Problem-Spürnasen gefragt

Auftakt im Repaircafé bringt Tüftler zeitweise ins Schwitzen

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Die Mikrowelle, die eine Frau auf den Tisch wuchtet, sieht mit den vielen Tasten entschieden nach High-Tech aus, stellt sich aber hartnäckig tot.  

Nieder-Roden - Geht nicht gibt’s nicht. So einfach wie der Werbeslogan glauben machen will, lassen sich technische Fehler im wirklichen Leben selten beheben.

Im Repaircafé am Puiseauxplatz sahen sich Initiator Heinz Zborek und seine Mitstreiter am Auftaktabend gefordert: Die Resonanz bei der Premiere übertraf die Erwartungen und brachte die Tüftler zeitweise ins Schwitzen. Jahrelang hat die elektrische Schreibmaschine im Keller gestanden. Er habe sie gebraucht gekauft und erst einmal das Farbband wechseln müssen, erzählt ihr Besitzer, während er am Empfangstisch einen Auftragszettel ausfüllt. „Beim ersten Brief hat sie dann den Geist aufgegeben. Das hier ist der letzte Versuch.“ Ähnliches hört Zborek an diesem Abend oft: Die Patienten, die Besucher ihm und seinen beiden Mitstreitern vorstellen, leiden meist schon länger an einem Defekt, haben ihr Dasein zuletzt im Keller oder auf dem Dachboden gefristet.

Gekauft, benutzt, irgendwann kaputt – warum gleich wegwerfen? „Reparieren spart Geld, schont die Umwelt und macht außerdem Spaß“, skizziert Zborek die Idee, die ihm vor sechs Jahren in den Niederlanden begegnete und die ihn seither nicht mehr losgelassen hat. Von Amsterdam aus, wo 2009 das erste Repaircafé eröffnete, hat das Konzept nach Worten von Bert Wähner das Land im Sturm erobert und greift inzwischen auch in Deutschland Raum. Wähner und sein Verein „Starke Hilfe“, der in ganz Rodgau soziale Initiativen unterstützt, stehen hinter dem Nieder-Röder Projekt. „Wir wollen das mindestens die ersten ein bis zwei Jahre begleiten“, sagt er.

Kooperationspartner ist außerdem die Stadt Rodgau. Bürgermeister Jürgen Hoffmann habe seine Idee begeistert aufgenommen, berichtet Heinz Zborek. Die Kommune stellt das Sozialzentrum kostenlos zur Verfügung und hat nach Angaben von Bardo Neuhäusel, Leiter des Fachdienstes vier im Rathaus, auch den Kontakt zum Hilfeverein vermittelt. Die Reparateure hat sich Zborek, gelernter Feinwerkmechaniker, selbst zusammengesucht. „Sie sollten Spaß am Basteln und die richtigen Berufe haben“, sagt er – also Techniker, Handwerker oder wie er selbst leidenschaftlicher Freizeittüftler sein.

Neben Können und dem richtigen Werkzeug braucht ein Reparierer viel Geduld und eine feine Problem-Spürnase. Die Mikrowelle, die eine Frau auf den Tisch wuchtet, sieht mit den vielen Tasten und Sensoren zwar entschieden nach High-Tech aus, stellt sich aber hartnäckig tot. „Wohl ein Wackler“, diagnostiziert der Experte und liegt offenkundig richtig: Ein paar Handgriffe, dann hat das Gerät wieder Strom und erwacht piepsend zum Leben.

Komplizierter liegt der Fall bei einem dekorativen Weihnachtsdorf aus Sperrholz: Zwar brennt in den Häuschen noch Licht, die kleine Eisenbahn, die anfangs munter ihre Runden drehte, bewegt sich aber leider nicht mehr. Um an den Elektromotor zu kommen, müsste der Fachmann etwas aufbrechen – aber gibt es auf das Stück vielleicht noch Garantie? Guter Rat gehört laut Bert Wähner nicht nur zum Service, „Hilfe zur Selbsthilfe“ sei auch Teil der Grundidee. „Das hier ist keine Gratis-Werkstatt“, bekräftigt Heinz Zborek, und sei nicht als kostenlose Konkurrenz zum Handwerk gedacht. Als Anerkennung für geleistete Dienste oder einen treffenden Tipp wünscht er sich eine kleine Spende und ist enttäuscht, wenn jemand ohne Obolus von Dannen zieht oder nicht einmal den einen Euro für ein Stück Kuchen oder ein Schmalzbrot übrig hat.

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Unter dem Strich jedoch ist Zborek mit der Premiere hoch zufrieden: Mehr als 30 Besucher am ersten Abend hatte er nicht erwartet. Nach dem ermutigenden Auftakt soll das Repair-Café laut Bert Wähner künftig an jedem zweiten Donnerstag im Monat in der Zeit zwischen 18 und 21 Uhr im Sozialzentrum öffnen. Angedacht sei enge Zusammenarbeit mit einer ähnlichen Initiative in Rödermark, einschließlich Austausch von Reparateuren.

Personelle Verstärkung aber braucht sein kleines Team laut Heinz Zborek auf jeden Fall: „Drei Leute, drei Stunden, über 30 Kunden – das ist fast Akkordarbeit.“ Gefragt seien außer Elektrotechnikern oder Mechatronikern beispielsweise auch Tischler, die Möbel reparieren, oder Frauen, die nähen oder stricken. Kontakt zum Organisator nehmen Interessenten auf unter 01520/6879431, E-Mail: heinz.zborek@starke-hilfe.de. (rdk)

Quelle: op-online.de

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