Nur Mut zur eigenen Firma

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Lorenz Ohm hat nach vielen Jahren Arbeit in der Computerbranche auf einen Onlinehandel umgesattelt. In seinem Keller zuhause befinden sich Büro und Lager.

Rodgau - Der Weg zur eigenen Firma ist nicht immer gerade. Das erlebt Lorenz Ohm derzeit. Im vergangenen Sommer quittierte er bei seinem früheren Arbeitgeber Dell den Dienst. Und ist jetzt im zweiten Anlauf mit einem Onlinehandel am Markt. Von Bernhard Pelka 

In Hainhausen betreibt der 45-Jährige einen Internetvertrieb für Dessous. Büro und Lager sind im Keller des privaten Wohnhauses. Dort befindet sich auch das Fotostudio, in dem der studierte Betriebswirt Aufnahmen von der Ware macht, um sie dann auf seiner Internetseite www.dessousgrosshandel.de anbieten zu können. Sein erster Schritt in die Selbstständigkeit scheiterte an zu hoher Miete für eine Halle. Ohm wollte als Franchisenehmer in eine Baumarktkette einsteigen. „Die Unkosten für die Immobilie waren aber einfach zu hoch.“ Jetzt also der Handel mit feiner Unterwäsche.

An der Uni in Bremen hat der frischgebackene Chef Fremdsprachen und Betriebswirtschaft studiert. Die vergangenen 15 Jahre betreute er beim Computerspezialisten Dell als Manager Großkunden in Verkauf und Beratung. Ihn habe es aber auch dort schon lange gereizt, „eigene Ideen durchsetzen zu können, ohne zuvor fünf Verwaltungsebenen durchlaufen zu müssen“. Der Vertrieb von Computern in Eigenregie hätte bei diesem Berufsweg eigentlich nahe gelegen. „Das geht aber nur im großen Stil und nicht als Einzelkämpfer online. Reine Handelsware verticken, bringt keine Margen. Das ist ein knüppelhartes Geschäft, bei dem man als Kleiner nur verlieren kann.“ Auch den Gedanken daran, ein Softwarehaus mit Service aufzubauen, habe er verworfen. „Das wäre auch nicht meine Stärke gewesen. Ich hätte dann sofort speziell ausgebildete Leute einstellen müssen. Zu riskant!“

Im Internet kam der Jungunternehmer auf einer Seite, die Unternehmensverkäufe anzeigt, letztlich auf den Trichter. Ohm kaufte einen bereits bestehenden Dessoushandel samt Lager und Kundenstamm auf. Jetzt können Boutiquen und andere Einzelhändler bei ihm unter 600 Artikeln wählen. Begleitet hat den Newcomer beim Projekt Selbstständigkeit die Industrie- und Handelskammer. Deren Hausjurist prüfte Verträge, andere Experten standen mit guten Ratschlägen zur Seite – kostenlos, wohlgemerkt. „Die kennen die Fallstricke ganz genau. Ich kann nur jedem empfehlen, die IHK mit ins Boot zu nehmen.“ Wie lebt sich’s denn jetzt so als Selbstständiger mit einer 60-Stunden-Woche? Hat sich der Sprung ins kalte Wasser gelohnt? „Es ist schon manchmal beängstigend, dass da kein Netz mehr ist, das einen auffängt. Andererseits ist es auch sehr befreiend, selbst verantwortlich zu sein.“

Sein eigener Chef ist jetzt auch Rainer Gottbehüt. Der IT-Spezialist musste seinen früheren Arbeitgeber Hewlett-Packard verlassen, als der Firmenstandort Rüsselsheim geschlossen wurde. Da den Computerfachmann der Gesundheits- und Wellnessbereich schon immer sehr interessierte, bietet er nun an, wovon viele Arbeitnehmer träumen: mobile Massage zur Entspannung am Arbeitsplatz. Darüber hinaus hat Gottbehüt in seinem Haus in Hainhausen eine Praxis eingerichtet, um die Kunden dort in einer stilvollen Wohlfühlathmosphäre behandeln zu können. Im Jahr 2012 stand der berufliche Wechsel an. Dem folgten mehr als zwölf Monate Ausbildung nach der „TouchLife“-Methode, die Anleihen bei der traditionellen chinesischen Medizin nimmt und den Massagepraktiker von Anfang an überzeugte.

Verspannter Nacken durch zu viel Stress? Rainer Gottbehüt wird das Problem schon lösen. Verkrampfte Rückenmuskulatur durch permanentes Sitzen vor dem Bildschirm? Der Wellness-Experte kann helfen. Zum Beispiel mit vorsichtiger Dehnung und großflächigen Griffen. Auch Akupressurpunkte werden bei dieser sanften Massage, die sich natürlich immer am Schmerzempfinden des Kunden orientiert, einbezogen. Den Spezialstuhl und die Liege, die es dafür braucht, bringt der Masseur gleich mit. Der gebürtige Offenbacher kennt Grenzsituationen aus seinem eigenen Berufsleben. „Das war für mich auch eins der Motive, in den Gesundheitsbereich zu wechseln. Ich möchte Firmen aufzeigen, wie sie schon mit Kleinigkeiten viel für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tun können.“

Gottbehüts neue Profession verlangt fortwährende Weiterbildung. Derzeit lernt der Gesundheitsfachmann die japanische Behandlungsmethode Shiatsu kennen und möchte sich zum Fachlehrer für Sport und Fitness ausbilden lassen. Sein Ziel sind in erster Linie zufriedene Kunden. Aber auch das Wachstum seiner Firma liegt ihm am Herzen. „Ich könnte mir vorstellen, dass später mal einige Mitarbeiter nach der „TouchLife“-Methode für mich arbeiten“, blickt der 51-Jährige in die Zukunft. Wer ihn kennenlernen möchte, ist am 29. März beim Rodgauer Frühlingsfest im Bioladen Haller (Jügesheim) richtig. Zuvor schon zeigt Rainer Gottbehüt am 26. Februar auf dem „Marktplatz Gesundheit“ der Industrie- und Handelskammer Frankfurt (Börsenplatz 4), was er kann.

Quelle: op-online.de

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