Beispiel Dirk Kratz

Bei Facebook: Glückwünsche an einen Toten

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Dirk Kratz

Rodgau/Rödermark - Michael Gerritz wollte sie ausbremsen. Aber die Flut an Glückwünschen zum Geburtstag am 13. Oktober war nicht zu stoppen. Eigentlich ja schön, wenn viele Menschen an einem solchen Tag an einen Menschen denken.

Aber wenn der Beglückwünschte bereits tot ist, ist das für Hinterbliebene und Freunde schwer zu ertragen. So wie im Fall von Dirk Kratz: Der verstorbene Konzertveranstalter wäre am 13. Oktober 50 Jahre alt geworden. Facebook und die Folgen: Wenn ein Nutzer („Mitglied“) dieser weltweiten Internetplattform sein Geburtsdatum angegeben hat, werden davon alle Kontaktpersonen („Freunde“) in Kenntnis gesetzt - mit der Ermunterung zu gratulieren.

Dirk Kratz gehörte in Rodgau zu den Ersten, die die Möglichkeiten von Facebook und ähnlichen Diensten für sich und ihre Arbeit nutzten. Entsprechend viele „Freunde” hat der Kulturberater, wie Kratz sich nannte, auf seinem Facebook-Profil versammelt - Tausende von nah und fern. Besonders viele davon wollten jetzt dem Mann zu seinem Fünfzigsten gratulieren, der einer der Erfinder der Jügesheimer Kulturinitiative Maximal war und danach den Impuls-Kulturverein mit aufbaute, der Rodgauer Musiktalente förderte und für überregionale Bands hinter den Kulissen wirkte.

Als die Happy-Birthday-Welle geradezu gruselig wurde, postete Gerritz dagegen: „Ich finde es ja toll, dass so viele an Dirks Geburtstag denken, aber einem Verstorbenen einen schönen Tag zu wünschen oder alles Gute für die Zukunft, klingt für mich etwas makaber.” Der Gipfel: ein Foto, das nackte junge Frauen zeigt, die sich gegenseitig fröhlich einseifen. Darunter der Vorschlag, sich am Geburtstag so richtig verwöhnen zu lassen.

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Man kann unterstellen, dass die Netz-Gratulanten nicht mitbekommen haben, dass Kratz am 28. Februar gestorben ist. So kann eine an sich gute neue Möglichkeit des raschen Glückwünschens arg daneben gehen. Zumal der Facebook-Auftritt von Dirk Kratz nach seinem Tod nicht abgeschaltet wurde. Da offenbar viele seiner Online-Kontakte per Mobiltelefon gratulierten und nicht auf die Facebook-Seite gingen, fiel ihnen da der „Halt!”-Versuch von Michael Gerritz aus Rodgau vermutlich nicht auf.

So wurde emsig weiter gepostet. Der Autor der „Musikszene“ sprang Gerritz, dem Sänger des Sextetts „Emergency Exit”, zur Seite, indem er den Nachruf auf Dirk Kratz nochmals auf Facebook veröffentlichte. Auch das half zunächst wenig - hat aber der Facebook-Seite der Rubrik „Musikszene Rodgau/Rödermark” einen Reichweiten-Rekord beschert.

Michael Gerritz kommentiert erleichtert: „Wenigstens hat es dazu geführt, dass Dirks viel zu frühes Ableben jetzt mehr Menschen bekannt gemacht wurde - möge er noch lange in Erinnerung bleiben.” Mittlerweile ist auf Kratz’ Facebook-Seite Stille eingekehrt.

mc

Quelle: op-online.de

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