschalten und die rund 250 Besucher heimzuschicken. Nach Angaben der Polizisten hätten die Bässe bis zum Bistro „C’est la vie“ gedröhnt, berichtet TSV-Abteilungsleiter Kloos: „Da haben wir den Stecker gezogen.“ Der Verein habe kein Interesse, die Situation eskalieren zu lassen. Stefan Kloos weiter: „Unter Strafandrohung mussten wir zusagen, bis 22 Uhr das Gelände verlassen zu haben.“ Kurz nach 22 Uhr habe er das Tor abgeschlossen. Zu diesem Zeitpunkt sei niemand mehr auf dem Platz gewesen.

Dennoch notierte die Polizei um 22.38 Uhr einen erneuten Anruf aus der Nachbarschaft. Ein Anwohner klagte, dass gegrölt und gesungen werde. Eine Polizeistreife konnte gegen 23 Uhr jedoch nichts feststellen. Die Fußballer hatten sich längst zum Feiern in den Biergarten des Vereinslokals „Kaminstube“ zurückgezogen. Die 23-Uhr-Fahrt war der dritte Polizeibesuch des Tages beim TSV. Bereits um 16.55 Uhr, also anderthalb Stunden vor Spielbeginn, hatte ein Anwohner die Polizei gerufen, weil vom Sportplatz „wieder einmal ruhestörender Lärm“ zu hören sei. Aber was sind normale Geräusche des Sportbetriebs und was ist unzumutbarer Lärm? Der Fachdienst Umwelt des Kreises Offenbach orientiert sich an der Sportanlagenlärmschutzverordnung. Nach 22 Uhr gelten die niedrigeren Richtwerte der Nacht, sonntags schon um 20 Uhr. In seltenen Fällen erlaubt die Verordnung auch eine Überschreitung der Lärmwerte. „Unangemeldet darf man an 18 Tagen im Jahr Ausnahmen machen“, weiß Stefan Kloos. Er sieht diesen Punkt entspannt: „Wir haben im Regelspielbetrieb nur 14 Heimspiele im Jahr.“

TSV Dudenhofen II feiert Kreisliga-Aufstieg: Bilder

Das Relegationsspiel vom Sonntag war laut Kloos noch in einer anderen Hinsicht außergewöhnlich: „Wir haben es zum ersten Mal in 20 Jahren erlebt, dass die Nachbarn fast durchgängig an den Fenstern und auf den Balkonen gestanden sind und dem Spiel zugeguckt haben.“ Zu den meisten Anwohnern habe der TSV ein sehr gutes Verhältnis. Es habe sich noch verbessert, seit die Fußballjugend auf den Kunstrasenplatz umgezogen sei. Eine weitere Entlastung: Seit der Saison 2014/15 bestreiten die drei Herrenmannschaften ihre Heimspiele nur noch an jedem zweiten Sonntag. Der lärmgeplagte Anwohner kann das aber nicht wissen: Er wohnt angeblich erst seit Sommer letzten Jahres in der Mietwohnung am Sportplatz.

„Es ist in der Tat so, dass sich dort ein Anwohner beschwert“, bestätigt Kreis-Pressesprecherin Kordula Egenolf. Die Sportler fühlen sich massiv eingeschränkt, wie Stefan Kloos sagt: „Es gibt sogar Beschwerden, wenn ein einziges Jugendspiel auf dem Kunstrasen stattfindet.“ Möglicherweise gibt es im Sportzentrum Dudenhofen bald die nächste Aufstiegsfeier. Denn jetzt spielt auch die dritte Mannschaft in der Relegation. Abteilungsleiter Stefan Kloos: „Wenn alles gut geht, feiern wir nächste Woche den dritten Aufstieg innerhalb von zwölf Monaten.“

Quelle: op-online.de

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